Eine materialreiche und interessant geschriebene Biographie, die sich spannend liest und versucht ein facettenreiches Bild des Regisseurs Veit Harlan zu zeichnen. Positiv ist mir aufgefallen, dass die Autorin sich kritisch mit den Quellen auseinandersetzt und für vieles nicht nur Behauptungen, sondern auch tatsächlich Quellenmaterial als Beleg vorführt. Interessant wird es vor allem dann, wenn sie verschiedene Aussagen und Behauptungen einander gegenüberstellt und deren Glaubwürdigkeit gegeneinander abwägt. (Daher ist es durchaus lohnenswert, sich auch die Fußnoten näher anzusehen.) Die Ergebnisse hier sind durchgehend untermauert, die Schlussfolgerungen gewöhnlich begründet. Obwohl beim Lesen klar zu erkennen ist, dass Veit Harlan keineswegs für Buchloh der überzeugende Nationalsozialist und bedenkenlose Karrierist war, als der er in die Geschichte eingegangen ist und sie den Umgang mit seiner Person in der Nachkriegszeit nicht für gerechtfertigt hält, begeht sie nicht etwa den Fehler, deshalb ins gegenteilige Extrem zu verfallen. (Buchloh sieht Harlan z. B. nicht als überzeugten Gegner des Nationalsozialismus oder etwa Widerstandskämpfer.)
Arbeitstechnisch ist diese Biographie tadellos gemacht. Sie liest sich spannend (was nie ein Nachteil ist). Sie erhebt auch wissenschaftlichen Anspruch. Es gibt ein umfangreiches Literaturverzeichnis, umfangreiche Fußnoten und der Anhang enthält zusätzlich noch verwendetes Material wie Briefkopien und gibt Leser/in somit die Möglichkeit, Quellen, auf die sich die Autorin beruft, selbst anzusehen und sich somit auch seine eigene Meinung darüber zu bilden. (Die muss keineswegs die sein, welche die Autorin hat.)
Eine Biographie, die den Versuch macht, ein differenziertes Bild des Regisseurs Veit Harlan zu zeichnen, ist sicher sehr schwierig. Schließlich gilt dieser (und das bereits seit mehr als sechzig Jahren) als Symbol für den typischen NS-Mitläufer und Mittäter im Bereich der Kunst. Der Versuch, dem tatsächlichen Menschen hinter einem Symbol (egal ob positiv oder wie eben bei Harlan negativ) durch Forschung näher zu kommen, wird stets von denen kritisiert werden, die absolut kein Interesse an einer abweichenden Sichtweise (selbst wenn diese nur in Ansätzen abweicht) haben.
Angesichts dessen, dass Veit Harlan ein heikles Thema ist, mein Vorschlag zu dieser Biographie: geben sie dieser Biographie eine Chance und bilden Sie sich ihr eigenes Urteil darüber (am besten im Vergleich zu anderen Biographien zu Harlan).