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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Das soll DIE Venedig-Biographie sein? Ich meine, dieses Buch kann nicht mal als "eine" solche durchgehen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch und die vorausgegangenen überschwänglich lobenden Rezensionen bringen mich in Verlegenheit. Ich kann diesem Buch unmöglich Lob spenden! Da mag man meinen, wer gerade selbst ein Venedig-Buch veröffentlicht hat (Was man so alles nicht von Venedig weiß. Norderstedt 2011), hätte bei der Beurteilung von Venedig-Büchern wohl hinderliche Eigeninteressen und sei nicht ganz objektiv. Na schön, Rezensionen sind ja schließlich auch nur - hoffentlich sachkundige - Meinungsäußerungen. Was nicht gut ist, muß auch so genannt werden dürfen - selbstverständlich begründet. Jeder kann ja dann das Urteil nachprüfen und sich selbst eine Meinung bilden. Mir scheint auch, der hochtrabende Untertitel, den der Verlag zur deutschsprachigen Ausgabe hinzugefügt hat (Der Originaltitel ist "Venice: Pure City"), erfordert eine besonders genaue Nachprüfung. Als eine - natürlich auch nicht DIE überhaupt - Venedig-Biographie könnte man meiner Meinung nach etwa den von Giovanni Distefano herausgegebenen Atlante storico di Venezia (Venezia 2007) bezeichnen, in dem beginnend mit dem Jahr 421 im Prinzip jeder Tag aufgeführt wird, an dem hier etwas Wichtiges passiert ist. Aber was ist überhaupt eine Biographie einer Stadt? Wohl auch das London-Buch, das Ackroyd tatsächlich mit dem Untertitel "The Biography" im Jahr 2000 veröffentlicht hat und von dem sich wohl der deutsche Verlag zu dem irreführenden Untertitel des Ackroydschen Venedig-Buches hat verführen lassen, kann diesem Anspruch nicht genügen (ein "a" hätte es auch getan). Man mag sein Venedig-Buch vielleicht für "eine Offenbarung, ein Traum und ein Meisterwerk... ein ganz hervorragend recherchiertes und spannend geschriebenes Buch... ein(en) Stern am Bücherhimmel" halten - das ist Geschmackssache, ein "detailreiches Standardwerk,... ein echter Hammer" in der Venedig-Literatur ist es jedenfalls nicht.Wem kann man Ackroyds Venedig-Buch empfehlen? Wer an der Geschichte Venedigs ernsthaft interessiert ist, an präzisen Informationen, wird es wohl schon nach oberflächlichem Durchblättern weglegen: Keine dem geschichtlichen Verlauf klar folgende Gliederung, keine Quellenangaben im Text zu historischen Informationen. Nur gelegentlich werden literarische Werke zitiert, die an Fakten wenig bringen. Die für die deutsche Ausgabe von Michael Müller hinzugefügten Marginalien liefern da ebenso nichts Bemerkenswertes. Geschichtsinteressierte werden wohl auch das Literaturverzeichnis mit 126 Titeln (S. 579-582) etwas mickerig finden. Der deutsche Verlag hat es hier auch nicht für nötig gehalten, für jene Titel, die in deutscher Übersetzung vorliegen, die entsprechenden bibliographischen Angaben zu ergänzen. Wer Geschichten, unglaubliche stories lesen will, wird bei diesem Buch vermutlich schon nach wenigen Seiten enttäuscht sein. Immer wieder deutet der Autor an: "berühmte Legende" (S. 21), "erfanden sie Geschichten" (S. 27), "eine Fülle das Meer betreffende volkstümliche Legenden" (S. 39), "es gab Berichte über Wunder" (S. 49), "ein aussagenstarkes, suggestives venezianisches Märchen" (S. 80), "es gibt Geschichten von Steinlöwen, die plötzlich von ihren Podesten springen, von Magiern, die Stein zu Fleisch werden lassen können, von einer Säule bei San Marco, die in Nebelnächsten Blut schwitzte" (S. 101), "Skandale und Streitigkeiten genüsslich