Wie viele andere Leser auch, griff ich zu diesem Roman, weil mir Tanja Kinkels Werk "Die Puppenspieler" gut gefallen hatte. Wie auch viele andere Leser bin ich von ihrem Buch "Venuswurf" enttäuscht. Die Klappentexte zeigen viel Potenzial der Geschichte um die Zwergin Tertia. Im Mittelpunkt steht eine halb-historische junge Frau, anhand der eine historische Persönlichkeit und wichtige Ereignisse im Leben derer dargestellt werden. Somit ist das weibliche Geschlecht der Dreh- und Angelpunkt dieses Romans, was ein sehr ansprechender Gesichtspunkt ist! Tertia wird von ihren Eltern als Sklavin verkauft und gelangt hierdurch zu Lycus, einem Freigelassenen von Aemilius Paullus - dem Ehemann der Enkelin Julilla von Augustus. Lycus lässt "seine" Zwergin durch seine Gaukler ausbilden und Tertia (die dort schon Andromeda nennt) lebt für einige Zeit im Bordell von Lycus. Man erfährt viel über das Leben in der Suburba und über das römische Leben abseits von Politik und Militär. Durch Glück - im Roman wird dies der Venuswurf - gelangt sie in die Dienste von Julilla. Sie verstrickt sich in die undurchsichtigen Machenschaften der Julier. Und genau hier geht der Handlung viel Spannung und Esprit verloren. Die Autorin schafft es leider nicht die Familienverhältnisse der Julier und Claudier übersichtlich und verständlich näherzubringen. Ich habe oft im Anhang den Stammbaum von Augustus studiert und habe trotzdem nicht durchgeblickt wer zu wem in welchem Verhältnis steht. Auch die Zwergin erfährt hier in ihrer charakterlichen Entwicklung einen seltsamen Stopp. Zwar erwirbt sie neue Fähigkeiten wie Schreiben, aber sie verliert einen Teil ihrer eigenständigen, individuellen und damit realistischen Darstellung. Sie wird zu einem Werkzeug der Autorin um Ereignisse um Julilla darzustellen. Erwähnenswert allerdings ist der Schluss. Dieser ist mit dem Roman stimmig und rundet das Gelesene hervorragend ab - nicht wie bei "Die Puppenspieler".
Insgesamt war dieses Buch eher enttäuschend und eingefleischten Fans von historischen Romanen nicht uneingeschränkt zu empfehlen.