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Venedig 1836: Nebelschleier überziehen die Stadt, diese ewig faszinierende und sterbende Stadt, modernd, vom Verfall bedroht, voller bröckelndem Glanz. Das junge Waisenmädchen Angelina hat den Täter beobachtet, gerät nun selbst in Gefahr und zwischen politische Fronten. Ich habe den Mörder gesehen ... Das Medaillon lag neben der Toten. Es enthält ein Bild. Für den Commissario ist sie eine wichtige Zeugin in einem Fall, von dem er meint, er sei nicht komplizierter als das Öffnen einer Pralinenschachtel. Weit gefehlt, der Mordfall wird weltpolitisches Geschehen berühren, schließlich stand Maximilian kurz vor seiner Ernennung als Kaiser von Mexiko.
Historische Fakten werden in Nicolas Remins zweitem Roman verwoben mit tödlichen amourösen Eskapaden. Geschichtliches mischt sich mit Kriminellem zu einem richtig spannenden Buch, das natürlich aber auch mit all seinen Gegensätzen von arm und reich, gesellschaftlich hochstehend und ausgeschlossen die passenden Klischees für eine märchenhafte Erzählung bedient. Die Mordgeschichte aus dem Venedig Mitte des 19. Jahrhunderts, sie liest sich ausgesprochen angenehm und flüssig. Unverkennbar: Remins Händchen für Stimmungsvolles, Atmosphärisches, für Momente und zugespitzt spannende Augenblicke.
Wunderbar die Figur des Commissarios, fast hat man schon Mitleid mit dem armen Kerl, denn er verkörpert mit seinem zerfallenden Zuhause, der an altem Ruhm und Glanz unbeirrbar festhaltenden Mutter die sterbende Stadt auf höchst anrührende Weise. Und da käme natürlich seine Eheschließung mit der Principessa di Montalcino, einer für damalige Verhältnisse außerordentlich selbstständigen und erfolgreichen Geschäftsfrau, gerade recht. --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Commissario Trons zweiter Fall - Mord im Jahre 1863,
Von
Rezension bezieht sich auf: Venezianische Verlobung. Commissario Trons zweiter Fall (Gebundene Ausgabe)
Dem Kaiser im Weg Sie muss Hals-Über-Kopf die Flucht ergreifen, als ihr der Taschendiebstahl misslingt. Nur mit Mühe und Not kann sie den Carabiniere entkommen, indem sie in eine Wohnung flüchtet, deren Tür sich widerstandslos öffnen lässt. Als sich ihre Augen ans Dunkel gewöhnt haben, sieht sie einen Mann, „der drei Schritte entfernt von ihr auf dem Boden hockt“. Vor ihm liegt eine Frau. „Der Mund der Frau war weit aufgerissen, wie ein sperrangelweit geöffnetes Tor, und ihr Gesicht drückte noch im Tod grenzenloses Erschrecken aus. Sie machte unwillkürlich einen Schritt zurück, schrie aber nicht. Vermutlich, dachte sie später, war es das, was ihr das Leben rettete.“ Die Tote ist die Geliebte von Erzherzog Maximilian, dem jüngeren und überschuldeten Bruder des Kaisers; der Mörder ist sein treuer Diener Schertzenlechner. Maximilian soll zum Kaiser von Mexiko gekrönt werden und kann sich keinen Skandal leisten. Deshalb musste sie vorsorglich zum Schweigen gebracht werden und Schertzenlechner leistete ganze Arbeit. Dass er einen Zeugen am Leben gelassen hat, erscheint ihm nicht erwähnenswert. Denn auf Grund des dichten Nebels konnte er unmöglich erkannt worden sein. Was er jedoch nicht weiß ist, dass die Zeugin ihn eine Stunde später wieder erkannte, als er sich auf dem Schiff Erzherzog Sigmund nach Triest einschiffte. In Nicolas Remins zweitem Roman „Venezianische Verlobung“ gilt Commissario Trons größte Sorge eigentlich der Werbung um die Principessa di Montalcino. Doch dann betraut man ihn mit der Aufklärung des Mordes an Anna Slataper und schnell stellt sich heraus, dass höchste Regierungskreise in den Fall verstrickt sind. Zu allem Unglück gehören einige der Verdächtigen zum engsten Freundeskreis seiner Umworbenen und so ist es für ihn nicht einfach, sich zwischen dienstlicher Pflicht und privaten Interessen zu entscheiden. Doch nicht nur dieser Gewissenskonflikt spielt