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Kundenrezensionen

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am 19. Oktober 2002
Daß es sich bei Dostojewskis "prestuplenie i nakazanie" um ein Meisterwerk allerersten Ranges handelt ist sicher jedem Leser dieser Zeilen bereits zu Ohren gekommen. Ich spare mir daher eine Inhaltsangabe, etc.
Das wirklich Besondere an diesem Buch ist seine Übersetzung. Auf beeindruckende Weise schafft es die Übersetzerin (Svetlana Geier) die Subtilität und Energiegeladenheit der Sprache Dostojewskis im Deutschen wiederzugeben. So werden in dieser Übersetzung die Figuren bereits anhand ihrer Ausdrucksweise ausführlichst charakterisiert: Frau Geier läßt zum ersten Mal verschiedene Figuren mit verschiedenen Soziolekten und Dialekten auftreten. Eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich den russischen Originaltext einmal anschaut. Dennoch ein komplettes novum in der Tradition deutscher Dostojewski-Übersetzungen. Besonders gelungen schon der jeglicher religiösen Konnotation entledigte Titel: "Verbrechen und Strafe" anstatt "Schuld und Sühne".
Hier können sie zum ersten mal Dostojewski auf Deutsch lesen!
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am 21. November 1999
Es reicht nicht, diesen Kriminalroman nur einmal zu lesen: Die faszinierdenden Einblicke in die Psyche des Petersburger Studenten Raskolnikow liefern Denkanstöße für längere Zeit... Verbrechen und Strafe ist ein psychologisches Meisterwerk und meines Erachtens der beste 'Dostojewski' - Ein absolutes Muß für Freunde hochwertiger Klassiker.
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am 25. Juli 2007
Endlich gibt es diesen wunderbaren Roman in einer brillanten Übersetzung. Schon der Titel ist endlich korrekt übersetzt, da der Originaltitel "Prestuplenje i Nakazanje" schlicht und einfach "Verbrechen und Strafe" bedeutet, nicht "Schuld und Sühne". Swetlana Geier schafft, was vor ihr kein Übersetzer geschafft hat, nämlich den Tonfall Dostojewskis aus dem russischen Original (das ich mehrfach gelesen habe) genau und vor allem, staubfrei in die deutsche Sprache zu bringen.
Fazit: ein großartiger Roman, glänzend übersetzt (wie übrigens alle von Swetlana Geier übersetzten Dostojewski Romane), Glück für alle Leser.
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am 19. September 2002
Bei „Verbrechen und Strafe" handelt es sich um ein fesselndes und eindrückliches Stück Weltliteratur, welches die verschiedensten Stilrichtungen beinhaltet und den Leser/die Leserin in eine uns zum Teil fremde Welt entführt. Obschon es sich in erster Linie um einen Kriminalroman handeln dürfte, lässt es Dostojewskij nicht auf diesem beruhen. Vielmehr vermischt er die Kriminalgeschichte mit dem Psychogramm eines Mörders, in welchem wir Einblick in die inneren Konflikte, Ängste, Rechtfertigungen und eigenen Theorien des Schuldigen erhalten. Das Werk erhält dadurch eine immense Tiefe, nicht zuletzt auch deswegen, weil Dostojewskij den Täter nicht als einen schlechten Menschen ins Bild rücken lässt, sondern ihn als intelligenten, wenn auch sonderbaren, Zeitgenossen darstellt. Neben den kriminalistischen - die Auflösung des Mordfalles - und den psychologischen - die Gedankengänge eines Mörders - Komponenten erhalten wir ebenso ein äusserst präzises Gesellschaftsbild von St. Peterburg im 19. Jahrhundert. Die Armut, die soziale Ungerechtigkeit sowie den existentiellen Überlebenskampf, welche die Protagonisten und Protagonistinnen täglich erfahren müssen, werden dem Leser/der Lesein imposant und bildhaft vor Augen geführt.
Auch wenn man den Täter und dessen Tat nie wirklich VERSTEHEN wird, verstrickt man sich beim Lesen unweigerlich in Mitgefühl und Barmherzigkeit, leidet mit dem Protagonisten mit und durchlebt unaufhaltsam dessen Qualen und Rechfertigungsversuche. Dostojewskij verführt einen unglaublich packend in die auswegslose Lebensgeschichte der Hauptperson, was ohne Zweifel auch auf die stilvolle und formvollendete Sprache, welche durch die gute Neuübersetzung von Swetlana Geier noch mehr zum Ausdruck kommt, zurückzuführen ist.
Ein Buch, welches sich wohl kaum „zum Lesen zwischendurch" eignet, dafür aber bei der genauen Lektüre umso mehr an Gehalt gewinnt. Ein Meisterwerk, für das es sich mit Bestimmtheit lohnt, zwischendurch auch ein wenig auf die Zähne zu beissen...
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am 29. Dezember 2009
REZENSION ZU DOSTOJEWSKIJ: VERBRECHEN UND STRAFE - FISCHER TASCHENBUCH - 2008

