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Doch das Gegenteil ist der Fall. Den wenigen sachlichen, soziologischen oder politik-wissenschaftlichen Abhandlungen über die Mechanismen der NS-Propaganda oder über die Verantwortung des Einzelnen im System steht eine Wand hartnäckig umkämpfter, meistens polemisch vorgetragener Positionen um die Schuldfrage des Veit Harlan gegenüber.
Harlan wurde zum Aushängeschild des Goebbel'schen Propagandaapparates und dafür bis heute geächtet. Ähnliches Interesse entwickelte die Öffentlichkeit nur noch für Riefenstahl und Gründgens, denen allerdings der künstlerische Aspekt ihrer Arbeit nie abgesprochen wurde. Der Hauptvorwurf an Harlan besteht ja aber nun nicht darin, dass er u.a. nationalsozialistische Filme gemacht hat, sondern darin, daß er sie so gut gemacht hat!
Der Behauptung, die "Guten" (im moralischen wie im cineastischem Sinne) seien 1933 gegangen oder verhaftet worden, und die "Schlechten" seien geblieben und hätten den von den Nazis verordneten Erfolg gehabt, wird in diesem Buch ebenso widersprochen, wie den wohlmeinenden Entschuldigungen für einzelne "Ausnahmen" wie Staudte oder Käutner.
Die einseitige Fixierung auf Harlan hatte für das übrige Heer der Filmschaffenden tatsächlich den Vorteil, dass es nahezu unbehelligt weiter arbeiten konnten und vom Nachkriegs-Film in Ost wie West mit offenen Armen empfangen wurde.
Harlan dagegen ist nicht nur zum Symbol des Nazi-Filmes, sondern auch zum Symbol der Unfähigkeit der deutschen Nachkriegs-Gesellschaft und insbesondere der Filmkritik geworden, die eigene Geschichte aufzuarbeiten.
Frank Noack hat endlich damit gebrochen und den Versuch unternommen, sich objektiver dem Thema zu nähern.
Er hat in sorgfältiger Recherche umfangreiches Material zusammengetragen und ein spannendes Buch geschrieben, das nicht nur die Person Veit Harlans beschreibt, sondern mit vielen Details Einblick in das deutsche Filmschaffen VOR-, WÄHREND- und NACH der Nazizeit gibt.
Noack kann dabei keine endgültigen Antworten geben (und wollte dies sicher auch nicht tun), aber er hat in anschaulicher Weise einen immer noch "schwarzen Fleck" auf der Landkarte des deutschen Filmes beleuchtet.
Klar, daß das Buch Jenen nicht passen wird, die sich mit dem üblichen, eben auch recht bequemen schwarzweiß-Bild von der Nazi-Zeit arrangiert haben.
Die anderen Leser werden eine spannende und interessante Quelle an Informationen vorfinden, und wahrscheinlich sogar die Anregung verspüren, mehr über diese dunkle Epoche der deutschen Geschichte zu erfahren.
Was kann ein Buch mehr leisten ?
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