Originaltitel: The Court-Martial of Billy Mitchell
Filmdauer: 96 Minuten
Genre: Militärfilm; Justizdrama; Biographie
Das ist ein Film über einen Menschen, der an seine Grundsätze glaubt und sich von nichts abhalten lässt, diese zu vertreten, auch gegen den massiven Widerstand der Umgebung. Gary Cooper ist hier die ideale Besetzung, da er Rollen mit komplexer Behandlung von Gewissenskonflikten sehr glaubwürdig verkörpert, wie z.B. in High Noon, Friendly Persuasion oder York.
Die U.S. Luftwaffe war am Anfang ihres Entstehens keine wesentliche Waffengattung und wurde seitens anderer Waffenverbände für unwichtig erachtet. Infolge ihres niedrigen Budgets wurde die Versorgung und Sicherheit der Flieger und Air Force-Mitarbeiter vernachlässigt. Folge waren viele unnötige, jedoch schwerwiegende Unfälle der Piloten, teilweise mit Todesfolge. Zu den überzeugten Verfechtern und Förderern der Luftwaffe gegen den Widerstand der Vorgesetzten und Politiker zählte der US-Luftwaffenoffizier William (Billy) Mitchell (1879-1936), der die nachhaltige Bedeutung der Luftwaffe voraussah. Um den Preis der Degradierung seines Offiziersranges und einer Anklage wegen Gehorsamsverweigerung, setzte er sich für die Förderung, Modernisierung und Verbesserung der Luftwaffe ein. Er sah einen Angriff der Japaner auf Pearl Harbor voraus, wurde darum als Phantast verunglimpft, später jedoch von der Geschichte bestätigt und rehabilitiert.
Der Film ist solide und glaubwürdig, sowie als überzeugendes Justizdrama dialektischer Argumentationsseiten interessant und durchaus packend. Auf der einen Seite Gary Cooper als in die Enge getriebener Luftwaffenoffizier, der mit der ganzen verzweifelten Kraft gegen die präpotente und unfachliche Besserwisserei des Umfeldes kämpft und seine ganze Laufbahn dabei aufs Spiel setzt. Auf der anderen Seite ein talentierter, junger Rod Steiger (obzwar ab der 75. Minute) als gewiefter, intelligenter und glänzend argumentierender Militäranwalt, der alle juristischen Kniffe anwendet, um zu siegen, sich am Ende jedoch moralisch geschlagen geben muß.
Der Film ist also (Achtung!) kein Kriegsfilm, sondern ein militärisches Justizdrama, wie z.B. "Eine Frage der Ehre".
Die Gerichtsverhandlung beginnt ab der 41. Minute und verwandelt den Film in eine packende Auseinandersetzung über den Sinn des Gehorsams und Ungehorsams um der Überzeugung willen.
Als solcher ist es ein reiner Dialogfilm, der aber nie als dialoglastig empfunden wird. Er wird jenen gefallen, welche interessiert sind an Historie, Gary Cooper, Rod Steiger, Militärgeschichte, Billy Mitchell und komplexen Gerichtsverhandlungen.
Gleichzeitig ist das Drama befreit von jeglichem Kitsch und Pathos. Es ist solide, sachliche Studie über einen historischen Abschnitt und sehr authentisch in Szene gesetzt, als ein bemerkenswertes Dokument der damaligen Epoche. Die Dialoge sind nie langweilig, obwohl es stets um das hin und her der einen Frage nach der Würdigung der Air Force geht, und um den schwierigen Gewissensweg eines Mannes, der nicht aufgibt, seine Überzeugung kompromisslos zu bezeugen.
Es ist dem Film hoch anzurechnen, dass er eine Person würdigt, welche sich ja gegen die allgemein verbreitete und gültige Meinung der Mehrheit gewandt hat. Von daher ist es ein selbstkritisches Dokument und Hinweis, dass die Aufmüpfigen, Kritiker und Unruhestifter oft die eigentlichen Patrioten des Landes sind - also die eigentlichen Retter und Helden der Geschichte. Insofern vermittelt der Film als Studie über den Wert von Kritik und Courage eine bemerkenswerte pädagogische Botschaft.
Und das können die Amerikaner technisch und fachlich sehr gut, wenn auch die Inszenierung einem Österreicher anvertraut wurde.
Letztlich gehört der Film ganz eindeutig einem exzellent agierenden Gary Cooper.
Die Bildqualität ist mittelmäßig, aber für einen seltenen Film wie diesen verkraftbar. Für einen Dialogfilm ist dieses Mittelmaß durchaus verschmerzbar. Leider sind die Konturen links und rechts des Bildrandes etwas verengt.
Es ist auch schön, den damaligen deutschen Synchronsprechern zu lauschen in der deutschen Bearbeitung, obwohl die Tonqualität mäßig ist.