Warum sollte man sich 750 Seiten eines russischen Klassikers antun?

Dafür gibt es zwei mögliche Gründe.

Erstens. Dostojewskij hat in diesem Roman das Columbo-Prinzip erfunden.
Der Mörder, aus dessen Perspektive die Handlung geschildert wird, wiegt sich überlegen und in Sicherheit, doch der ermittelnde Staatsanwalt bringt ihn durch betont harmloses Nachfragen in Bedrängnis. Der "perfekte Mord" bleibt daher nicht ungesühnt. Doch für diesen Teil der Handlung, der spannend ist, insbesondere weil der Mörder immer wieder Lust verspürt, den Staatsanwalt zu provozieren, brauche ich keinen dicken Schmöker - dafür reicht mir auch Detective Columbo im Fernsehen. Gibt es also noch andere Argumente? Die gibt es durchaus.

Zweitens: Die Innenperspektive des Mörders. Damit ist Dostojewskij meiner Meinung nach das entscheidend Neue gelungen: Ein Student entschließt sich ein Verbrechen zu begehen, und wir beobachten ihn hautnah - von den verworrenen Motiven für die Tat, über den grausamen Mord selbst, bis hin zu seiner Verfolgung, die den größten Teil ausmacht, und schließlich seiner Strafe. Dabei haben wir an seinen Gedanken gleichsam völlig ungeschützt teil, etwa an seinem wiederkehrenden, masochistisch anmutenden Bedürfnis, seine Verfolger zu provozieren, an seiner sich ins irrationale steigernden Angst, und auch an seiner zur Tat im (scheinbar) krassen Widerspruch stehenden Menschlichkeit.

Bei der Schilderung all dessen gelingt Dostojewski meiner Meinung nach eine psychologische Genauigkeit und Schonungslosigkeit in der Darstellung, wie ich sie bisher noch nicht gelesen habe. Und dabei ist es überhaupt kein kompliziertes Buch, man muss nicht stundenlang über einzelne Sätze nachdenken sondern kann die anschaulichen Beschreibungen flüssig und schnell lesen.

Na Gut... hier und dort, die eine oder andere Länge blieb nicht aus... . Trotzdem: Ein Buch, dass ich aufgrund seiner Intensität und Reife nicht vergessen werde.

Noch ein Hinweis zur Übersetzung: Früher galt die Übersetzung von E. K. Rahsin (Piper Verlag) als Standard. Seit Swetlana Geier das Werk 1994 komplett neu und "Schuld und Sühne" mit dem treffenderen Titel "Verbrechen und Strafe" übersetzt hat, gilt diese als neuer Standard.