ausgebreitet" (S. 145), "es gibt viele Geschichten über ihre Heuchelei und Betrügerei" (S. 216), "für eine merkantile, von Unmöglichem träumende Gesellschaft typische Märchen" (S. 348). "Die Sinnlichkeit der venezianischen Frau gab den Stoff für die Erzählungen vieler Reisender ab." (S. 428) "Es gab viele Volkserzählungen vom Teufel" (S. 444), "es gibt Geschichten von kreischenden Totenschädeln, von Statuen, die zum Leben erwachen, von merkwürdigen Kreaturen der Tiefe." (S. 469) Ackroyd erzählt sie aber nicht (Der Hinweis S. 469 auf Alberto Toso Fei "Venezianische Legenden und Spukgeschichten" genügt ja vielleicht auch.), obwohl er doch feststellt: "Venedig schien stets zum Geschichtenerzählen anzuregen." (S. 377) Das ist erstaunlich, daß es sich der vielgelesene und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Bestsellerautor hier entgehen läßt, alte Geschichten spannend und auch gruselheischend neu zu erzählen. Aber das ist wohl nicht wirklich ein Verlust für die lesende Menschheit, denn literarische Reproduktionen von Venedig-Stories gibt es schon reichlich und sie werden gewiß auch weiterhin verfertigt werden. Auch daß Ackroyd sich gelegentlich in Widersprüche verwickelt oder ihm Irrtümer unterlaufen, ist nicht unbedingt ein gravierendes Problem. Das passiert wohl jedem Autor irgendwann bei solch umfangreichem (571 Seiten) Werk. Daß er aber unreflektiert andere Autoren zu Venedig ohne genaue Quellenangabe reproduziert, ist nicht hinzunehmen. Selbstverständlich muß man nicht von jedem Autor verlangen, daß er seine Darstellung durch eigene Archivforschungen untermauert. Es ist nichts dagegen zu sagen, daß eine eigene Darstellung sich ausschließlich auf Sekundärliteratur stützt. Wenn dabei aber Falsches, das längst durch die wissenschaftliche Forschung widerlegt wurde, nachgebetet wird, kann das nicht hingenommen werden. Ackroyd gibt wie ein Pennäler wieder, was er gelesen hat, offensichtlich ohne zu merken, daß die verschiedenen Aussagen nicht zusammen passen. Dabei verhält er sich zu Venedig und seiner Geschichte grundsätzlich wohlwollend. Was die politischen Verhältnisse im historischen Venedig angeht, schreibt er S. 116: "Das innervenezianische Regierungssystem beruhte auf Gleichstellung und Ausgewogenheit." Aber eine Seite weiter heißt es: "Sie waren Meister der Intrige, spielten einen Staat gegen den anderen aus, hatten keine Skrupel ... wenn das ihren Plänen entgegenkam." S. 123 wiederum: "Venedig wurde als vorbildhaft angesehen, was republikanische Tugenden betraf... Die Stadt wurde auch ein Vorbild für die Intellektuellen der Aufklärungszeit, die in den politischen Vorgängen dort ein echtes Zusammenwirken von regierenden und Regierten erkannten." Und dagegen auf der gleichen Seite: "Aufgrund ihrer anmaßenden Attitüde, weil sie sich brüstete, so überaus großartig zu sein, sprachen viele umso abschätziger von der Stadt. Im 17. Jahrhundert wurde sie als Hort von Mördern und Homosexuellen geschildert. Die Bürger seien weit davon entfernt, frei zu sein, da dort eine Oligarchie herrsche, ja Tyrannei. Deren Symbol seinen die Folterkammern des Rates der Zehn." Man erfährt nicht, ob Ackroyd solche Darstellungen für verfälschend hält, was sie tatsächlich sind. Manchmal bemerkt er, daß Aussagen gewisser Autoren, "nicht frei von Übertreibung" (S. 131) sind, aber dazu wäre doch wohl ein wenig mehr zu sagen. Es bleibt auch unklar, ob das, was Ackroyd zu Venedig vorträgt als einzigartige Besonderheit Venedig charakterisieren soll oder ob nicht genau das Gegenteil gemeint ist, nämlich daß sich Venedig und die Markusrepublik