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Verblendung [Taschenbuch]

Stieg Larsson , Wibke Kuhn
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (830 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus dem Redaktionsbüro "imh-service.de"

Die „Millennium Trilogie“ des verstorbenen schwedischen Autors Stieg Larsson avancierte zu einem Weltbestseller und ist bereits als Hörbuch-Edition, gelesen von Dietmar Bär, bei Random House Audio erschienen. Nun gibt es den ersten Teil Verblendung auch als Hörspiel, produziert vom WDR unter der Regie von Walter Adler.

Dabei ist das 704 Seiten starke Buch auf drei Hörspiel-CDs zusammengekürzt und so in der Erzählung sehr gestrafft worden. Wer das Buch gelesen hat, wird sicherlich überrascht sein. Trotzdem bleibt die spannende Handlung in sich geschlossen und nahe genug am Text. In diesem Thriller geht es um den engagierten Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, das plötzliche Verschwinden von Harriet Vanger in den 1960er Jahren aufklären soll. Hilfe bekommt er dabei von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, ein Computergenie mit scharfem Verstand und auffälliger Erscheinung. Bei ihren Recherchen kommen die Zwei der grauenvollen Vangerschen Familiengeschichte und dem Schicksal von Harriet auf die Spur.

Das Hörspiel überzeugt mit dem brillanten Erzähler Ulrich Matthes. Das Sprecher-Ensemble, das mit mehr als 35 Darstellern aufwartet, ist prominent besetzt. So sind neben Sylvester Groth als Mikael Blomkvist und Anna Thalbach als Lisbeth Salander auch Felix von Manteuffel und Susanne Lothar zu hören. Die zahlreichen Sprecher könnten freilich manchem Hörer zu viel sein, doch sind sie der Originalhandlung entsprechend. Ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig sind die raschen Wechsel der Handlungsstränge und -orte. Die eigens für das Hörspiel komponierte Musik stammt von Pierre Oser und kann zusammen mit den Geräuschen eine spannende Atmosphäre schaffen sowie einen eigenen Reiz verleihen.

Dieses Hörspiel ist ein Erlebnis für die Ohren und sicherlich ein guter Einstieg in diese spannende Trilogie. Bleibt zu hoffen, dass auch die anderen zwei Teile als Hörspiel produziert werden. --Juliane Sesse und Björn Akstinat / IMH -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Ein Thriller mit sehr hohem Suchtfaktor." (Bild am Sonntag)

"Vielschichtige Protagonisten und eine furchtbare Wahrheit verdichten sich zu einem packenden Page-Turner." (Der Standard)

"Das Buch ist ein Hammer...eine unglaublich dichte Story mit sozialkritischen, gesellschaftspolitischen und psychologisch tiefgründigen Beobachtungen." (Facts)

"Nichts für schwache Nerven!" (Frau von Heute)

"Verblendung führt in menschliche Abgründe" (Freundin)

"Pralle, bestens erzählte schwedische Krimi-Unterhaltung. Eine packende, komplexe und faszinierende Story. Und nicht zuletzt: Mikael Blomqvist und Lisbeth Salander - ein Ermittler-Dreamteam." (WDR 5)

Klappentext

"Wenn Sie dieses Buch anfangen zu lesen, werden Sie sich wünschen, den ersten Schritt nie getan zu haben. Um Sie herum wird es dunkel und Sie sind nur noch in der Geschichte drin."
Bild am Sonntag

"Ein Thriller mit sehr hohem Suchtfaktor."
Bild am Sonntag

"Vielschichtige Protagonisten und eine furchtbare Wahrheit verdichten sich zu einem packenden Page-Turner."
Der Standard

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Stieg Larsson, 1954 in Umeå, Schweden, geboren, war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. 2006 wurde er postum mit dem Skandinavischen Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens geehrt. Die Bücher aus seinem Nachlass erscheinen bei Heyne.

