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Venushaar: Roman [Taschenbuch]

Michail Schischkin , Andreas Tretner
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Michail Schischkin ist ein mächtig ausgreifender Erzähler und Wortgläubiger mit Klassikerpotenz, wie man ihn schon lange nicht mehr sah in der russischen Weltliteratur.« (NZZ am Sonntag, 24.04.2011)

»Auf faszinierende Weise erzählt Michail Schischkin mit „Venushaar“ ein Jahrhundert russischer Geschichte.« (buch aktuell, Heft 2/11 (Sommer-Ausgabe))

»Ein Meisterwerk über die Überwindung des Todes durch die Liebe.« (DRS2, 19./25.06.2011)

»Michail Schischkin ist ein Sprachvirtuose, dessen surreale, apokalyptische Szenarien an die Filme seines Landsmannes Andrei Tarkowski erinnern.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2011)

»Epochales Meisterwerk, das vielschichtig und mit intelligenten Kniffen ein Jahrhundert russischer Geschichte erzählt. Fesselnd, unaufdringlich, lesenswert.« (Format, 17.06.2011)

»„Venushaar“ ist eine vielstimmige Parabel auf das verlorene Paradies – kunstvoll komponiert, stilistisch virtuos.« (stadtzauber (Köln), 10/11) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Michail Schischkin ist einer der meist gefeierten russischen Autoren der Gegenwart. Er wurde 1961 in Moskau geboren, studierte Linguistik und unterrichtete Deutsch. Seit 1995 lebt er in der Schweiz, Moskau und Berlin. Seine Romane wurden national und international vielfach ausgezeichnet, u.a. erhielt er als Einziger alle drei wichtigsten Literaturpreise Russlands. 2011 wurde ihm der Internationale Literaturpreis Haus der Kulturen der Welt in Berlin verliehen. Für seinen neuesten Roman Briefsteller, der weltweit in über 20 Ländern erscheint, bekam er den hoch dotierten Bolshaja kniga ("Das große Buch") zum zweiten Mal.

Andreas Tretner, geb. 1959 in Gera, Übersetzer u.a. von Boris Akunin und Vladimir Sorokin, ist schon längst die "deutsche Stimme" von Viktor Pelewin. Zu Pelewins letztem Buch schrieb Wladimir Kaminer: "Die deutsche Fassung ist noch besser als das Original - innovativ und durchgeknallt."

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Dem Dareios und der Parysatis wurden zwei Söhne geboren, ein älterer, Artaxerxes, ein jüngerer, Kyros.
Die Befragungen beginnen morgens um acht. Alle sind noch verschlafen, zerknittert, mürrisch die Beamten ebenso wie die Dolmetscher, die Polizisten und die Asylanten. Die, die erst noch Asylanten werden wollen, genauer gesagt. Einstweilen sind sie bloß GS. Gesuchsteller. So heißen diese Menschen hier.
Der Erste wird hereingeführt. Vorname. Zuname. Geburtsdatum. Aufgeworfene Lippen. Pickel überall. Älter als sechzehn, so viel ist klar.
Frage: Führen Sie kurz die Gründe aus, weshalb Sie um Gewährung von Asyl in der Schweiz bitten.
Antwort: Mit zehn kam ich ins Heim. Unser Direktor hat mich vergewaltigt. Ich bin abgehauen. Auf einem Parkplatz hab ich Trucker getroffen, die über die Grenze fahren. Einer hat mich rausgeschafft.
Frage: Warum haben Sie Ihren Direktor nicht bei der Polizei angezeigt?
Antwort: Die hätten mich totgeschlagen.
Frage: Wer sind "die"?
Antwort: Die stecken doch alle unter einer Decke. Der Direktor hat mich und noch einen Jungen und zwei Mädchen ins Auto gepackt und auf eine Datscha gefahren. Nicht seine, die von irgendwem, keine Ahnung. Dort trafen sie sich, die ganzen Chefs, auch der Polizeichef. Sie haben gesoffen und auch uns Alkohol eingeflößt.
Dann wurden wir auf die Zimmer aufgeteilt. Das Haus war groß.
Frage: Sind damit alle Gründe genannt, weshalb Sie um Gewährung von Asyl bitten?
Antwort: Ja.
Frage: Beschreiben Sie Ihren Reiseweg. Aus welchem Land sind Sie in die Schweiz eingereist, und wo genau?
Antwort: Das weiß ich nicht. Ich saß im Truck, hinter Kartons. Ich bekam zwei Plastikflaschen: eine mit Wasser, eine für den Urin. Nur nachts durfte ich raus. Hier ganz in der Nähe haben sie mich abgesetzt. Ich weiß ja nicht mal, wie die Stadt heißt. Ich bekam gesagt, wo ich hingehen soll, um mich zu stellen.
Frage: Haben Sie sich in der Vergangenheit politisch oder religiös
betätigt?
Antwort: Nein.
Frage: Sind Sie vorbestraft? Wurde gegen Sie ermittelt?
Antwort: Nein.
Frage: Haben Sie schon einmal in einem anderen Land einen Asylantrag gestellt?
Antwort: Nein.
Frage: Haben Sie in der Schweiz eine Rechtsvertretung?
Antwort: Nein.
Frage: Stimmen Sie einer Knochengewebeuntersuchung zur gutachterlichen Feststellung Ihres Alters zu?
Antwort: Was?
In der Pause kann man im Dolmetscheraufenthaltsraum einen Kaffee trinken. Die Fenster gehen hier auf die Baustelle, wo ein neues Empfangszentrum für Asylsuchende errichtet wird.
In Abständen glüht der weiße Plastikbecher in meinen Händen auf, das ganze Zimmer erstrahlt im Widerschein der Schweißblitze. Das kommt, weil der Schweißer direkt vor dem Fenster arbeitet.
Niemand sonst ist im Raum, ich kann zehn Minuten ungestört lesen.
Also: Dem Dareios und der Parysatis wurden zwei Söhne geboren, ein älterer, Artaxerxes, ein jüngerer, Kyros. Als Dareios krank war und das Ende seines Lebens vorausahnte, wollte er beide Söhne in seiner Nähe haben. Der ältere war nun zufällig anwesend. Kyros aber ließ er aus dem Herrschaftsbereich rufen, zu dessen Satrapen er ihn gemacht hatte.
Auch die Buchseiten flammen auf im Blitzlicht des Schweißens. Das Lesen ist unangenehm nach jedem Blitz wird die Seite schwarz.
Es dringt selbst durch die geschlossenen Lider.
Peter schaut zur Tür herein. Herr Fischer. Der Schicksalslenker.
Er zwinkert mir zu als wolle er sagen: Sollen wir wieder? Und auch er wird angeblitzt wie von einem Fotoapparat. Prägt sich ein mit einem zugekniffenen Auge.
Frage: Verstehen Sie den Dolmetscher?
Antwort: Ja.
Frage: Wie ist Ihr Name?
Antwort: .
Frage: Vorname?
Antwort: .
Frage: Wie alt sind Sie?
Antwort: Sechzehn.
Frage: Haben Sie einen Pass oder ein anderes Dokument, das Ihre Identität bezeugt?
Antwort: Nein...."
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