Wie der Untertitel ankündigt, äußert sich Wolfgang Niedecken - aufgezeichnet von Teddy Hoersch - über die Entstehungsgeschichten zu allen BAP-Alben und den darauf enthaltenen einzelnen Songs inklusive Live-Raritäten, seltener Single-B-Seiten und CD-Bonustracks, streng chronologisch von "Rockt andere kölsche Leeder" (1979) bis zum damals aktuellen Album "Comics & Pin-Ups" (1999).
Nun hatte man ja in den "warmen Worten" und den Anmerkungen zu den Songs auf den Alben selber immer schon etwas über ihre Entstehung lesen können; umso erstaunlicher, wie viel Hintergrundwissen durch dieses Buch dazu kommt. Anhand der eingehaltenen Chronologie läßt sich die Bandgeschichte sehr schön nachverfolgen, wobei Niedecken sich auf die Songs konzentriert und zum Bandgeschehen gerade so viel durchscheinen läßt, dass man nur neugierig auf mehr wird - z.B. immer wenn er nur einen Satz zum Ausstieg oder Wechsel eines langjährigen Bandmitgliedes verliert und man sich fragt: aber wie kam es denn nun dazu? Normal nervt mich sowas, in diesem Fall erhöht für mich die Konzentration auf das Wesentliche - und das sind hier nun mal die Songs - die Spannung.
Hatte Niedecken bei seinem Buch "Auskunft", das ein paar Jahre früher ebenfalls nach Gesprächsaufzeichnungen entstanden war, den Erzählfluss noch etwas durch seine Schnoddrigkeit und seinen leicht aufgesetzt wirkenden Szene-Slang gebremst, so erzählt er hier erfrischend unkompliziert und gerade heraus, und man merkt, dass er über die Jahre spürbar seinen Frieden mit sich gemacht hat, er wirkt sehr mit sich im Reinen. Dabei spart er auch nicht mit Selbstkritik, z.B. wenn er von seinen früheren Eheproblemen erzählt und seinen zahlreichen zum Scheitern verurteilten Versuchen, die Familie auf Biegen und Brechen zusammen zu halten, und den faulen Kompromissen, die er dabei einging.
Schade finde ich allerdings, dass seine Soloalben, "Schlagzeiten" (1987) und "Leopardefell" (1995), zwar erwähnt, aber nicht weiter behandelt werden; schließlich stehen doch auch sie in direktem Zusammenhang mit BAP, und sei es nur, dass er dort Dinge verwirklichen konnte, die mit BAP leider nicht umsetzbar waren (was besonders für "Schlagzeiten" zutrifft).
Ich habe den Eindruck, dass Niedeckens Kommentare zu den frühen Alben und Songs etwas länger geraten sind; man spürt, wie er in der Erinnerung diese Zeiten der "brotlosen Lehrjahre" bis zum Durchbruch noch einmal voller Begeisterung Revue passieren läßt. Auf der anderen Seite zeichnet sich rückblickend auch der sich anbahnende Ausstieg vom Major ab, da Niedecken immer wieder die Konflikte andeutet, die dadurch entstanden, dass dieser seine Songs (zu denen Niedecken dann oft seine Texte schrieb) gerne fertig komponiert und durcharrangiert der Band präsentierte, während Niedecken die Arbeitsweise bevorzugt, seine Songideen der Band vorzulegen und diese dann gemeinsam mit ihr beim Spielen zu entwickeln.
Dieses Buch beleuchtet sehr unterhaltsam und ausführlich aus erster Hand die BAP-Songs bis 1999, man bekommt völlig neue Aspekte zu sehen und Lust, sich die Alben mal wieder unter diesen neuen Gesichtspunkten zu Gemüte zu führen - und damit hat das Buch seinen Zweck voll erfüllt!