Knut Krüger, geboren 1966, arbeitete nach seinem Germanistik-Studium im Buchhandel und Verlagswesen. Er ist heute freier Autor, Lektor und Übersetzer für englische und skandinavische Literatur. Lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in München.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Prolog

Freitag, 1. November
Es wiederholte sich allj�lich. Der Empf�er der Blume feierte seinen zweiundachtzigsten Geburtstag. Sowie die Blume bei ihm angekommen war, �ffnete er das Paket und entfernte das Geschenkpapier. Danach griff er zum Telefonh�rer und w�te die Nummer eines ehemaligen Kriminalkommissars, der sich nach seiner Pensionierung am Siljan-See niedergelassen hatte. Die beiden M�er waren nicht nur gleich alt, sie waren sogar am selben Tag geboren, was in diesem Zusammenhang nicht einer gewissen Ironie entbehrte. Der Kommissar wusste, dass der Anruf um elf Uhr morgens nach der Postzustellung eingehen w�rde, und trank Kaffee, w�end er wartete. Dieses Jahr klingelte das Telefon bereits um halb elf. Er nahm den H�rer ab und sagte hallo, ohne sich mit Namen zu melden.
�Sie ist angekommen.�
�Was f�r eine ist es dieses Jahr?�
�Keine Ahnung, was das f�r eine Blume ist. Ich werde sie bestimmen lassen. Wei�ist sie.�
�Kein Brief, nehme ich mal an?�
�Nein. Nur die Blume, sonst nichts. Der Rahmen ist derselbe wie letztes Jahr. So ein Billigrahmen zum Selberzusammenbauen.�
�Poststempel?�
�Stockholm.�
�Handschrift?�
�Wie immer, alles in Gro�uchstaben. Gerade, ordentliche Buchstaben.�
Damit war das Thema ersch�pft, und ein paar Minuten sa�n die beiden schweigend am jeweiligen Ende der Leitung. Der pensionierte Kommissar lehnte sich am K�chentisch zur�ck und zog an seiner Pfeife. Er wusste jedoch, dass von ihm keine erl�sende oder bestechend intelligente Frage mehr erwartet wurde, die ein neues Licht auf diese Angelegenheit h�e werfen k�nnen. Diese Zeiten waren seit vielen Jahren vorbei, und das Gespr� der beiden alternden M�er hatte beinahe schon den Charakter eines Rituals � eines Rituals um ein Mysterium, dessen L�sung keinen anderen Menschen auf der ganzen Welt interessierte.
Ihr lateinischer Name lautete Leptosperum (Myrtyceae) Rubinette. Ein wenig imposantes Strauchgew�s mit kleinen, heidekraut�lichen Bl�ern und einer zwei Zentimeter gro�n wei�n Bl�te mit f�nf Kronenbl�ern. Sie war ungef� zw�lf Zentimeter hoch.
Das Gew�s stammte urspr�nglich aus den australischen Busch- und Gebirgsgegenden, wo es in kr�igen B�scheln wuchs. In Australien nannte man es desert snow. Sp�r sollte eine Expertin von einem botanischen Garten in Uppsala feststellen, dass es sich um eine ungew�hnliche Pflanze handelte, die nur selten in Schweden gezogen wurde. In ihrem Gutachten schrieb die Botanikerin, dass die Rubinette mit der Rosenmyrte verwandt war und oft mit ihrer viel h�iger auftretenden Cousine, Leptospermum Scoparium, verwechselt wurde, die in Neuseeland sehr verbreitet war. Wie sie erkl�e, bestand der Unterschied darin, dass die Rubinette ein paar mikroskopisch kleine rosa Punkte an der Spitze der Kronenbl�er aufwies, was ihnen einen leichten Rosaschimmer verlieh.
Die Rubinette war im Gro�n und Ganzen eine verbl�ffend anspruchslose Blume. Wirtschaftlichen Wert hatte sie �berhaupt nicht. Soviel man wusste, besa�sie keine Heilkr�e und enthielt auch keine halluzinogenen Substanzen. Man konnte sie weder essen noch als Gew�rz verwenden, und f�r die Erzeugung pflanzlicher Farbstoffe war sie ebenfalls wertlos. F�r die australischen Ureinwohner, die Aborigines, hatte sie hingegen eine gewisse Bedeutung, da diese das Gebiet und die Flora rund um den Ayers Rock traditionell als heilig betrachteten. Der einzige Daseinszweck dieser Blume schien also darin zu bestehen, ihre Umgebung mit ihrer unbest�igen Sch�nheit zu erfreuen.
