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So schwadroniert IfZ-Chef Möller bereits im Vorwort über einen gesicherten "Täteranteil von 5 bis 10 %" in den Reihen der Wehrmacht, um sich dann in den folgenden Aufsätzen auch von Historikern aus dem eigenen Hause implizit der bloßen Spekulation vorführen zu lassen. Die ideologischen Grabenkämpfe sind - das wird beim Lesen des knapp 200-seitigen Bandes recht deutlich - noch lange nicht überwunden; geschichtspolitische Paradigma treten hier und dort in greller, ungeschminkter Form an die Oberfläche. Etwa, wenn Christian Hartmann in seinen Überlegungen über die alte Mär' von den vielen Verbrechen der sehr wenigen Mittäter im grauen Waffenrock fabuliert, die ohne Kenntnis der (doch wieder "sauberen"?) Masse der Fronttruppen im Rücken der Front geschehen seien (er umschreibt das Ganze weniger Revisionsmus-verdächtig als "indirekt reziprokes Verhältnis" von Verbrechens- und Aufmarschdichte). Dabei hätte ein kurzer Blick in die ungemein kenntnisreichen Aufsätze zur Wirtschafts-, Besatzungs- und Hungerpolitik der Wehrmacht belegt, dass es so einfach nun auch wieder nicht ist, wie Hartmann suggeriert. Das Buch wirft in seiner erfrischenden Heterogenität vor allem in diesem Kernbereich zahlreiche grundsätzliche Fragen auf: Was genau soll unter "Verbrechen" verstanden werden und wo liegen die Grenzen zur Mittäter- und Komplizenschaft? Generalisierende Thesen, dies illustriert dieses streitbare Kompendium eindringlich, sind wissenschaftlich schwerlich zu erbringen. Notgedrungen unfertige, aber ungleich konstruktivere Antworten liegen eher, wie Ulrike Jureit in ihrem lesenswerten Aufsatz betont, in der Rekonstruktion des Konkreten, Individuellen - den äußerst vielschichtigen ideologischen und außerideologischen Rahmenbedingungen individuellen Handelns von Tätern, Mittätern und eben auch Nichttätern in den Reihen der deutschen und nichtdeutschen Streitkräfte.
Kurzum: Ein lesenswerter Band, der seine besondere Stärke gerade dann entfaltet, wenn die Autoren konkrete, empirisch abgesättigte Forschungsergebnisse ihrer Forschungsarbeiten entfalten. Als fader Beigeschmack bleibt jedoch diese unvermittelte geschichtspolitische Parallelität. Man vermisst, um wieder das eingangs berührte Bild zu bemühen, eine Synthese der vorgestellten Ansätze. Vielleicht wurde diese aber - gerade in Anbetracht der nach wie vor existierenden Gegensätze - bewusst ausgespart.
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