Im Jahr 1963 ist das Werk "Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, in kausaler, dynamischer und historischer Sicht" erstmalig erschienen und schnell als "der Ellenberg" zum Begriff geworden. Nun ist das bisherige Ein-Mann-Werk" von Christoph Leuschner vollständig überarbeitet und stark erweitert worden.
Der Botaniker und Landschaftsökologe Heinz Ellenberg ist einer der Wegbereiter der mitteleuropäischen Vegetations-Ökologie, Pflanzen-Soziologie und Standortskunde. In mitteleuropäischen Breiten sind die "Zeigerwerte nach Ellenberg" seit den 70er-Jahren als Klassifikationsverfahren für mitteleuropäische Pflanzen wie auch für Hinweise auf Bodenbedingungen bekannt und bewährt. In vielen Tabellen des Buches sind diese Zeigerwerte mit angegeben und in Kapitel 27 ausführlich erläutert.
Doch in diesem gewichtigen Buch geht es umfassender um die Vegetation Mitteleuropas vom "Salzstrand" von Nord- und Ostsee bis zur nivalen Stufe und dem ewigen Eis der Alpen, genauer: um die Standorte der Vegetationseinheiten, die durch ihre typische Artenkombinationen gekennzeichnet sind, um eine Gesamtschau der Vegetationsökologie. Bis zur 5. Auflage war dies ein mustergültiges Standardwerk, aber ein "Ein-Mann-Werk" geblieben. Nun, in der 6. Auflage hat Christoph Leuschner mit zahlreichen Fachkollegen den Klassiker auf den neuesten Stand gebracht, anders gegliedert, und mehr als 280 Abbildungen und 100 Tabellen dazugestellt.
Der Band thematisiert die Ökologie der pflanzlichen Lebensgemeinschaften und die Ökosysteme Mitteleuropas aus botanischer Sicht. Sehr ausführlich geht es um Wälder und Gebüsche wie auch um gehölzarme und gehölzfreie Formationen, zu denen Binnengewässer, Moore, Dünen, Salzstellen gehören, aber auch die Lebensgemeinschaften der alpinen und nivalen Höhenstufe. Doch auch der Mensch hat solche Formationen geschaffen wie Wirtschaftswiesen oder naturferne Forsten. Das Werk geht auch auf die Entstehung jener Pflanzendecke ein und auf die aktuellen Einflüsse des Menschen, ist doch Mitteleuropa eine alte Kulturlandschaft. Als ein Beispiel für solch dargestellten Einfluss kann der Zusammenbruch der Ackerwildkraut-Populationen innerhalb für die Natur kurzer Zeit angeführt werden, die der Mensch zu verantworten hat.
Bei der Lektüre des Buches muss - wie bereits Ellenberg betonte - "eine ausreichende Pflanzenkenntnis vorausgesetzt werden", denn die erwähnten Arten können angesichts der breiten Thematik auch nicht kurz beschrieben werden und es ist selbstverständlich, dass keine deutschen Artnamen im Text und in Listen genannt werden, sondern die wissenschaftlichen Bezeichnungen.
Aspekte der Mykologie und der Tierökologie und ihr Zusammenspiel mit der Pflanzenökologie sind ausdrücklich nicht Thema des Buches - von diesen Großthemen gibt es bislang ja auch gar keine derartige Gesamtschau wie in diesem Band, die Vorbedingung dafür wäre.
Die große Stärke des Buches sind die übersichtlichen und faktenreichen Beschreibungen zusammen mit den vielen detaillierten Abbildungen und Tabellen als Zusammenschau des bisherigen Wissens um diese Zusammenhänge. Es sind ab und zu auch besonders für die Praxis brauchbare "Häppchen" dabei, wie z.B. eine Zusammenstellung der Laubblätter unserer Weidenarten zum raschen Bestimmen. Das umfangreiche Werk ist jedoch kein Lehrbuch der Botanik wie es der Strasburger ist, es ist auch kein Bestimmungsbuch und kein Buch für Einsteiger, aber ein wichtiges Nachschlagewerk für viele Berufsgruppen, Studierende und Interessenten, das in der Neuauflage gewaltig gewonnen hat.
Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. In ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 6., erweiterte Aufl. 2010. 1334 Seiten, 716 Abbildungen, 6 Karten, 203 Tabellen, gebunden, ISBN 978-3-8252-8104-5.