eine große Rolle im vorliegenden Roman. Auch die 1863 herrschenden politischen, gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse und Umbrüche thematisiert der Autor versiert und gut recherchiert in seinen spannenden Plot. Dabei artet das Buch nicht in eine historische Vorlesung aus, sondern dient zweierlei. Zum einen der Verdeutlichung der hierarchischen Verhältnisse und der dadurch erheblich beeinträchtigten Befugnisse des Commissarios. Zum zweiten, um einige höchst interessante und ausgefallene Wendungen in den Fall einzubauen. Keine Kopie von Donna Leon Nicolas Remins Roman ist dabei jedoch keine um 150 Jahre verschobene Variante von Donna Leons Romanen rund um Commissario Brunetti, sondern es sind höchst eigenständige Werke. Obwohl beide Venedig als Charakter in die Handlungen mit einfließen lassen, gehen dabei beide ihren individuellen Weg. Remins Beschreibungen der Stadt, ihrer Sehenswürdigkeiten, Einwohner und des Ambientes sind auch dem Zeitrahmen angepasst und klingen eher nach E. M. Foster denn nach zeitgenössischen Autoren, ohne schwülstig oder unangemessen gekünstelt zu klingen. Obwohl akribisch recherchiert, bleibt „Venezianische Verlobung“ ein Kriminalroman und erinnert, wenn man denn überhaupt einen Vergleich bemühen will, an die Romane von Boris Akunins russischem Geheimrat Fandorin. Fazit: Gelungene Fortsetzung der Reihe rund um Commissario Tron. Hier stimmt einfach alles: Charaktere, detaillierte und stimmungsvolle Ortsbeschreibungen, undurchsichtige Figuren, geheimnisvolle Gerüchte und eine Liebesgeschichte machen den spannenden Kriminalroman rund. Für alle Freunde von Boris Akunin und Donna Leon mehr als einen zweiten Blick wert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannende Unterhaltung voller Esprit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Venezianische Verlobung. Commissario Trons zweiter Fall (Gebundene Ausgabe)
Der Fund einer Frauenleiche kommt Commissario Tron inmitten seiner privaten Probleme – der Palazzo seiner Vorfahren verfällt immer mehr und seine angebetete Principessa hat er immer noch nicht geehelicht - äußerst ungelegen, und als sich bei den Ermittlungen heraus stellt, dass es sich bei der Toten Anna Slataper um die Geliebte von Erzherzog Maximilian, dem Bruder von Kaiser Franz-Josef und zukünftigen Kaiser von Mexiko handelt, schwant Tron nichts Gutes. Egal wie die Ermittlungen auch enden werden – die Konsequenzen über den Tod der Frau werden privat wie politisch nicht ohne Belang bleiben, denn viele der Verdächtigen – unter anderem Gutierrez, der mexikanische Botschafter im Vatikan, Pater Calderon, die rechte Hand des Bischofs oder Schertzenlechner, der Privatsekretär des Erzherzogs – sind gute Bekannte bzw. Geschäftspartner der Verlobten des Commissarios.Je weiter die Ermittlungen gedeihen bzw. sich immer mehr im Kreise drehen und je mehr Morde noch geschehen, desto tiefer verstrickt sich Commissario Tron in ein unglaubliches Verwirrspiel zwischen Juaristas, der katholischen Kirche, dem habsburgischen Kaiserreich, schlichtem Ehebruch und gemeiner Erpressung. Und sein Misstrauen gegenüber Calderon ist beileibe nicht nur dienstlicher Natur … Nicolas Remin knüpft nahtlos an seinen gelungenen und erfolgreichen Erstling Schnee in Venedig an und entwickelt die Protagonisten gekonnt und gefühlvoll weiter, obwohl leichte bis starke Ähnlichkeiten zu den Charaktären Donna Leons um Commissario Brunetti nicht abstreitbar sind. Dass sich der Autor nicht nur in Venedig sondern auch in dieser glanzvollen Epoche heimisch fühlt merkt man in seinen allgegenwärtigen und detailverliebten Ausschmückungen. Das vorhandene geschichtliche Background-Wissen über das Habsburger Reich sowie die liebevollen und sehr kenntnisreichen Ortsbeschreibungen von La Serenissima bereichern diesen zweiten Fall des Commissario Tron und runden diesen sehr detaillierten, wunderbar flüssig zu lesenden und bis zum Schluss absolut spannenden Kriminalroman wunderbar ab. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bitte mehr davon,
