Gleichwohl der Einsatz von Workflowmanagement erhebliche organisatorische Verände-rungen impliziert, dominieren in der bisherigen Diskussion informationstechnische Belange wie die Architektur derartiger Systeme oder konzeptionelle Fragestellungen wie die Bewertung diverser Modellierungs-paradig-men. Demgegenüber hat sich das BMBF-Verbund-projekt "MOVE - Verbesserung von Geschäftsprozessen mit flexiblen Workflow-Manage-ment-Syste-men", Laufzeit 8/96-7/99, explizit auch die Integration von Mitarbeiter- und organisatorischen Aspekten zum Ziel gesetzt, wobei insgesamt drei Forschungsinstitute und acht Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen beteiligt sind. Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um das erste von insgesamt vier geplanten Büchern, die dem Workflow-Life-Cycle folgend die interdependenten Phasen der Erhebung, Modellierung, Implementierung, Anwendung und Evaluierung von Workflow-gestützten Prozessen thematisieren. Gegenstand dieses Bandes sind die frühen Phasen eines Workflow-Projektes. Einer einleitenden kurzen Porträtierung des MOVE-Projekts schließen sich unter-teilt in die drei Perspektiven der Mitarbeiterorientierung, Organisationsentwicklung und Technikgestaltung fünf Beiträge an, in denen (Zwischen-)Ergebnisse aus diesem Projekt vorgestellt werden. Die ersten beiden Beiträge widmen sich der Einbindung der Mitarbeiter in alle Phasen der Projektdurchführung, wobei detailliert auf die einzelnen Projektphasen sowie auf Mitarbeiter-bezogene Kennzahlen wie beispielsweise Entscheidungsspielraum, Kommunikationsanforderungen oder Abwechslungsreichtum eingegangen wird. In Form von umfassenden Checklisten werden hierbei praxisgerechte Anleitungen für die Umsetzung der unterbreiteten Gestaltungsempfehlungen gegeben. Von besonderem Interesse innerhalb der Beiträge zur Organisationsentwicklung sind die mit einem hohen Neuigkeitswert versehenen Ausführungen zur Praxis der Durchführung von Modellierungsprojekten. Anhand der am MOVE-Projekt beteiligten Unternehmen werden phasenbezogen die jeweiligen Erfahrungen wiedergegeben, wobei (leider) zum Umsetzung noch vergleichsweise wenig Erkenntnisse vorliegen. Weiterhin werden hier in einem Artikel Konzepte zur kontinuierlichen Verbesserung von Geschäftsprozesssen (z. B. Kaizen, Qualitätszirkel) vorgestellt. Eher technische Problemstellungen werden durch den Beitrag zur Erweiterung von Metamodellen für die Zwecke einer flexibel auf die jeweiligen Projekterfordernisse anpaßbaren Methode zur Prozeßmodellierung behandelt. Durchweg besticht die inhaltliche Qualität der Beiträge, wenngleich teilweise eine nicht hinreichende Integration der einzelnen Beiträge zu konstatieren ist. So wird der Begriff des Geschäftsprozesses insgesamt dreimal definiert und ebenso oft finden sich ohne wechselseitige Referenz Ausführungen zum Vorschlagswesen. Von solchen kleineren Kritikpunkten abgesehen, überzeugt die gelungene Symbiose von Mitarbeiter-bezogenen, organisatorischen und informationstechnischen sowie von theoretischen und zugleich praktisch bedeutsamen Themen. Die bisherige deutschsprachige Workflow-Literatur wird damit um einen lesenswerten Beitrag angereichert, der sich vor allem der Akzeptanzbarrieren bei Workflow-Projekten annimmt. Ein nach Themengebieten sortiertes Literaturverzeichnis rundet dieses Werk ab. Neben der inhaltlich positiven Bewertung handelt es sich dabei auch um eine in Anspruch und Aufbereitung vorbildliche Form der Berichterstattung aus einem Verbundprojekt. Dem Werk ist aufgrund seiner ganzheitlichen Herangehensweise sowie seiner Praxisrelevanz ein hoher Verbreitungsgrad sowohl bei Wissenschaftlern, die sich mit dieser Thematik beschäftigen als auch bei konkret in Workflow-Projekten eingebundenen Anwendern in Form von Projektleitern, externen Beratern, betroffenen Mitarbeiter und Betriebsräten zu wünschen. Michael Rosemann, Münster