Schiller übertraf sich selbst, als er seine Dramen verfasste, denn seine Erzählungen können, bis auf wenige Ausnahmen seinen Dramen nicht das Wasser reichen. Die Fischer-Ausgabe enthält folgende Erzählungen:
*Eine großmütige Handlung
*Der Verbrecher aus verlorener Ehre
*Spiel des Schicksals
*Der Geisterseher
*Das philosophische Gespräch aus dem Geisterseher
*Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache
*Haoh-Kiöh-Tschuen
Seine Erzählungen scheinen beim Lesen etwas modernerer und gewagterer Natur zu sein als seine Dramen (Wilhelm Tell und Maria Stuart sind beispielsweise mehr in die Vergangenheit versetzt, wohingegen "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" oder "Der Geisterseher" mehr "avantgardistische Züge" des 19.Jahrhunderts tragen), dennoch langweilen seine Erzählungen etwas, da keine gewollte Spannung, kein starker Aufbau herrscht, sondern nur Sätze niedergeschrieben sind, die irgendwie zu einer schönen oder dramatischen Geschichte herhalten sollen, kurzum Schiller wäre kein guter Romancier gewesen. Er verstand zu dramatisieren, aber nicht innerhalb einer Erzählung und da er dies vermutlich zu tun versucht hat, sind seine Erzählungen leicht daneben gegangen. Mit "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" greift Schiller ein zeitgenössisches und heikles Thema auf, das er ausnahmsweise brillant umsetzt und somit ist diese Erzählung wohl auch seine beste und bekannteste, zumahl sie auf Tatsachen beruht. Diese Erzählung sollte man gelesen haben, ansonsten, glaube ich, sollte man sich mehr an Schillers Dramen halten und diese bewundern (wer hierfür keine Bewunderung aufbringen kann, sollte ganz die Finger von Schiller lassen, wobei dies sehr schade wäre).
Dieser Text wurde von einer 19-jährigen verfasst.