Diese habe ich gelesen und halte sie für sehr empfehlenswert!
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am 24. Januar 2005
Verbrechen und Strafe - oder auch Schuld und Sühne, wie der Titel früher übersetzt wurde - ist ein großartiger Roman aus dem goldenen Zeitalter der russischen Literatur, dem 19. Jahrhundert. Mancher mag Respekt vor dem Werk, dem Autor und auch dem Umfang des Buches haben. Aber man sollte sich hiervon nicht abschrecken lassen. Das Buch ist und bleibt eine der für mich eindrucksvollsten Lektüren überhaupt. Raskalnikow, der Protagonist des Romanes bleibt einem lebhaft in Erinnerung. Und: Der Roman ist richtig spannend! Natürlich will sich so ein Werk, das sich eindringlich mit Schuld, Liebe und mit der tiefgehenden Beschreibung einer verirrten menschlichen Seele beschäftigt, nicht auf einen Krimi reduziert sehen. Aber was man hat, das hat man, und wenn Dostojewskij nicht nur hochwertig, sondern auch noch spannend schreibt, dann nimmt man das gerne mit. Ein Buch, das in keiner gutsortierten Büchersammlung fehlen darf!
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am 15. März 2014
Der Protagonist Rodion Raskolnikoff betrachtet sich trotz dürftiger finanzieller, wie materieller Mittel, als ein über der Gesellschaft stehendes Individuum, dem es obliegt, dass normale Volk nach seinen eigenen moralischen Grundprinzipien zu behandeln. Aufgrund seiner intellektuellen Veranlagung, die ihn vollkommener und wichtiger gegenüber der normalen Masse erscheinen lässt, fühlt er sich als eine Art Übermensch, dem es gewährt ist, seinen Überschuss an Lebenskraft und Macht, in die Entstehung neuer Werte einfließen zu lassen.
Anstatt jedoch sein wertvolles Potential, für eine Verbesserung der Bedingungen an der Gesellschaft zu verwenden, nutzt er seine sich selber zugeschriebenen Sonderprivilegien, für den Gedanken an einen Mord. Sein Vorhaben gründet sich auf die These, dass er, der Außergewöhnliche, während der Tat unumschränkter Herr über Verstand und Willen bleiben wird und nicht zu denen gehört, die sich einer Schuld bewusst wären. Sein Mordopfer ist eine geizige, böse und egoistische Pfandleiherin, die für Raskolnikoff den Inbegriff einer " Laus ", einer für ihn wertlos erscheinenden Person darstellt, über deren Leben die außergewöhnlichen Menschen sich einfach hinwegsetzen können.
Während des Tatvorgangs überkommt ihn allerdings doch jener Wahnzustand, den er bei sich ausgeschlossen sah, so befällt ihn ein Taumel, die Arme werden kraftlos, sogar sein Beil kann er kaum noch halten. Mit seinem angestrebten Beweis also, zu zeigen, dass er, einem Napoleon ähnlich, die Kontrolle über sich behält, muss er nun feststellen, dass er im grunde selber zu den gewöhnlichen, lediglich die Gattung erhaltenden Menschen zählt.
Dieses Scheitern, einer sich selber entworfenen Ideologie, finden wir auch in Dostojewskis Roman, der Jüngling wieder. Auch dort wird eine Idee, welche den Anspruch einer Lebensmaxime erwecken sollte, durch Erfahrungen mit der Gesellschaft, transformiert. Für Arkadij Dolgorukij, den Protagonisten, kommt es jedoch zu einer positiven Angleichung, während das Scheitern Raskolnikoffs fatale Folgen bewirkt.
Für den Täter beginnt nun ein Prozess, der einerseits von dem Bemühen geprägt ist, sich selber das Verbrechen zu verheimlichen, aber andererseits, sich auch der unbewussten Strebungen, die zu einem Geständniszwang hinstreben, bewusst zu werden. Genau diesen Konflikt veranschaulicht Dostojewski nun und lässt den Leser diesem traumatischen Leidensweg beiwohnen und schafft es paradoxerweise, sogar gewisse empathische Mitleidsgefühle für den Täter hervorzurufen. Dieser wird nun kurze Zeit später auf das Revier gebeten, allerdings wegen eines anderen, nicht zum Mord in Verbindung stehenden Sachverhaltes. Doch sein paranoider Zustand zeichnet sich bald durch Selbstverrat induzierende Indikatoren aus, so das der ermittlungsführende Staatsanwalt, Porfiriy Petrowitsch, sich nicht nur der Schuld Raskolnikoffs sehr schnell bewusst wird, sondern auch der Faktoren seines psychologischen Geständnisprozesses. In Folge nimmt er die Rolle eines modernen Psychotherapeuten ein, der durch subtile Suggestionen, das Schuldbekenntnis im Täter immer weiter vorantreibt, bis der Täter schließlich selber seine Schuld gesteht. Letztendlich muss Raskolnikoff einsehen, dass sein theoretisches Konstrukt, einer praktischen Überprüfung nicht standhällt. Eine Laus bleibt halt eine Laus.
Insgesamt ein sehr gelungenes Meisterwerk, welches anregt über Moral und Ethik zu philosophieren, aber auch einen tiefen Einblick in das Bewusstsein eines Täters gibt. Diesen Klassiker sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben.
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am 24. Juni 2013
Ich habe den Roman in der Übersetzung von Swetlana Geier gelesen, lasse dieses Thema aber beiseite und beschränke mich auf meinen Leseeindruck.

