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Venezuela Bolivariana. Revolution des 21. Jahrhunderts?
 
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Venezuela Bolivariana. Revolution des 21. Jahrhunderts? [Broschiert]

Dario Azzellini

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Produktbeschreibungen

Anna Gerloff, ak - zeitung für linke debatte und praxis, Nr. 513, 19.1.2007

Reportagen, Interviews und Hintergrundtexte fügen sich in Dario Azzellinis Buch "Venezuela Bolivariana - Revolution des 21. Jahrhunderts?" zu einem facettenreichen Bild. Fakten werden geliefert, Interpretationsansätze geboten, aufgeworfene Fragen jedoch nicht explizit vom Autor beantwortet. Unter ständiger Betonung der "Prozesshaftigkeit" des venezolanischen Wandels versorgt Dario Azzellini die LeserInnen mit Informationen, mit Material - Schlüsse zu ziehen bleibt allerdings ihnen selbst überlassen. Azzellini, der seit Jahren zwischen Lateinamerika und Deutschland pendelt und derzeit zum Thema "Partizipative und protagonistische Demokratie in Venezuela" promoviert, verarbeitet und kombiniert sein Wissen aus Theorie und Forschung mit seinen praktischen Erfahrungen. (...) Eben diesen Bewegungen widmet sich Azzellini im zweiten und umfangreichsten Kapitel "Gesellschaftliche Reformen und Basisbewegungen von unten". In der westlichen Medienlandschaft ist es Chávez, der stets im Vordergrund steht. Azzellini hingegen beschäftigt sich ausführlich mit den ProtagonistInnen der Basis: Indigenen-Organisationen, ArbeiterInnen, die Fabriken bestreiken und übernehmen, LandarbeiterInnenkooperativen, um nur einige zu nennen. Die "Mobilisierung der Unterklassen" geht einher mit dem Aufschwung und der Radikalisierung der Gewerkschaften, mit Agrarreformen, mit der Nutzbarmachung der Erdölressourcen für die soziale Entwicklung, mit der verfassungsmäßigen Verankerung sozialer und politischer Rechte. Doch wie weit gehen die sozioökonomischen Veränderungen wirklich? "Derweil herrschen in Venezuela weiterhin kapitalistische Verhältnisse, und der Diskurs ist - notwendigerweise - weiter als die Realität", schreibt Azzellini. Die traditionellen Eliten sind in die Opposition gedrängt, behaupten jedoch ihre ökonomische Vorherrschaft. Eines der größten Probleme des Landes ist noch immer die Korruption. Zwar gab und gibt es personelle Veränderungen innerhalb der Regierung, doch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass sich zahlreiche Angehöriger der alten politischen Klasse "lediglich in ihrer Rhetorik den neuen Umständen angepasst haben". Auch die venezolanische Medienlandschaft transformiert sich nur langsam. Große, oppositionsnahe Anbieter bestimmen das Bild, das von den Basismedien nach und nach durchwandert wird. Freie Radios und Fernsehsender, Printmedien, die sich mit dem bolivarianischen Prozess solidarisieren, der Regierungspolitik aber auch kritisch gegenüberstehen. Chávez rief die "Revolution in der Revolution" aus. Die Selbstorganisation von unten schreitet voran. Es herrscht eine Aufbruchstimmung in der zuvor marginalisierten Bevölkerung. "Millionen Menschen", schreibt Azzellini, "versuchen ihr Leben in die Hand zu nehmen" - angetrieben vom Regierungschef, der "in Diskurs und Praxis für eine Radikalisierung der Bewegungen, Forderungen und Politiken sorgt". (...) "Revolution des 21. Jahrhunderts?" - Basisorganisationen und Proteste sind "stark zersplittert", einzelne stehen Teilen des Regierungsapparates kritisch gegenüber, die Opposition hat die "Konterrevolution" begonnen. Die Transformation Venezuelas ist in vollem Gange. Wie weit sie voranschreiten wird, ist nicht zu beantworten. Auch Dario Azzellini urteilt nicht, doch zieht sich ein durchaus optimistischer Unterton durch das Buch - unterlegt von den Worten Chàvez': "so dass es einen Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu erfinden gilt."

Mark Terkessidis, taz Magazin vom 28.10.2006

Angesichts dieser Situation ist das Bedürfnis linker Autoren verständlich, die Regierung gegen Vorwürfe in Schutz zu nehmen. In den letzten Wochen sind gleich vier Titel erschienen, die sich mit Venezuela befassen: von Ernst Fürntratt-Kloep, Ingo Niebel, Dario Azzellini und Eva Golinger. Diese Bücher weisen erhebliche Ähnlichkeiten untereinander auf, was schlicht damit zu tun hat, dass in ihnen die venezolanische Geschichte, vor allem jene der letzten acht Jahre, ausführlich erzählt wird. Allerdings gibt es unterschiedliche Schwerpunkte: Bei Niebel und Golinger geht es um die Verwicklung der USA in die Versuche, Hugo Chávez zu stürzen. Fürntratt-Kloep und Azzellini beleuchten mehr die soziale Entwicklung des Landes nach der von Chávez ausgerufenen "bolivarianischen Revolution". (...) Alles über die Sozialprogramme und Initiativen kann man bei dem ehemaligen Psychologieprofessor Fürntratt-Koep und bei dem Aktivisten und Filmemacher Azzellini nachlesen, wobei Letzterer zweifellos das ergiebigste Buch geschrieben hat. Dario Azzellini wird keinen Feuilletonpreis für das am elegantesten geschriebene Sachbuch dieses Herbstes bekommen, aber dafür bekommt man satte Informationen aus erster Hand über Venezuela.

Beide Autoren sparen nicht mit Kritik am Präsidenten. Denn auch in Venezuela ist dieser Tage keineswegs alles Gold, was glänzt. Dennoch sind die Bücher durchaus Verteidigungsreden, wobei man bezweifeln kann, dass die Chávez-Gegner für Statistiken und Argumente zugänglich sind. Gegen Ressentiments ist eben wenig auszurichten. Dabei wäre es höchst lohnenswert, über die venezolanische Erfahrung zu sprechen. Jeder Besuch im Land macht schnell klar, wie viel man in Deutschland von den dortigen Initiativen lernen könnte - vor allem, was das Erfinden von kreativen Lösungen betrifft.


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