Obwohl die Geschichte in der Ariadne-Reihe erschienen ist, handelt es sich nicht um einen ausgesprochenen Frauen-Krimi, auch wenn die Protagonistin und Ich-Erzählerin natürlich weiblichen Geschlechts ist. Der Roman besitzt durchaus einige (atmosphärisch) interessante Aspekte (z. B. das dörflich ostdeutsche Milieu, die Nazi- und Sowjet-Historie des militärischen Sperrgebiets, die "verbotene Stadt" bzw. die "Bücherstadt" Wünsdorf etc.), doch diese können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich insgesamt um eine sehr umständlich erzählte und langatmig wirkende Story handelt. Im Mittelpunkt steht die Heldin und Erzählerin Lilli und ihre Beziehung zu ihrer Mutter Mathilde. Gerade zu Beginn wird diese äußerst detailliert und ausufernd dargestellt, ohne dass sich die Autorin um den Aufbau von Spannung zu kümmern scheint. Weder das Verhältnis zwischen Lilli und ihrem Mann (die Ehe ist durchschnittlich, nicht glücklich, aber auch nicht kriselnd) noch die Konflikte zwischen Lilli und ihrer übertrieben besorgten, Tochter-fixierten Mutter sind wirklich spannend. Die Story plätschert dahin, und wenn uns nicht auf der ersten Seite mitgeteilt worden wäre, dass Mathilde mittlerweile tot ist, könnte man sich fragen, warum das Buch als Krimi tituliert wird. Die Geschichte braucht einen unglaublich langen Anlauf, zwar taucht mal ein mysteriöser Mann auf und es gibt einen nächtlichen Anrufer, aber dennoch passiert wenig. Und dieses Wenige wird zudem sehr gestreckt und in die Länge gezogen. Szenen und Dialoge wiederholen sich ohne wirkliche Variation, Nebensächliches wird breitgetreten und repetiert, Wichtiges und Weiterführendes werden gemieden. Die Story tritt auf der Stelle. So tauchen Figuren auf, die die Lösung kennen, nur um an der interessanten Stelle im Dialog einfach zu schweigen oder zu verschwinden. Naheliegende Fragen werden nicht gestellt, der Kern des Konflikts wird nie direkt angegangen. Auf diese Weise schafft es die Autorin einen Roman auf 430 Seiten aufzublähen, der ohne Weiteres (und ohne Weglassen von Wesentlichem) auf 250 Seiten zu erzählen gewesen wäre.