Rezension bezieht sich auf: Venezianische Verlobung. Commissario Trons zweiter Fall (Gebundene Ausgabe)
Soviel ist wahr: Erzherzog Maximilian von Österreich, der Bruder des Regenten Franz Joseph I, lebt mit seiner Frau Charlotte auf Schloß Miramare bei Triest. Wir schreiben das Jahr 1863 und es gibt Pläne, dass Maximilian Kaiser von Mexiko werden soll, das derzeit vom Präsidenten Benito Juarez geführt wird, dessen Politik den konservativen katholischen Strömungen ein Dorn im Auge ist. Wir wissen, dass Maximilian 1864 tatsächlich nach Mexiko aufbricht, um dort eine Monarchie zu begründen, doch mit Sicherheit ist die von Nicolas Remin geschilderte Episode, die ihn davor noch in Venedig in eine prekären Situation zeigt, reine Fiktion. Doch möglich ist alles. Schließlich ist Sisi, Kaiserin und Schwägerin von Maximilian, auch nicht so gewesen, wie sie in den beliebten Filmen von Ernst Marischka alle Jahre wieder gezeigt wird. Diese Sisi spielte im Übrigen eine Nebenrolle im ersten Band von Nicolas Remins Krimiserie, die bisher leider nur zwei Bände umfasst. Doch man darf hoffen, dass diese noch ausgebaut wird, ist doch Commissario Tron, der dem alten Adel Venedigs entstammt, eine Figur mit Potenzial. Der Palast, in dem er mit seiner Mutter lebt und der zum Teil auch untervermietet ist, wird immer baufälliger, da kein Geld für die notwendigen Reparaturen vorhanden ist. Seine Bekanntschaft mit der Principessa di Montalcino, einer erfolgreichen Geschäftsfrau und Witwe, hat sich soweit intensiviert, dass seine Mutter die eventuell herannahende Hochzeit zur Rettung der Palastruine nutzen möchte. Doch die Principessa hat ein Problem: Ihr verstorbener Mann hat in Staatsanleihen von Mexiko investiert, deren Kurse unter der Herrschaft Juarez’ im Keller sind. Eine Regentschaft Maximilians würde zumindest kurzfristig Abhilfe schaffen, so dass sie ihre Position liquidieren könnte. Aber es gibt auch Gegner Maximilians. Stecken diese etwa hinter dem Plan, den Erzherzog in Verruf zu bringen? Commissario Tron muss sich damit befassen, als er zur Klärung eines Mordfalls herangezogen wird. Das Opfer ist eine junge Frau, die anscheinend die Geliebte Maximilans war. Tron vermutet zunächst, dass dieser als Drahtzieher hinter dem Mord steckt, doch bald darauf schwenkt er um: Neue Verdächtige sind im Spiel. Remin schickt den Leser hierhin und dorthin, so überzeugend, dass man immer glaubt, Tron hätte die Lösung nun endlich gefunden. Mit einer Leichtigkeit präsentiert der Autor die historischen Details und die komplizierten politischen Verwicklungen, so dass man von großen Lesegenuss sprechen kann. Geschichte und Politik verwebt er gekonnt mit Spannung, Leidenschaft und Atmosphäre und bleibt doch weit entfernt vom Kitsch, den man vielleicht bei diesen Themen erwarten würde. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. So kann man sich auch immer wieder über das Geplänkel amüsieren, das der verarmte Adlige mit der neureichen und „neuadligen“ Principessa führt. Im Vergleich zum Vorgängerband „Schnee in Venedig“ fällt der Kriminalfall vielleicht ein wenig ab, doch die Stärken des Autors, die Figurenzeichnung und die Schilderung der Atmosphäre kommen auch hier voll zum Tragen. Fast meint man, man sei dort, in Venedig im Oktober 1863, und erlebt hautnah, was passiert, so intensiv nimmt man während des Lesens teil. Man kann gespannt sein, auf welche historische Figur der sympathische Commissario als nächstes trifft. Denn eines ist sicher: Fortsetzung ist eindeutig erwünscht, denn nach der Verlobung folgt hoffentlich die Hochzeit... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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