in vielem von keiner anderen vergleichbaren Stadt und von keinem anderen vergleichbaren Regime seiner Zeit unterscheidet. Aber immerhin: "Einige sprechen von 'Niedergang' oder auch von 'Verfall', doch es gibt keine Beweise dafür, dass es sich tatsächlich darum handelt. In mehr als einer Hinsicht ist Venedig die erfolgreichste Stadt der Welt." (S. 367) Auch diese - durchaus zutreffende Aussage - muß natürlich begründet werden und an Begründungen mangelt es bei Ackroyd generell. Sehr berechtigt ist die Frage: "Wie kann man überhaupt in Bezug auf eine Stadt, die bis heute intakt geblieben ist und überlebt hat, von Versagen und Niedergang reden?" Beantwortet wird diese Frage bei Ackroyd nicht. Er nutzt die - stets konkret verschwiegnen - Quellen wie einen Steinbruch. Er arbeitet nicht mit ihnen, hinterfragt sie nicht kritisch. Die naheliegender Frage, von wem welche Art von Darstellung stammt, welche Interessen darin zum Ausdruck kommen, kommt bei Ackroyd nicht vor. Dieses Versäumnis ist für einen, der in Cambridge das Clare College mit einem Literaturdiplom absolviert und in Yale studiert hat, schon sehr erstaunlich. Seinem Venedig-Buch fehlt eine grundlegende Idee. Er hat sich offensichtlich nicht gefragt, was er mit diesem Buch Neues in den schier unüberschaubaren Fundus der Venedig-Literatur einbringen will. Dabei ist er mitunter nahe dran an einer eigenständigen Idee, etwa: "Doch man kann sagen, dass Venedig alle Städte repräsentiert. Es verkörpert die Ängste, die Städte generell heimsuchen - die Angst vor Krankheiten, die Angst vor Ansteckungen, die Angst, für immer von der Welt der Natur abgetrennt zu sein. Sie repräsentiert auch die Ängste, die Städte selbst auslösen, die Angst vor den negativen Folgen eines Lebens in Luxus, vor ihrer Macht, ihrer Aggressivität. Die Stadt an sich ist ein furchteinflößender Ort." (S. 521) Solch eine Idee kann man wohl nur haben, wenn man etwa auf einem einsamen Hof im Dartmoor sitzt, wo lauschig die Nebel wabern, bei anheimelnd flackerndem Kerzenlicht, weil der ums Haus heulende Wind die Stromleitungen zerrissen hat, wo es also nichts Ängstigendes gibt. Dies ist mein Urteil, hier sind die Beweise: S. 16 schreibt der Autor, die Besiedelungen der einzelnen Inseln von bestimmten Festlandorten aus "folgten einem bestimmten Muster", S. 19 wird dann aber... Lesen Sie weiter... › Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die von Peter Ackroyd stilistisch meisterhaft erzählte Geschichte Venedigs. Eine Offenbarung, ein Traum und ein Meisterwerk!,
Von Der Buch-Vorleser "André Hanke" (Sachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER)
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Der britische Autor Peter Ackroyd hat neben einigen Romanen auch schon zwei wunderbare, groß angelegte Biographien über William Shakespeare und über London veröffentlicht und legt nun ein ganz hervorragend recherchiertes und spannend geschriebenes Buch über Venedig vor."Venedig - Die Biographie" ist ein schwer in der Hand liegendes überwältigendes Buch mit zahlreichen historischen Abbildungen und durch die unverkennbare Handschrift von Peter Ackroyd wird die Lektüre zum Abenteuer, zum Parforceritt durch die Zeiten und zum Sammelsurium von Anekdoten und Wissen zugleich. Von den Anfängen der vorwiegend auf Wasser erbauten und durch Pfähle abgestützten Stadt vor etwa 1600 Jahren über deren Entwicklung im Laufe der Zeiten, den Wert des venezianischen Glases, den allseits geliebten Luxus, die politische Einordnung über die Jahrhunderte bis hin zu schwärmerischen Liebeserklärungen