Amazon.de-Hörbuchrezension
Donna Leon als Hörbuch. Ein Sahneklecks auf jeder Venedigreise, aber auch gut geeignet als Trostlutscher, wenn man gerade nicht verreisen darf: Leon hören heißt Venedig erleben.
Durch Straßen und Gässchen geht es vorbei an harten Kontrasten: Japaner vor Palazzi, provinzpopelige Armut im ewigen Nebel, der Marmor von Einst und die kühlen Venezianer von heute, immer noch mit eigener Sprache. Die Spannung allerdings hält sich in Grenzen, Whodonnit ahnt der Hörer bald.
Genussbreite Ausführlichkeit: das Essen, das Trinken! Ständig wird auf dem Herd Kaffee gekocht (pro Band mindestens 20 Mal). Für Hörbücher nicht ganz unproblematisch. Neun Stunden dem langsamen Leben an der Lagune zu lauschen, während Kommissar Brunetti über Verbrechen grübelt und seiner Frau dabei übers Haar streicht: Man muss das lieben, um nicht ungeduldig zu werden.
Philipp Schepmanns Bewältigung von Venezianisches Finale (Ungekürzte Lesung, 8 CDs im Schuber, Gesamtlaufzeit 526 Minuten, knapper Waschzettel) kann nicht überzeugen: zu jung die Stimme, die outrierte Sprechweise will wenig zum lakonischen Ton der Leon passen, Betonungen missraten häufig. Traumsicher dagegen setzt Christoph Lindert, (Ein Fall für zwei, Tatort) in Endstation Venedig (Ungekürzte Lesung, 8 CDs im Schuber, Gesamtlaufzeit 563 Minuten, knapper Waschzettel) die Betonungen und weiß die Personen zu charakterisieren. Das ein wenig raue Organ klingt oft, als lausche man dem Commissario selbst. --Michael Winteroll
Amazon.de-Hörbuchrezension
Der erste Fall von Donna Leons inzwischen zu Ruhm gelangtem Commissario Guido Brunetti auf zwei Hörkassetten in einer schönen Hörspielfassung von Gerd Krogmann wird viele Hörbuchfreunde begeistern. Diejenigen, die den damaligen Sensationserfolg der Autorin bereits als Buch genossen haben, können ihre eigenen Vorstellungen von Stimme und Temperament der handelnden Personen mit der Besetzung des Hörspiels messen. Diejenigen, die die Lektüre noch vor sich haben, werden die Ermittlungen Brunettis im Fall der Ermordung eines deutschen Stardirigenten am Teatro La Fenice mit großer Spannung verfolgen.
Der berühmte deutsche Dirigent Wallauer wird in der Pause zum letzten Akt von La Traviata durch Zyankali ermordet. Der ins Opernhaus geeilte Commissario Brunetti und sein Assistent Miotti verhören das Starensemble hinter der Bühne und erfahren zunächst eines: Der zu Tode gekommene Maestro muss ein rechtes Ekel gewesen sein. Die großartige Hannelore Hoger gibt eine sachlich lakonische Erzählerin, die unaufdringlich durch die Handlung führt. Michael Königs Brunetti zeigt sich als geduldiger, ja beharrlicher und behutsamer Ermittler mit einer gehörigen Portion Humor, der besonders in den Dialogen mit seiner Frau Paola (Hille Darjes) und seinem Vorgesetzten Patta (Wolfgang Hinze) deutlich wird. Auch die übrigen Rollen sind hochkarätig besetzt, besonders zu erwähnen sind dabei Jutta Lampe als Diva Flavia Petrelli und der vorzügliche Ernst Jacobi als Conte Falier, Brunettis Schwiegervater.
Musikauswahl und Geräusche schaffen die passende Atmosphäre für eine beeindruckende Inszenierung. --Ulrich Deurer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus
Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Venezianisches Finale
OT Death at La Fenice OA 1992 DE 1993Form Roman Epoche Moderne
Die Idee zu diesem Roman, dem ersten in einer Reihe von bisher zehn »Fällen« Commissario Brunettis, kam Donna Leon nach eigenen Aussagen in der Oper.
Inhalt: Der berühmte Dirigent Wellauer wird während der Pause vor dem letzten Akt der Oper La Triviata im Theater La Fenice in seiner Garderobe tot aufgefunden. Bald steht fest, dass sein Espresso mit Zyankali versetzt war.
Commissario Brunetti stellt bei seinen Recherchen im Umfeld des Dirigenten fest, dass dieser alles andere als beliebt war und mehrere Personen ein Interesse daran gehabt haben könnten, den arroganten, autoritären Egozentriker zu ermorden. Sowohl der Regisseur der Oper wie auch ein Sänger sind nicht gut auf Wellauer zu sprechen. Zudem scheint er als Moralapostel homosexuelle Künstler unter Druck gesetzt zu haben, insbesondere die lesbische Sopranistin Flavia Petrelli und ihre Lebensgefährtin Brett Lynch. Brunettis Ermittlungen werden zusätzlich erschwert durch die allseits bekannte Nazivergangenheit des Dirigenten. Lange Zeit schwanken die Überlegungen des Ermittlers zwischen einer Beziehungstat, politischer Rache oder möglicher Reaktion auf eine Erpressung. Auch die sehr viel jüngere Ehefrau des Ermordeten erscheint in ihrer kühlen Zurückhaltung verdächtig.
Erst als Brunetti vom behandelnden Arzt des Maestro erfährt, dass dieser an einer sich rapide verschlechternden Hörschwäche gelitten habe, deren Ursache unklar sei, ändert er die Richtung seiner Ermittlungen. Bei seinen Recherchen entdeckt er eine tieftraurige Geschichte, die unter anderem auch den Selbstmord der ersten Ehefrau und den Tod einer zwölfjährigen Sopranistin erklären: Wellauer war sexuell fixiert auf junge Mädchen. Als er die Tochter seiner zweiten Ehefrau vergewaltigen wollte, schickte sie das Kind zu ihren Eltern. Sie verordnete ihrem Mann als Ärztin angebliche Vitaminspritzen, die sein Gehör schädigten. Als Wellauer begriff, dass seine Frau aus Rache seine Karriere vernichten wollte, vergiftete er sich und versuchte sie als angebliche Täterin zu belasten.
In seinem Abschlussbericht erwähnt Brunetti nichts von dem Ermittelten, um die Ehefrau Wellauers und ihre Tochter zu schützen.
Wie auch in allen folgenden Romanen von Leon, ist die Stadt Venedig nicht nur Kulisse, sondern spielt eine wichtige Rolle als überschaubarer Platz, an dem alle über alle alles wissen; die ergiebigsten Ermittlungen ergeben sich aus kursierenden Gerüchten.
Bei seinen weiteren Fällen wird Brunetti immer mehr in alltägliche politische Skandale verstrickt; oft genug steht er der Mafia, Geldwäschern, korrupten Politikern und politischen Erpressern hilflos gegenüber. Je gesellschaftskritischer Leon in ihren Romanen wird, desto deutlicher kristallisiert sich heraus: Die eigentlichen Täter, die Drahtzieher im Hintergrund, entgehen stets ihrer Bestrafung.
Wirkung: Venezianisches Finale, 1991 mit dem japanischen Suntory-Preis ausgezeichnet, wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gelobt; insbesondere das bestechende Charisma und Einfühlungsvermögen des Commissario fanden großen Anklang. Mehrfach wurde Leon mit Georges R Simenon verglichen. D. Ma.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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