Was haben ein ermordeter (vermeintlicher) Transvestit, eine venezianische Bank und der Vorsitzende einer Moralgesellschaft miteinander zu tun?
Dazu hat sich Donna Leon in ihrem Werk Venezianische Scharade eine ganz passable Handlung ausgedacht.
Aus Sicht von Kommissar Brunetti macht sich der Leser mit auf Mörderjagd. Die Umstände der Tat werden nach und nach klar und am Ende fiebert man mit dem Kommissar, ob es wohl gelingen mag, den eigentlichen Übeltäter zu überführen.
Was bei Donna Leon besonders bemerkenswert ist, sind die witzigen Szenen. Das findet man bei kaum einem anderen Krimiautor. Amüsant sind vor um allem die Geschichten mit um und um Brunettis Vorgesetzten Patta.
Bei Venezianische Scharade handelt es sich zwar nicht um ein Action-Feuerwerk, zur Sache geht es jedoch ganz schon: Ob Brunetti sich mit einem Hauptverdächtigen prügelt oder das Polizeiauto gerammt wird.
Spaß machen vor allem die Beschreibungen der einzelnen Szenen: Man hat immer das Gefühl über alles informiert zu sein, ohne jedoch unnötig zugemüllt zu werden.
Wovor man keine Angst haben darf und was manche wahrscheinlich sogar bedauern: Es wird nicht zu ausführlich auf Venedig und seine Eigenheiten eingegangen. Dass man sich in der Lagunenstadt befindet, merkt man eigentlich nur, weil Brunetti das ein oder andere mal eine Gondel braucht.
Das Privatleben des Ermittlers wird teilweise in die Ermittlungen integriert, nimmt jedoch glücklicherweise nur einen kleinen, angemessenen Teil ein.
Die generellen Themen sind gut: Falsche Moralvorstellungen der Gesellschaft sowie Korruption und Bestechung.
Die Autorin bringt auch ein wenig Kritik an der Vorurteilsfreude der Menschen ein.
Zu bemängeln ist, dass einige Figuren etwas blass bleiben, wie zum Beispiel die neu eingeführte Sekretärin oder aber ein Bekannter Brunnetis, mit dem er sich zum Essen trifft. Auch kleinere logische Mängel lassen sich finden. An manchen Stellen treten leider auch sprachliche Patzer auf: Teilweise wird das Verb sagen schon im übernächsten Satz wieder verwendet und damit auf einer Seite mehr als dreimal benutzt. Dafür gibt es doch wirklich genug Synonyme.
Nervig für alle, die nicht des Italienischen fähig sind, dürfte sein, dass ab und zu einige italienische Vokabeln gebraucht werden: Allerdings eher an unbedeutenden Stellen. Dennoch könnte man zumindest in der Fußnote eine Übersetzung hinzufügen.
Fazit: Da relativ bald klar ist, wie der Hase läuft und eher wenige Wendungen auftreten, gibt es nur vier Sterne.