Alle Welt spricht mittlerweile davon, dass unsere Gesellschaft und unsere Unternehmenskultur neue Werte brauche und dass durch Mobbing entstande Kosten in unseren Firmen jährlich in die Millionen gehen. Da erscheint im Eichborn-Verlag ein Ratgeber zur "skrupellosen Manipulation" und empfiehlt ein Verhaltensrepertoire, das Therapeuten normalerweise als Kennzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung betrachten. Das zeigt sich in Tipps wie: "Es ist fast immer vorteilhaft, sexuelle Neigung oder Gefühle von Liebe, die andere Ihnen entgegenbringen, auszunutzen." (Statt "Neigung" muss es natürlich "Zuneigung" heißen, auch das Deutsch dieses Buches ist an vielen Stellen schauderhaft.) Die lieben und guten Menschen seien nicht die erfolgreichsten, heißt es weiter, und wer die empfohlenen Methoden nicht anwende, werde "Opfer bleiben".
Von moralischen Aspekten einmal ganz abgesehen: Die Frage ist, ob jemand, der sich ständig durch die Gegend mobbt, dadurch glücklich wird oder ob er nicht vielmehr ständig in überflüssige Konflikte gerät, keine gescheite Beziehung hinbekommt und ständig in der Angst leben muss, dass eine Intrige auffliegt oder sich jemand bei ihm revanchiert. Bleibt anzumerken, dass die tatsächlich vorgestellten "Tricks" in diesem Buch eher altbackene Plattheiten sind und es sich insofern vor allem über die provokative Schiene verkauft, wobei der "Böse-Kult", auf den es zurückgreift, allerdings auch ein Phänomen der neunziger Jahre war und damit heute ungefähr so trendgemäß wie ein Tamagochi.
Um Längen besser fand ich zu diesem Thema beispielsweise Wolf Ruede-Wissmanns „Satanische Verhandlungskunst und wie man sich dagegen wehrt“ oder David Liebermans "Macht macht Spaß", weil darin eben auch Gegenstrategien gegen Bösartigkeiten geschildert werden. Gloria Beck gibt ihren Lesern den plumpen Ratschlag, einfach mal ab und zu ein fieses Gerücht zu streuen. Für solche Weisheiten brauche ich keinen Rhetoriktrainer. Aber wie man Leute geschickt auf die Nase fallen lässt, die über einen selbst fiese Gerüchte verbreiten – solche Sachen würde ich gerne wissen. Und dazu findet sich bei Frau Beck kein Wort.