bekannter Persönlichkeiten und den Tourismusströmen der Gegenwart begleitet Peter Ackroyd den Leser und nimmt ihn bei seinem Ausflug in die Historie und die Gegenwart von Venedig an die Hand, erzählt, berichtet, plaudert und haucht dem Buch dabei ein eigenes Leben ein. Stilistisch meisterhaft und mit profunder Kenntnis der venezianischen Entwicklungsgeschichte geschrieben ist "Venedig - Die Biographie" ebenso ein Stern am Bücherhimmel, wie die Stadt ein Stern am Himmel der Liebenden und der Träumer, der Romantiker und der Sehnsüchtigen aus aller Welt ist. Großartig und nicht nur für potentielle Venedig-Touristen interessant gehört dieses Buch in die Bibliothek eines jeden Lesers, der sich für geschichtliche Entwicklungen, die Stadt Venedig und Peter Ackroyd interessiert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Biographie einer unbeschreiblichen Stadt,
Von Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Venedig: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Oft war ich in Venedig, der Wunderschönen, der Traurigen, der Grandiosen, der Unnachahmlichen, der Einzigartigen, der Verfallenen, der Überlaufenen, der Zeitlosen, der Stadt aller Städte - denn Venedig ist fast unbeschreiblich und hat viele Namen. Die Stadt am Mittelmeer hat eine lange Geschichte und sie erhält nun eine weitere Biographie von Peter Ackroyd, umfangreich und mehr als allumfassend. Wer Peter Ackroyd kennt, weiß das er alles zusammenträgt dessen er habhaft werden kann und am Ende erhält man ein Bild das einem den Verstand und das eigene Wissen verändert. VENEDIG - die Biographie - ist im Begriff ein detailreiches Standardwerk zur schönsten Stadt der Welt zu werden.Das Buch ist ein echter Hammer, nicht nur wegen der knapp 600 Seiten die es umfasst, es bringt einem sowohl historisch als auch politisch und im Wandel der Zeiten Venedig nahe. Facettenreich war die Serenissima ja schon immer, doch Peter Ackroyd beschreibt sie so treffend, so passend und mit so viel Hingabe das man gleich sich auf den Weg zu ihrer Durchlaucht machen möchte. Zwar ist das Werk spärlich illustriert, doch was soll es - schließlich haben wir mit diesem Werk ja kein Bilderbuch gewollt und gewünscht. Das was gezeigt wird ist ausreichend. Allein schon für die Geschichte des Evangelisten Markus der in die Stadt gebracht wird, auf verschlungenen Pfaden, hat sich das Buch gelohnt, doch auch die treffenden Spitzen gegen die Stadt des Kommerz, die gierigen venezianischen Kaufleute und den allmächtigen Dogen wie auch ihre Heiligkeit die katholische Kirche, machen das Buch sehr lesenswert. Löwe oder Glasbläser, obwohl die ja auf Murano Venedig vorgelagert sind, Dogenpalast oder Markusdom, Gassen und Brücken oder Karneval, Kunst und Tourismusströme, nicht wird hier vergessen oder schlecht beleuchtet. Das Buch ist umfassend, angenehm geschrieben, macht neugierig und befriedigt so manchen Wissensdurst nach dem Warum und Weshalb. Peter Ackroyd hat mit seinem neuesten Standardwerk VENEDIG der mythischen Stadt, der Stadt am und aus dem Sumpf, der Einzigartigen und der Tödlich getroffenen ein weiteres Denkmal gesetzt. Ob man sie nach diesem Werk besser kennt, ob sie wirklich treffend beschrieben wurde, quasi zur Gänze? Nein, ich denke da müssen wir der Fairness halber darum bitten die Stadt Venedig doch direkt und höchst selbst zu besuchen - das Buch hilft aber ungemein sich mit dieser unvergleichlichen Stadt zu verbinden - eine lebenslange Liebe dürfte entstehen. Sehr empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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