Kurzbeschreibung
Die alltägliche Utopie des Lebens
Günter Herburgers Gedichte sind Bestandsaufnahmen, Zustandsbilder unseres alltäglichen Lebens. In den Gedichten treten alltägliche und zugleich exemplarische Typen auf: Villenbesitzer, Verkäufer, Techniker, Sportler, oft scheinbar harmlose Spießer. Aber immer erscheint mit ihnen, hinter ihnen die Möglichkeit der plötzlichen Umkehrung des idyllischen kleinen Daseins in das Böse, die Gewalttat, das Verbrechen. Thema dieser Gedichte ist das geglättete und verarmte Leben, das in sich einen ungeformten, rumorenden Protest mitführt, die ungelebte, unterdrückte Vitalität, die einen Ausweg sucht. Darin steckt zugleich die Utopie eines Lebens, das mehr sein könnte als das reduzierte des alltäglichen Konsums, ohne dabei rückwärts gewandt, irrational und zivilisationsfeindlich zu sein."Ein Gedicht über Gott
das wäre was
die Frage nach dem da
darüber kann man
auf jeden Fall was sagen
wenn man sich krank fühlt
oder sehr gute Laune hat
jeder hat einmal
ein brennendes Interesse
oder wie man da sagt
ich würde gern stundenlang
mit der Kreide auf einer Tafel
was dazu demonstrieren
temperamentvoll bei Gott
denn da
ist Platz für Phantasie
wenn ich ein bißchen Wissen habe
meine Worte nehme
oder den Pariser Urmeter
der in einem
kontrollierten Kasten ruht
und auch ganz hinten
Kommastellen verschiebt
wie soll ich es sagen
je mehr man sich Mühe gibt
aber ich nehme zu
kriege Farbe
spreche lauter
stehe breitbeinig vor der Tafel
und schreibe daß die Kreide bricht
denn alles stimmt
so lange ich in Fahrt bin"Günter Herburger, geboren 1932 in Isny/Allgäu, studierte Philosophie und Sanskrit in München und Paris. Er lebte und arbeitete in verschiedenen Berufen in Frankreich, Spanien, Nordafrika und Italien. Herburger publizierte Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Fernsehdrehbücher sowie literatur- und gesellschaftskritische Beiträge. Er ist Mitglied des PEN und lebt heute als freier Schriftsteller in München.
Autorenportrait
Günter Herburger, geboren 1932 in Isny/Allgäu, studierte Philosophie und Sanskrit in München und Paris. Er lebte und arbeitete in verschiedenen Berufen in Frankreich, Spanien, Nordafrika und Italien. Herburger publizierte Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Fernsehdrehbücher sowie literatur- und gesellschaftskritische Beiträge. Er ist Mitglied des PEN und lebt heute als freier Schriftsteller in München.