Eine Charakterisierung in einem Satz vorweg: In etwa, als wenn Christa Wolfs Kassandra ihre eigene Version von Anna Gavaldas Wohngemeinschaftskomödie 'Zusammen ist man weniger allein' schreibt (allerdings das Buch, nicht etwa der Film, der leider etwas viel Weichspüler hat. Der Film hätte zur Beschreibung von 'Vegetarische Tage' nur dann etwas beitragen können, wenn Aki Kaurismäki Regie geführt hätte).
Circe Andromaché, eine junge Frau anfang zwanzig, sammelt Lebenserfahrung und springt dabei zwischen den Vorbildern ihrer göttlichen Namensgeberinnen hin und her. Eine bohemische Wohngemeinschaft auf dem Lande ist das Bühnenbild ihrer Erforschung der größeren, unsichtbaren Fragen des Lebens zwischen Dreier- und Viererbeziehungen, offen, heimlich, über Kreuz, sowie vegetarischer Ernährung bestehend aus Nudeln, Schokolade, Gummibärchen, Bier und Wein, und Philosophiestudium oder auch nicht.
Mir hat das Buch gut gefallen. Zum einen wegen des Wolfschen Kassandra Stils, angereichert mit zurückhaltender Selbstironie und sanfter Komik, zum anderen wegen der Erinnerung an die eigene Studienzeit und ihren 'etwas schrägen Umständen'.
Ein schönes Kleinod. Ich würde gern weitere Werke der Autorin lesen.