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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 19.02.2001
In Deutschland scheint es noch lange nicht selbstverständlich zu sein, Behinderte nach ihren Leistungen und nicht nach ihrem Handicap zu beurteilen. Wolfgang Schäubles Frage, "Ein Krüppel als Bundeskanzler?", 1997 in einem Stern-Interview gestellt, sei dafür bezeichnend, meint Keyvan Dahesch. In seinem neuen Buch skizziert der Philologe und Behindertenpädagoge Christian Mürner das Leben von vier Frauen und 21 Männern, die unabhängig von ihren Behinderungen Großes vollbracht haben, berichtet der Rezensent. Darunter sind bekannte Persönlichkeiten wie Thomas Alva Edison, Henri de Toulouse-Lautrec und Rosa Luxemburg. Menschen, deren Taten der Nachwelt mehr in Erinnerung geblieben sind als ihr körperlicher Zustand. Mürners Sichtweise gibt dem Rezensenten Anlass zur Hoffnung. Es sei überfällig, so Dahesch, Behinderte nicht länger als Fürsorgeobjekte zu behandeln, sondern als Träger von Leistungen, Fähigkeiten und Rechten. Mürner hat für diese Sichtweise mit seinem Band einen wichtigen Beitrag geliefert, resümiert Dahesch.
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Kurzbeschreibung
Im Mittelpunkt der 25 Mikro-Biografien - von Paracelsus bis Borges, von Margarete Steiff bis Frida Kahlo - stehen Umgangs- und Lebensformen abseits der Norm. Es sind Porträts von Personen und Persönlichkeiten, deren Behinderungen beinahe verborgen blieben. Die Mediengesellschaft baut aber auf bekannte Vorbilder. Selbstbewusste behinderte Menschen erlangen besondere Aufmerksamkeit in der Politik, in der Kunst, im Beruf, im Sport, in jüngster Zeit sogar in Mode und Werbung. Die Sammlung gibt einen Überblick und dem Interesse an Biografien von Menschen mit Behinderungen ein Fundament.
Dr. phil. Christian Mürner, geboren 1948 in Zürich, seit 1977 in Hamburg, freier Publizist und Behindertenpädagoge, Veröffentlichungen u.a.: "Behinderung als Metapher", Bern 1990, "Philosophische Bedrohungen", Frankfurt a.M. 1996, "Gebrandmarkte Gesichter", Herzogenrath 1997.