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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
100 von 111 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Realität oder Fiktion?,
Von Jupiter (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Schirach ist Anwalt und angeblich sind die Fälle, die er in der vorliegenden Sammlung von Stories beschreibt, wahr. Ich bin geneigt, das für einen Trick zu halten. Aber ich mag mich täuschen, und schließlich ist es egal. Denn die klare, knappe Sprache, die häufig kurzen Sätze, in denen neutral und mitleidlos die Lebensumstände der "Verbrecher" beschrieben werden, sprechen für sich. Vielleicht konnte sich Herr von Schirach diese Schicksale nicht ausdenken, vielleicht musste er es auch nicht. Auch das ist gleichgültig. Sie werden zu Literatur, indem sie notiert, gedruckt und gelesen werden. Und gelobt. Und das zu recht. Schirachs Sprache ist intensiv und elegant gleichzeitig, sie besitzt eine Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann. Dazu kommt: Was der Autor hier offeriert ist nicht wenig, er bietet seinen Lesern einen Blick in das Leben von "Verbrechern". (Weil sie dem Leser nicht als solche erscheinen, stehen hier die Anführungszeichen.) Vielleicht ist es für viele Leser ein zusätzlicher Anreiz, dass es hier vorgeblich (?) um wahre Begebenheiten geht. Aber ich möchte noch einmal betonen: es ist nur ein stilistischer Unterschied. Oder sollte ich mich täuschen? Denn eines kann Schirach mit seinem Erzählansatz nicht, nämlich in den Verstand seiner Protagonisten eindringen. Schirach beschreibt Fakten, keine Gedanken. Wer zu den Fakten noch die Gedanken der "Verbrecher" kennen will, der muss sich doch wieder auf die bekennende Fiktion verweisen lassen, auf Jan Costin Wagner, der in "Nachtfahrt" einen Mörder auf dem Weg zu seiner Tat begleitet und in "Das Schweigen" von den Jahren nach der schändlichen Tat berichtet, oder auf Sabine Alt, die in "Weras Talent" einer Professorin beim Morden über die Schulter sieht und In "Vergiss Paris" die missglückende Rehabilitation einer bereits Verurteilten begleitet. Diese Stoffe sind Fiktion, darum dürfen die Autoren über die Gedanken ihrer Figuren verfügen. Schirach tut dies nicht, er hält sich an die Fakten. Und die Gedanken der "Verbrecher" entstehen im Kopf des Lesers. Das ist geschickt und es ist allemal Literatur!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beklemmende Fälle aus dem realen Leben,
Von
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Taschenbuch)
Ferdinand von Schirach beschreibt reale Verbrechen, die er als Strafverteidiger kennengelernt hat und was soll ich sagen, seine Fälle gehen alle miteinander unter die Haut.
11 Geschichten legt er uns als Leser vor und man liest diese Fälle anders als jeden guten Kriminalroman, einfach aus dem Wissen heraus, das das alles wirklich geschehen und nicht erfunden ist. Mit diesem Bewußtsein lassen diese Verbrechen eine beklemmende Atmosphäre entstehen und man sieht manche Schicksale von Tätern und Opfern aus einer anderen Sicht. Nämlich aus der Sicht eines Mannes, der ganz nah dran ist an diesen Geschehnissen und seine lakonisch, distanzierte Art, darüber zu schreiben geben dem Ganzen eine noch etwas realistischere Note. Er beschönigt nichts und auf manche detaillierte Schilderung hätte ich gerne verzichtet und doch ist es genau das, was mich auf der anderen Seite so beeindruckt hat. In diesen Fällen braucht es keinen künstlichen Knall, wie man sie oft in einem Thriller liest, denn diese Fälle sprechen alle für sich und soetwas kann man sich nicht ausdenken... Nicht jedes Verbrechen wird aufgeklärt und so läßt uns der Autor auch mit dem Wissen zurück, das manch ein Straftäter oder Mörder nicht verurteilt wurde und somit immer noch auf freiem Fuß ist; und mit diesem Wissen und Gedanken bin ich noch nie am Ende eines Buches angelangt, das Realität und keine Fantasie ist! 5 Sterne für einen Tatsachenbericht an den ich noch lange denken werde! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
87 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Faszination und Eitelkeit,
Von Dr. Reinhard Lahme "t 43 t" (Borgwedel SH) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Vorbemerkung: Die Stories des Berliner Strafverteidigers Ferdinand von Schirach habe ich an einem längeren Leseabend regelrecht "verschlungen". Ich war einerseits begeistert; andererseits aber blieb ein mir zunächst unverständliches Mißbehagen zurück. Also las ich "Verbrechen" nach ein paar Tagen noch einmal. Jetzt verstehe ich, warum ich nicht ungeteilt loben mag...
Der Autor versammelt elf Geschichten, die allesamt eins gemeinsam haben: Die Protagonisten geraten mit den Gesetzen in Konflikt. Zum Beispiel der Arzt im Ruhestand, den ein in jungen Jahren geleisteter Eid zu einer entsetzlichen Tat treibt; die beiden aggressiven Glatzköpfe, die in der Person eines eher unscheinbar wirkenden Herrn an den Falschen geraten; die Schelmengeschichte mit den 9 libanesischen Brüdern; oder - für mich die beste, weil anrührendste Geschichte ("Der Äthiopier") - der Bankräuber, für den die Schöffen zusammenlegen, um ihm ein Flugticket zu schenken... Die spannenden Stories sind in einer an amerikanischen Vorbildern geschulten souveränen, glasklaren,kunstvoll schlicht gehaltenen Sprache gehalten, die man einem Juristen kaum zutrauen würde, wenn man nicht wüßte, daß auch ein Goethe, ein Storm, ein Kafka usw. Juristen waren. Ob die Geschichten "wahr" sind, wie es der Waschzettel suggerieren möchte? Nein, natürlich nicht; allenfalls einige bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Versatzstücke mögen aus realen Prozessen stammen. Abgesehen davon, daß von Schirach seine Approbation als Anwalt aufs Spiel setzen würde - nicht zufällig stellt er seinem Buch ein bestimmtes Motto von Werner K. Heisenberg voran ("Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich"). Was mir weniger gefällt? Der gar nicht so heimliche "Held" der meisten Geschichten ist - Ferdinand von Schirach selbst, als kenntnisreicher, gewitzter, cleverer, belehrender, eben: großartiger und damit erfolgreicher, aber auch eitler Anwalt seiner Mandanten agierend. Sein Plädoyer für ein "abwägendes Schuldstrafrecht" hätte er wohl besser an anderer Stelle gehalten. Hier stört es, mich jedenfals, nur - bis hin zur in diesen Textpassagen eher juristisch-ausschweifenden Sprache. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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