In ihrem Gutachten schrieb die Botanikerin, dass der desert snow in Australien schon ungew�hnlich war, in Skandinavien aber geradezu eine Rarit� Sie selbst hatte noch nie ein Exemplar zu Gesicht bekommen, doch als sie Kollegen zurate zog, erfuhr sie, dass man versucht hatte, diese Pflanze in einem Garten in G�teborg einzuf�hren, und dass es denkbar war, dass sie hie und da privat angepflanzt wurde, von Blumenliebhabern und Amateurbotanikern in ihren eigenen kleinen Gew�sh�ern. Die Blume war in Schweden nur schwer zu ziehen, weil sie ein mildes und trockenes Klima ben�tigte und w�end des Winterhalbjahres in einem geschlossenen Raum stehen musste. F�r kalkhaltigen Boden war sie ungeeignet. Das Wasser musste ihr von unten her zugef�hrt werden, direkt an die Wurzeln. Man musste schon ein H�chen f�r sie haben.
Dass diese Blume in Schweden derart selten war, h�e die Suche nach ihrer Herkunft theoretisch erleichtern m�ssen, aber praktisch gesehen war das eine unl�sbare Aufgabe. Man konnte weder in Registern nachschlagen noch Lizenzen �berpr�fen. Niemand wusste, wie viele private Blumenz�chter sich �berhaupt darum bem�ht hatten, eine so schwer zu kultivierende Blume zu ziehen � alles war m�glich, von einem einzelnen bis hin zu mehreren hundert Blumenfans, die Zugang zu Samen oder Pflanzen hatten. Die konnten entweder privat gekauft oder �ber den Postweg von einem anderen Z�chter oder jedem beliebigen botanischen Garten in Europa bestellt werden. Man konnte sie sogar direkt von einer Australienreise mitbringen. Mit anderen Worten: Unter den Millionen von Schweden, die ein kleines Gew�shaus oder auch nur einen Blumentopf im Wohnzimmerfenster hatten, ausgerechnet diesen einen Z�chter herauszufinden, war ein hoffnungsloses Unterfangen.
Diese Blume war nur eines der vielen r�elhaften Exemplare, die jedes Jahr am 1. November in einem gef�tterten Umschlag eintrafen. Jedes Jahr war es eine andere Art, aber es waren stets sch�ne und meistens relativ seltene Blumen. Wie immer war die Blume gepresst, sorgf�ig auf Aquarellpapier gelegt und hinter Glas in einem einfachen Rahmen mit dem Format 29 x 16 Zentimeter befestigt worden.
Das Geheimnis um die Blumen war den Massenmedien oder der Allgemeinheit nie bekannt geworden, sondern nur einem ausgew�ten Kreis. Vor drei Jahrzehnten war das j�liche Eintreffen der Blume Gegenstand von Analysen des Staatlichen Kriminaltechnischen Laboratoriums gewesen; Experten f�r Fingerabdr�cke und Grafologen, Ermittler und ein paar Verwandte und Freunde des Empf�ers hatten sich mit dem R�el besch�igt. Nun bestand der Kreis der Akteure nur mehr aus drei Personen: dem alternden Geburtstagskind, dem pensionierten Polizisten und nat�rlich dem Unbekannten, der das Geschenk geschickt hatte. Da sich zumindest die beiden Erstgenannten bereits in einem so respektablen Alter befanden, dass es Zeit wurde, sich auf das Unausweichliche vorzubereiten, w�rde sich der Kreis der Interessierten bald noch verkleinern.
Der pensionierte Polizist war ein mit allen Wassern gewaschener Veteran. Er w�rde niemals seinen ersten Einsatz vergessen, bei dem er einen gewaltt�gen und schwer betrunkenen Anlagenmechaniker festgenommen hatte, bevor dieser sich selbst oder anderen weiteren Schaden zuf�gen konnte. Im Laufe seiner Karriere hatte er Wilderer, pr�gelnde Ehem�er, Betr�ger, Autodiebe und anges�elte Autofahrer eingesperrt. Er war Einbrechern, R�ern, Dealern, Sexualverbrechern und mindestens einem mehr oder weniger geisteskranken Sprengstoffattent�r begegnet. An neun Ermittlungen in Mord- beziehungsweise Totschlagsf�en war er beteiligt gewesen. Davon waren f�nf so verlaufen, dass der T�r selbst die Polizei angerufen und voller Reue gestanden hatte, er habe seine Frau oder seinen Bruder oder einen anderen ihm nahe stehenden Menschen get�tet. Von den Morden wurden zwei nach ein paar Tagen aufgekl� und einer nach zwei Jahren mit Hilfe der Reichskrimininalbeh�rde.
Der neunte Fall war aus polizeilicher Sicht gel�st, sprich, die Ermittler kannten den M�rder, aber die Beweislage war so unsicher, dass der Staatsanwalt beschlossen hatte, den Fall ruhen zu lassen. Die Angelegenheit wurde dann zur Erbitterung des Kommissars f�r verj�t erkl�. Aber im Gro�n und Ganzen konnte er auf eine erfolgreiche Karriere zur�ckblicken und h�e mit seiner Arbeit zufrieden sein k�nnen.
Doch er war alles andere als zufrieden.
F�r den Kommissar steckte...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Freitag, 1. November

