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Sogar heikle Punkte (wie z. B. Sex als weibliches Macht- und Erpressungsmittel, will heißen: sexuelle Verweigerung, wenn der Mann mal wieder nicht lieb war im Sinne der Frau und ihrer Wünsche) spricht Kricheldorf ohne Scheuklappen an.
Auch sagt sie dankenswerterweise, dass Männer zum Teil an ihrer eigenen Misere mitschuldig sind, weil sie ihre eigene Lage nicht erkennen wollen und statt dessen aus Eitelkeit in die Illusion verliebt sind, die Mächtigen und die Unterdrücker zu sein.
Eine Lektüre, die sich lohnt!
Diese weibliche Selbstinszenierung als machtlos und unterdrückt, so Kricheldorf, sichere Frauen aber auch zu, für ihr individuelles Versagen keine volle Verantwortung übernehmen zu müssen. Kommt eine Frau in eine schwierige Lebenssituation, ist eben die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts in unserer Gesellschaft daran schuld. Ein Mann hingegen wird selbst verantwortlich gemacht. Wenn ein Junge nichts leistet, dann weil er faul ist; leistet ein Mädchen nichts, dann ist es "aufgrund seiner Sozialisation zu mangelndem Ehrgeiz erzogen worden". Kann eine Frau sich in einer Veranstaltung kein Gehör verschaffen, dann liegt das daran, dass sie als Frau übergangen wird; einem Mann in derselben Situation fehlt einfach das nötige Durchsetzungsvermögen oder seine Argumente waren zu schwach.
Aktuell zeige sich, dass auch zum heutigen Zeitpunkt, zu dem die Gleichberechtigung der Geschlechter längst erreicht ist, Frauen noch immer Macht und Karriere aus dem Weg gingen, aber auch dafür keine Verantwortung übernehmen wollten. Obwohl Frauen heute sämtliche Berufszweige offenstehen, drängen sie immer noch gerade in die einfacheren Berufe wie Verkäuferin oder Friseuse. Da unterdrückerische Männer als Schuldige dafür nicht mehr in Frage kommen, wird auf nebulöse und dadurch unbeweisbare Begründungen wie "patriarchale Strukturen" zurückgegriffen. Dieselben Feministinnen, die sich über zu wenig Frauen in den Chefetagen beklagen, wählen eben nicht die mühsame Karriere hin zum Management, sondern betätigen sich beispielsweise lieber im sozialpädagogischen Bereich. Kricheldorf stellt klar: Dass eine Frau doppelt so gut sein müsse wie ein Mann, um voranzukommen, ist nicht mehr als ein feministischer Glaubenssatz, der durch häufiges Zitieren auch nicht beweiskräftiger werde. Bezeichnenderweise würden wirklich emanzipierte und beruflich erfolgreiche Frauen in feministischen Kreisen angegiftet und seien neidvollen Feindseligkeiten ausgesetzt. Und gerade nach Scheidungen zeige sich, dass schwache Frauen überhaupt nicht unabhängig und eigenverantwortlich sein möchten, sondern stattdessen wie Löwinnen kämpften, um die finanzielle Abhängigkeit von ihrem Ex-Partner aufrechtzuerhalten.
Dabei ist Kricheldorf völlig klar, dass Frauen gerade aus ihrer selbstgewählten Machtlosigkeit große Vorteile ziehen können: beispielsweise sich von ihren auf der Karriereleiter aufreibenden Männern finanziell versorgen zu lassen, und zwar noch über das Ende einer Ehe hinaus. Grotesk ist es schon, dass etwa eine Schuhverkäuferin, die einen Manager heiratet und sich dann wieder von ihm scheiden lässt, auf Unterhaltszahlungen Anspruch hat, die seiner beruflichen Lebensleistung entsprechen und nicht der ihren. Damit dies überhaupt funktioniere, so Kricheldorf, müssen natürlich auch Frauen Macht ausüben. Dies geschehe aber eher auf indirekte Art wie beispielsweise durch das Einflößen von Schuldgefühlen. Insbesondere den Feminismus sieht Kricheldorf hier als Sonderform des weiblichen Jammerns, denn seine erklärte Botschaft laute: "Wir sind Opfer, also gebt uns Privilegien." Selbst heute noch.
Das alles ist eine mutige, kluge, wenn auch natürlich politisch nicht korrekte gesellschaftskritische Analyse. So klar wie Kricheldorfs Gedanken sind, so klar ist auch die Sprache, in der sie vorgetragen werden. Widersprechen möchte man der Autorin lediglich, wenn sie befindet, die einzigen konkreten Erfolge der Frauenbewegung seien die Abschaffung des Paragraphen 218 und die selbstverständlichere Berufstätigkeit von Frauen. Letzeres ist nämlich gerade nicht feministischen Aktionen zu verdanken, sondern zum einen der Entdeckung der Pille (von einem Mann), aufgrund dessen sich Frauen bewusst für Beruf statt Mutterschaft entscheiden konnten, sowie dem ebenfalls durch männliche Erfindungen geprägten Übergang von der industriellen in die Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft.
Das neue weibliche Rollenbild, das Kricheldorf einfordert, ist die autonom und verantwortlich handelnde Frau. Eine solche Geschlechterrolle habe aber mit der heutzutage immer häufigeren Herabsetzung von Männern nichts zu tun. Wer nämlich wirklich stark und selbstbewusst ist, hat es nicht nötig, andere anzuprangern oder zu diffamieren, um sich selbst zu erhöhen. Eine Frau, die einen wirklich starken Mann für sich gewinnen möchte, müsse sich vor allem selbst als starke Partnerin erweisen. Hierin wie in der Gesamtheit ihrer Analyse ist Kricheldorf unumwunden zuzustimmen.
Arne Hoffmann
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