Zunächst einige Beispiele für die Art und Weise des Autors im Umgang mit Fakten: Die griechische Landschaft Attika wird als eine antike Stadt bezeichnet. Murad Bey (1750-1801), der lediglich mameluckischer Statthalter des Osmanischen Sultans in Ägypten war, wird posthum zum Kalifen befördert. Athen's Tribut gegenüber dem minoischen Kreta habe jährlich eine Jungfrau und sieben Jünglinge betragen, obgleich die Theseussage von sieben Jungfrauen und sieben Jünglingen berichtet, die alle neun Jahre zu auszuliefern waren. Dionysos hat sich auch nicht der von Theseus auf Naxos verlassenen Ariadne erbarmt, sondern der hedonistische Gott des Weines hat seine ganze überirdische Macht eingesetzt, um dem athenischen Helden seine Verlobte gewaltsam abzunötigen. Apokryph in bezug auf biblische Schriften bedeutet nicht, dass sie verboten sind, sondern verborgen, weil sie nicht kanonisiert wurden.
Zum überwiegenden Teil zieht Ercivan seine Schlussfolgerungen in nicht gerade wissenschaftlicher, sondern in bloßer konjektural-spekulativer Weise, bei der sein Wunschdenken häufig zu Tage tritt. Die wiederholte Verwendung von Termini wie z.B. "anscheinend", "daher zu vermuten", "könnten", "meiner Ansicht nach", "möglicherweise" , "vermutlich" oder "vielleicht" sind dafür offenkundige Belege. Die Schriftzeichen des sogenannten Diskus von Phaistos, den er spektakulär als "Diskus von Atlantis" bezeichnet, sind bis heute noch nicht entziffert, mögen auch er und andere von ihm hochangesehene Autodidakten, Gegenteiliges glauben ! Toxische Spuren von Nikotin und Kokain, sowie Syphiliserreger, die (angeblich) an ägyptischen Mumien nachgewiesen werden konnten, lassen den Schluss zu, dass die Pharaonen Kontakte nach Südamerika hatten. Vielleicht kommt auch der Name oder Titel "Minos" vom ägyptischen Fruchtbarkeitsgott Min oder möglicherweise ist die Bezeichnung Suezkanal auf "Zeus" zurückzuführen? Anscheinend waren Moses und Echnaton dieselbe Person? Daher könnte vermutlich auch Aaron mit Semenchkare, und (neben Baal) auch Jahwe mit dem ägyptischen Gewitter- und Wüstengott Seth (!) identisch sein..........
......man gewinnt den Eindruck, dass dem Autor keine Zeitungsente oder andere Absurdität abwegig genug war, um in sein Sammelsurium der Kuriositäten aufgenommen zu werden; wie z. B. ein im Jahre 1909 im Grand Canyon entdecktes Ägyptergrab.
Eine Affenfigur und eine pharaonische Kartusche, die angeblich in Australien gefunden wurden, "beweisen", dass die Ägypter den Bummerang erfunden und auf den 5. Kontinent gebracht haben.....
Der provokative Buchtitel "Verbotene Ägyptologie" stellt die Wissenschaft und ihre empirische Methodik nicht nur infrage, sondern führt mit der textlichen Permanenz entsprechender Anmerkungen zu einer Diffamierung derselben. Neben Wiederholungen aus Ercivan's Erstlingswerk "Das Sternentor der Pyramiden" beinhaltet sein zweites Buch vor allem ein ungeordnetes und wenig strukturiertes "Kulturenhopping" zwischen Kontinenten und Jahrtausenden. Aufgrund des lockeren Umganges mit, und dem Verbiegen historischer Fakten, sowie der rein spekulativen "Beweisführung" kann "Verbotene Ägyptologie" nicht den Lesern empfohlen werden, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen wollen.
Da jedoch diejenigen Leser, die weniger an Fakten, sondern eher an Unterhaltung interessiert sind, durchaus bei dieser "Erlaubten Absurdologie" auf ihre Kosten kommen können, gibt es noch 2 Amazonsterne.