Es wiederholte sich alljährlich. Der Empfänger der Blume feierte seinen zweiundachtzigsten Geburtstag. Sowie die Blume bei ihm angekommen war, öffnete er das Paket und entfernte das Geschenkpapier. Danach griff er zum Telefonhörer und wählte die Nummer eines ehemaligen Kriminalkommissars, der sich nach seiner Pensionierung am Siljan-See niedergelassen hatte. Die beiden Männer waren nicht nur gleich alt, sie waren sogar am selben Tag geboren, was in diesem Zusammenhang nicht einer gewissen Ironie entbehrte. Der Kommissar wusste, dass der Anruf um elf Uhr morgens nach der Postzustellung eingehen würde, und trank Kaffee, während er wartete. Dieses Jahr klingelte das Telefon bereits um halb elf. Er nahm den Hörer ab und sagte hallo, ohne sich mit Namen zu melden.
"Sie ist angekommen."
"Was für eine ist es dieses Jahr?"
"Keine Ahnung, was das für eine Blume ist. Ich werde sie bestimmen lassen. Weiß ist sie." "Kein Brief, nehme ich mal an?"
"Nein. Nur die Blume, sonst nichts. Der Rahmen ist derselbe wie letztes Jahr. So ein Billigrahmen zum Selberzusammenbauen."
"Poststempel?"
"Stockholm."
"Handschrift?"
"Wie immer, alles in Großbuchstaben. Gerade, ordentliche Buchstaben."
Damit war das Thema erschöpft, und ein paar Minuten saßen die beiden schweigend am jeweiligen Ende der Leitung. Der pensionierte Kommissar lehnte sich am Küchentisch zurück und zog an seiner Pfeife. Er wusste jedoch, dass von ihm keine erlösende oder bestechend intelligente Frage mehr erwartet wurde, die ein neues Licht auf diese Angelegenheit hätte werfen können. Diese Zeiten waren seit vielen Jahren vorbei, und das Gespräch der beiden alternden Männer hatte beinahe schon den Charakter eines Rituals - eines Rituals um ein Mysterium, dessen Lösung keinen anderen Menschen auf der ganzen Welt interessierte.
Ihr lateinischer Name lautete Leptosperum (Myrtyceae) Rubinette. Ein wenig imposantes Strauchgewächs mit kleinen, heidekrautähnlichen Blättern und einer zwei Zentimeter großen weißen Blüte mit fünf Kronenblättern. Sie war ungefähr zwölf Zentimeter hoch.
Das Gewächs stammte ursprünglich aus den australischen Busch- und Gebirgsgegenden, wo es in kräftigen Büscheln wuchs. In Australien nannte man es desert snow. Später sollte eine Expertin von einem botanischen Garten in Uppsala feststellen, dass es sich um eine ungewöhnliche Pflanze handelte, die nur selten in Schweden gezogen wurde. In ihrem Gutachten schrieb die Botanikerin, dass die Rubinette mit der Rosenmyrte verwandt war und oft mit ihrer viel häufiger auftretenden Cousine, Leptospermum Scoparium, verwechselt wurde, die in Neuseeland sehr verbreitet war. Wie sie erklärte, bestand der Unterschied darin, dass die Rubinette ein paar mikroskopisch kleine rosa Punkte an der Spitze der Kronenblätter aufwies, was ihnen einen leichten Rosaschimmer verlieh.
Die Rubinette war im Großen und Ganzen eine verblüffend anspruchslose Blume. Wirtschaftlichen Wert hatte sie überhaupt nicht. Soviel man wusste, besaß sie keine Heilkräfte und enthielt auch keine halluzinogenen Substanzen. Man konnte sie weder essen noch als Gewürz verwenden, und für die Erzeugung pflanzlicher Farbstoffe war sie ebenfalls wertlos. Für die australischen Ureinwohner, die Aborigines, hatte sie hingegen eine gewisse Bedeutung, da diese das Gebiet und die Flora rund um den Ayers Rock traditionell als heilig betrachteten. Der einzige Daseinszweck dieser Blume schien also darin zu bestehen, ihre Umgebung mit ihrer unbeständigen Schönheit zu erfreuen.
