TV Diskurs, Oktober 1999
(...) Die Studie von Bruns hat erstmals wichtige Erkenntnisse über die Veränderung der Gewaltberichterstattung über einen Zeitraum von acht Jahren gebracht. Solche Untersuchungen, die zeitliche Veränderungen erforschen, wären verstärkt zu fördern - auch über Gewaltdarstellungen im fiktionalen Bereich. In diesem Sinn ist die Studie von Bruns eine methodisch abgesicherte Grundlagenstudie, auf der aufgebaut werden kann. Zwei Aspekte sind jedoch kritisch anzumerken: Einerseits ist es verwunderlich, dass der Autor strukturelle Gewalt aus seinem Gewaltbegriff weitgehend ausklammert, andererseits orientiert er sich an einem traditionellen Politikbegriff, der einer ausdifferenzierten, pluralisierten Gesellschaft am ausgehenden Zwanzigsten Jahrhundert wohl nicht mehr angemessen ist. Das macht sich dann besonders bei seiner Darstellung von Nachrichtenfaktoren und -werten bemerkbar. Nichtsdestotrotz bietet die Studie von Bruns wichtige Ergebnisse, die vor allem eine Debatte über ethische Normen der Gewaltberichterstattung nicht nur in politischen Sendungen, sondern in allen nicht-fiktionalen Sendeformen anregen sollte.
Kurzbeschreibung
Thomas Bruns zeigt, in welcher Weise sich die Gewaltberichterstattung im politischen Informationsprogramm öffentlich-rechtlicher und privater Sender verändert hat und welche typischen Strukturen der Gewaltdarstellung sich dabei herausbilden.Ausgehend vom derzeitigen Fernseh-Markt und den neuesten Studien zur Nachrichten- und Gewaltforschung werden Veränderungshypothesen abgeleitet, die erstmals mit Längsschnitt-Daten aus vier verschiedenen Messzeitpunkten, die den Zeitraum von 1986 bis 1994 repräsentieren, überprüft werden. Die sich daraus ergebenden Ergebnisse eröffnen überraschende und weiterführende Erklärungsansätze nicht nur, was die Veränderung der Gewaltberichterstattung selbst, sondern auch, was das Konkurrenzverhältnis öffentlich-rechtlicher und privater Programmanbieter vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über Gewalt in den Medien anbetrifft.