Die Geschichte ist bekannt: Raskolnikow, Jurastudent an der Petersburger Universität, begeht aus einer durch Nietzsche beeinflussten nihilistischen Haltung heraus einen Mord, muss erkennen, dass er nicht "Übermensch" genug ist, mit der Tat zu leben und stellt sich schließlich den Behörden.

Wer den plotgetriebenen Stil moderner Literatur gewohnt ist, wird Dostojewskis Sprache sehr neu finden - ich brauchte ein bisschen, bis ich mich darauf einlassen konnte. Sein Roman lebt von den lebhaften inneren Monologen der Figuren, die fast in Echtzeit gehalten sind, den genau wiedergegebenen Gedankengängen und der sehr naturalistischen wörtlichen Rede. Wir hören (lesen) die Figuren einen Gedanken anfangen, verwerfen, innehalten, stottern, neu formulieren... In der heutigen Literatur ist es üblich, Dialoge und Gedanken sehr pointiert und verdichtet zu gestalten, aber so spricht man im wirklichen Leben natürlich nicht. Sondern eher so, wie Dostojewski es (be-)schreibt. Dadurch ist man den Figuren sehr nah. Die Handlung wird auch nicht so sehr durch Taten, sondern eben durch das innere Geschehen der Figuren vorangetrieben. Raskolnikow vor allem kam mir nach anfänglichem Fremdeln so nahe, dass ich mir zeitweilig fast gewaltsam ins Gedächtnis rufen musste, dass ich mich gerade mit einem Mörder identifiziere. Ihm durch seine inneren Turbulenzen zu folgen, baut trotz bekanntem Ausgang eine erstaunliche Spannung auf, so dass sich die knapp 800 Seiten lasen wie im Fluge.

Die Figuren sind Ideenträger und insofern stilisiert, haben aber bis in die Nebenfiguren große psychologische Tiefe. Dostojewski lässt durch sie Ideenkonstrukte gegeneinander antreten, und es bleibt lange offen, welche Position er selbst einnimmt, wiewohl er die Sympathien des Lesers so lenkt, dass man es sich denken kann. Ich teile seinen Standpunkt nicht, aber dennoch habe ich mich gern zum Philosophieren anregen lassen, denn Dostojewski wirft eine immer noch gültige Frage auf: Ist "Größe" eine Rechtfertigung, um eines künftigen Nutzens für die Menschheit willen Verbrechen zu begehen? Muss ein außergewöhnlicher Mensch sich nicht an die geltende Moral halten? Darf er also Böses tun, um Gutes zu erreichen?

Viele Szenen sind bis ins Absurde übersteigert, wie zum Beispiel die Totenfeier Marmeladows - ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, so intensiv war trotz des grimmigen Humors der emotionale Gehalt. Andere Szenen thematisieren derart abstoßende Seelenzustände oder grausame Geschehnisse, dass ich mir wünschte, ich könnte quasi beim Lesen wegschauen. Aber alle sind so intensiv aufgeladen, dass ich mich ihrer Wirkung nicht entziehen konnte. Meisterhaft!

