Wenn man die beiden Einspielungen von Verdis Maskenball unter Sir Georg Solti vergleicht, mag man kaum glauben, dass der Dirigent tatsächlich derselbe sein soll:
Wie in vielen seiner späten Aufnahmen verzichtet Solti hier auf die für ihn früher charakteristischen Knalleffekte im Orchester, setzt auf ein weniger schroffes Klangbild und wählt auch flüssigere Tempi, was gerade dieser Oper, dem heitersten, versöhnlichsten unter Verdis Dramen sehr gut bekommt.
Auch bei der weiblichen Hauptrolle hat die neue Aufnahme die Nase vorn: Statt der etwas steifen Birgit Nilsson singt hier die Mozart-Spezialistin Margaret Price die Amelia - mit leuchtend lyrischer Stimme und großer Ausdrucksintensität. Neben der stimmlich sehr viel opulenteren Leontyne Price eine der überzeugendsten Rollenvertreterinnen überhaupt.
Der König Gustav/Ricardo war eine Lieblingsrolle von Luciano Pavarotti und neben dem Herzog von Mantua (Rigoletto) vielleicht seine beste Verdi-Partie, wie geschaffen für seine helle, metallisch strahlende Stimme: Was ihm gegenüber Interpreten wie Björling, Bergonzi, Domingo an interpretatorischer Subtilität fehlte, machte er durch musikalischen Instinkt mehr als wett.
Renato Bruson schließlich, der Sänger des Renato/Anckarström, wurde von der Schallplattenindustrie recht spät entdeckt, so dass seine edle, weiche Stimme in vielen Aufnahmen schon recht abgenutzt klingt. Hier präsentiert er sich noch in guter Form, besonders im ersten Akt. Für die großen Racheschwüre im dritten fehlt ihm allerdings etwas Metall in der Stimme.
Die Nebenrollen sind sehr prominent besetzt, wobei Kathleen Battles Oscar jedoch wenig knabenhaft klingt. Christa Ludwig dagegen überzeugt als weniger unheimliche als sensible und mütterliche Ulrica. Auch die Verschwörer sind ausgezeichnet besetzt.
Insgesamt also ist dies eine der schönsten Gesamtaufnahmen des Maskenballs, die es nicht verdient hat, in Vergessenheit zu geraten.