In ihrem Gutachten schrieb die Botanikerin, dass der desert snow in Australien schon ungewöhnlich war, in Skandinavien aber geradezu eine Rarität. Sie selbst hatte noch nie ein Exemplar zu Gesicht bekommen, doch als sie Kollegen zurate zog, erfuhr sie, dass man versucht hatte, diese Pflanze in einem Garten in Göteborg einzuführen, und dass es denkbar war, dass sie hie und da privat angepflanzt wurde, von Blumenliebhabern und Amateurbotanikern in ihren eigenen kleinen Gewächshäusern. Die Blume war in Schweden nur schwer zu ziehen, weil sie ein mildes und trockenes Klima benötigte und während des Winterhalbjahres in einem geschlossenen Raum stehen musste. Für kalkhaltigen Boden war sie ungeeignet. Das Wasser musste ihr von unten her zugeführt werden, direkt an die Wurzeln. Man musste schon ein Händchen für sie haben.
Dass diese Blume in Schweden derart selten war, hätte die Suche nach ihrer Herkunft theoretisch erleichtern müssen, aber praktisch gesehen war das eine unlösbare Aufgabe. Man konnte weder in Registern nachschlagen noch Lizenzen überprüfen. Niemand wusste, wie viele private Blumenzüchter sich überhaupt darum bemüht hatten, eine so schwer zu kultivierende Blume zu ziehen - alles war möglich, von einem einzelnen bis hin zu mehreren hundert Blumenfans, die Zugang zu Samen oder Pflanzen hatten. Die konnten entweder privat gekauft oder über den Postweg von einem anderen Züchter oder jedem beliebigen botanischen Garten in Europa bestellt werden. Man konnte sie sogar direkt von einer Australienreise mitbringen. Mit anderen Worten: Unter den Millionen von Schweden, die ein kleines Gewächshaus oder auch nur einen Blumentopf im Wohnzimmerfenster hatten, ausgerechnet diesen einen Züchter herauszufinden, war ein hoffnungsloses Unterfangen.
Diese Blume war nur eines der vielen rätselhaften Exemplare, die jedes Jahr am 1. November in einem gefütterten Umschlag eintrafen. Jedes Jahr war es eine andere Art, aber es waren stets schöne und meistens relativ seltene Blumen. Wie immer war die Blume gepresst, sorgfältig auf Aquarellpapier gelegt und hinter Glas in einem einfachen Rahmen mit dem Format 29 x 16 Zentimeter befestigt worden.
Das Geheimnis um die Blumen war den Massenmedien oder der Allgemeinheit nie bekannt geworden, sondern nur einem ausgewählten Kreis. Vor drei Jahrzehnten war das jährliche Eintreffen der Blume Gegenstand von Analysen des Staatlichen Kriminaltechnischen Laboratoriums gewesen; Experten für Fingerabdrücke und Grafologen, Ermittler und ein paar Verwandte und Freunde des Empfängers hatten sich mit dem Rätsel beschäftigt. Nun bestand der Kreis der Akteure nur mehr aus drei Personen: dem alternden Geburtstagskind, dem pensionierten Polizisten und natürlich dem Unbekannten, der das Geschenk geschickt hatte. Da sich zumindest die beiden Erstgenannten bereits in einem so respektablen Alter befanden, dass es Zeit wurde, sich auf das Unausweichliche vorzubereiten, würde sich der Kreis der Interessierten bald noch verkleinern.
Der pensionierte Polizist war ein mit allen Wassern gewaschener Veteran. Er würde niemals seinen ersten Einsatz vergessen, bei dem er einen gewalttätigen und schwer betrunkenen Anlagenmechaniker festgenommen hatte, bevor dieser sich selbst oder anderen weiteren Schaden zufügen konnte. Im Laufe seiner Karriere hatte er Wilderer, prügelnde Ehemänner, Betrüger, Autodiebe und angesäuselte Autofahrer eingesperrt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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