Das Ende war für mich, die ich dem Phänomen Religion skeptisch gegenüberstehe, ein bisschen zu viel - und ich fand, der alte Titel "Schuld und Sühne" hatte durchaus seine Berechtigung. Trotzdem habe ich die Lektüre sehr genossen, nicht zuletzt, weil dieses Buch ein pralles, buntes Bild Russlands in der Mitte des 19. Jahrhunderts malt - das russische Pendant zum England von Charles Dickens.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen! "Verbrechen und Strafe" ist ein besonderes Leseerlebnis und hat immer noch Gültigkeit.
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am 2. Dezember 2010
"Kein Zweifel: Der russische Originaltitel bedeutet wörtlich 'Verbrechen und Strafe" und nicht 'Schuld und Sühne". Peter Urban, der den deutschen Freunden russischer Literatur als meisterhafter Übersetzer bekannt ist, beglückwünscht - in der ZEIT Nr. 49 vom 3. Dezember 1993 - seine Kollegin Swetlana Geier 'zu dem Mut", für ihre Neuübersetzung von Dostojewskis Roman 'endlich den richtigen Titel gewagt zu haben".

Wenn nun also der Übersetzungstitel 'Verbrechen und Strafe" wörtlich richtig ist - was gibt es dann noch an ihm zu deuteln? Zum Deuteln zwingt uns der Leser: Der Übersetzer hat ja nicht nur dafür zu sorgen, daß das Original möglichst richtig übersetzt wird, sondern auch dafür, daß die Übersetzung beim Leser möglichst richtig ankommt. Ist es nicht diese letztere Sorge, die den Übersetzer - auch Swetlana Geier und Peter Urban - daran hindert, den Dostojewskischen Originaltitel - dem Kindler folgend - 'noch genauer" zu übersetzen, nämlich mit 'Übertretung und Zurechtweisung"?

Dostojewski betont in seinem Roman diesen ursprünglichen Sinn der beiden russischen Wörter ausdrücklich. Er läßt den Helden, Raskolnikow, das verbrecherische Vorhaben als existentielles Experiment verstehen: Wenn ein Mensch sich seiner Freiheit gewiß ist, kann er sich jegliches Verbrechen im Dienste seiner Selbstverwirklichung erlauben; er kann die Grenzen der menschlichen Natur 'übertreten" und die 'Übertretung" schlimmstenfalls als eine Art Krankheit hinter sich bringen; eine 'Zurechtweisung" durch irgendeine maßgebliche Instanz braucht er nicht zu befürchten, da ihn seine Freiheit dem Zugriff aller Instanzen enthebt.

Aber Dostojewski läßt seinen Helden schon vor der 'Übertretung" die 'Zurechtweisung" von innen her erfahren: Raskolnikow ist ja - seinem russischen Namen gemäß - ein 'Gespaltener". Nur mit seiner Ratio kann er sich die 'Übertretung" erlauben; sein Gewissen spricht ihn jedoch schon bei der Planung des Vorhabens schuldig.

Dem Originaltitel entspräche also (im Sinne Dostojewskis) der Übersetzungstitel 'Übertretung und Zurechtweisung" tatsächlich 'noch genauer" als der Titel 'Verbrechen und Strafe". Dennoch verwendet ihn kein Übersetzer; der 'genauere" Titel würde ja den Leser irreführen: als ginge es in Dostojewskis Roman um ein mehr oder weniger harmloses Delikt, etwa das Parken einer Kutsche im Halteverbot, und um eine entsprechend harmlose Verwarnung. Der russische Titel ist dagegen - wie Swetlana Geier und Peter Urban mit Recht sagen - 'sachlich und hart"; er bedeutet eben 'Verbrechen und Strafe". Sollten wir also nicht einfach mit diesem Titel zufrieden sein und das Übersetzungsproblem auf sich beruhen lassen?

