Ich bin seit ca. 12 Jahren Vegetarier und versuche dabei nach Kräften, so etwas wie ein "Puddingvegetariertum" zu vermeiden. Man hält dann also unauffällig Ausschau nach dem einen oder anderen Kochbuch, um dem Wunsch, sich einigermaßen vernünftig und ausgewogen zu ernähren, nachkommen zu können. Ich persönlich habe es nicht so mit dem Kochen, doch meine Freundin, die da wesentlich (kursiv) mehr Wissen und Talent hat, bestätigte mir, was ich schon ahnte: Hier handelt es sich um ein wirklich gutes Kochbuch, welches über die inflationär vorhandenen mittelmäßigen und in der Aufmachung oft billigen Titel auf dem Markt herausragt.
Vorweg: Sehr schönes Layout, hochwertige Aufmachung (inkl. Lesebändchen), ansprechendes Format. Die Rezepte sind außergewöhnlich, bieten geschmackliche Alternativen zum obligatorischen vegetarischen Chili Con Carne oder Brokkoliauflauf (letzterer "Die Currywurst der Studikneipen", so zumindest Max Goldt).
"Vegetarisch gut gekocht!" besticht vor allem durch die detailreiche und "liebevolle" Gestaltung der präsentierten Rezepte, begleitet von wirklich schönen Fotos.
Der Aufbau der Seiten ist dabei gut durchdacht. Tipps am Rande der eigentlichen Rezepte, immer unter der Überschrift "Das ist wirklich wichtig", sind hilfreich, und belassen die eigentlichen Rezepte in ihrer sinnvollen Kürze, um die Übersichtlichkeit der Kochanleitungen zu wahren. Durch die flankierenden "Das ist wirklich wichtig"-Tipps ist die Möglichkeit gegeben, sich am Rande über auch vermeintlich "Triviales", wie "So trennt man Eier" zu informieren, ohne den Blick auf das Wesentliche (= das Rezept) zu verlieren - insofern wird hier das Buch der Benennung "Grundkochbuch" durchaus gerecht. Doch manche dieser Nebenbemerkungen sind auch erforderlich, sind doch einige der vorgestellten Gerichte weit über dem, was man als simple Küche bezeichnen könnte (insofern gerät hier der Begriff "Grundkochbuch" wieder etwas ins Wanken). Es ist schon wichtig zu erfahren, ob man z.B. eine exotische Zutat schälen muss oder nicht, oder wie man mit Reispapierblättchen oder Kichererbsenmus hantiert.
Die Gliederung der Kapitel ist sinnvoll. Eine Überschrift" wie "Hauptgerichte für Festtage" ist sehr willkommen, denn gerade beim Bekochen von Gästen wird es zuweilen schwierig. Hier kann das Buch, wie fast in allem, mit einer gar nicht so kleinen Auswahl origineller Gerichte, voll überzeugen.
Dass auch ein Kapitel existiert, welches sich den Nachspeisen und Süßspeisen widmet, verwunderte mich zuerst, denn - Ganzheitlichkeit hin oder her - beim Nachtisch gleichen sich Karnivoren und Vegetarier ja durchaus an. Aber dann erkennt man, dass sich in diesem Kapitel so manches für Veganer befindet (auch ein Rezept für veganes Eis!) - womit auch dieses Buchkapitel Sinn macht.
Den Kapiteln mit den Rezepten geht eine gute Einleitung zum Thema vegetarische Ernährung voraus, das u.a. erklärt, wo die Unterschiede zwischen vegetarischer und veganer Ernährung liegen, worin sich die Pesco-Vegetarier von den Ovo-Lacto-Vegetariern unterscheiden, und worauf man bei welcher Ernährungsart achten sollte, um einem Mangel an Vitaminen oder Mineralien vorzubeugen.
Hervorhebenswert ist der dann folgende, doppelseitige Saisonkalender für Obst und Gemüse, der eine Hilfestellung für eine vollwertige, umweltschonende Ernährung sein kann, durch das Augenmerk auf z.B. Gemüse aus der Region und der entsprechenden Saison.
Desweiteren hervorzuheben:
- vegane Rezepte sind extra gekennzeichnet
- oft (nicht immer) existiert ein veganes Alternativrezept
- es gibt Ratschläge zur Menüplanung (zu dieser Vorspeise passt jenes Haupgericht und dieser Nachtisch).
Negativ fällt auf: Es gibt nicht wenige Doppelseiten in diesem Buch, auf denen ein bestimmtes Thema abgehandelt wird, mit Texten wie "Sprossen selbst ziehen", "Nüsse, Körner, Öle" oder "Gut ersetzt - Milch und Gelatine"; Texte, die hilfreich sind, aber im Inhaltverzeichnis nicht aufgelistet wurden. Es ist auch keine Logik erkennbar, nach der sie im Buch angeordnet sind. Hier wird also ggf. die Verwendung von Lesezeichen notwendig.
Doch dies ist vielleicht das einzige Manko von "Vegetarisch gut gekocht!", das ohne Frage die fünf obigen Bewertungssterne verdient.