Wie kommt es aber, daß zwei so kompetente Übersetzer wie Swetlana Geier und Peter Urban bei der Befürwortung des Titels 'Verbrechen und Strafe" und bei der Ablehnung des Titels 'Schuld und Sühne" ausdrücklich betonen, Raskolnikow werde 'nicht einmal im Epilog des Romans von Schuldgefühlen geplagt"? Enthält also schon der 'sachliche und harte" Titel eine Geringschätzung der 'metaphysischen" Dimension, der fundamentalen 'Grenzübertretungs"-Thematik des Romans? Als ginge es in 'Verbrechen und Strafe" nicht vom Anfang bis zum Ende um Raskolnikows 'Schuld und Sühne", als wäre Raskolnikow nicht schon im ersten Satz ein 'Gespaltener", ein 'Unentschlossener", der sich zu einem verbrecherischen Vorhaben entschließen will, obwohl sein Gewissen die mitmenschliche Natur in ihm dagegen mobilisiert. Tatsächlich zeigt ja Dostojewski, wie Raskolnikow vor und nach seinem Verbrechen fortwährend 'von Schuldgefühlen geplagt" wird.

Dem deutschen Leser verschweigt der Titel 'Verbrechen und Strafe", daß der russische Titel die hintergründige 'metaphysische" Bedeutung bereithält, die der Romantext dann ausdrücklich erschließt. Deshalb meine ich, der deutsche Leser, der Dostojewskis Roman in der hervorragenden Neuübersetzung von Swetlana Geier liest, sollte in Gedanken den wörtlich richtigen Titel 'Verbrechen und Strafe" durch den sinngemäß besseren Titel 'Schuld und Sühne" ersetzen. Wenn er sich dabei fragt, warum Dostojewski seinem russischen Leser den sinngemäß besseren Titel zugunsten einer latenten 'metaphysischen" Wortbedeutung vorenthalten hat, so mag er sich erinnern, daß Dostojewski zu seiner Zeit das russische Lesepublikum, das in 'Westler" und 'Slawophile" gespalten war, als Ganzes ansprechen wollte. Mit dem Titel 'Schuld und Sühne" hätte er die revolutionären und die liberalen Westler von vornherein abgeschreckt; sie hätten sich gesagt: wieder mal typische Dostojewski-Predigt über das christliche 'Fundament" im russischen Menschen; die Lektüre können wir uns ersparen.

Sicherlich klingt der Übersetzungstitel 'Schuld und Sühne" ziemlich pathetisch. Aber Dostojewski hat ja selber in seinem Romantext keineswegs Pathos vermieden. Nabokov hat sich darüber lustig gemacht - und damit dem Zeitgeist entsprochen, der solches Pathos für Politik, Krieg und Fan-Kult reserviert, während er für die E-Kunst sarkastisch-zynische, brillant-unterhaltsame Rituale der Verwandlung von Menschen in Mickymäuse vorschreibt. Aber wer interessiert sich für Zeitgeister, wenn er Dostojewski liest?"
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am 12. Januar 2005
Verbrechen und Strafe ist ein Kriminalroman der Extraklasse. Der Held, Roskolnikoff, lebt in Petersburg, am Ende des 19. Jahrhunderts. Er ist Ex-Student, der in einer winzigen Dachwohnung haust und von einer ungeheueren Frage gequält wird: Gibt es Menschen die nicht verdienen zu leben, deren Tod der Beseitigung eines Hindernisses für jemand anderen gleichkäme?
Raskolnikoff bejaht diese Frage für sich und wird zum Mörder an zwei Frauen (denen er eben dieses Recht am Leben abspricht).
Von da an beginnt für ihn eine entsetzliche Qual. Einmal weil die Polizei ihm (auch durch seine Schuld) auf der Spur ist. Vor allem aber weil er erkennt, dass er nicht das Recht hatte das Leben der beiden zu beenden, er kein Napoleon ist, der unbestraft und mit der Moral auf seiner Seite morden und stehlen kann.
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