Bernd Höcker meint es gut, macht es aber leider schlecht.
Zunächst das Offensichtliche: Das Layout ist eine handgemachte Katastrophe, die Schrift unlesbar und zu groß, die Bilder in schlechter Qualität. Der erste Eindruck ist abschreckend "hausgemacht": Es macht einfach keinen Spass, dieses Buch in der Hand zu halten und zu lesen, oder eines der Rezepte nach zu kochen.
Der Inhalt ist durchwachsen: die ethischen Aspekte des Vegetarismus behandelt der Autor nett, aber zu oberflächlich (und nicht genug, um tatsächlich Diskussionen mit Fleischessern zu überstehen) und verfängt sich schliesslich in seiner Rechtfertigenden Argumentation für den Ovo-Lacto-Vegetarismus. Sicher muss jeder selbst entscheiden ob man Milch konsumieren möchte, dann sollte man vorher nur keine großen Diskussionen gegen Schlachthöfe und Grausamkeit in der Tierhaltung führen, um dann die Schattenseiten der Milchwirtschaft zu ignorieren, und die Spermienselektion bei der Befruchtung von Milchkühen (zur Verhinderung von männlichem Nachwuchs, der dann geschlachtet wird) zu loben. Sehr inkonsequent, finde ich.
Die Rezepte und Esstipps sind vorallem auf "Fleisch Ersatz" ausgelegt, und bestätigen den sowieso schon in der Gesellschaft bestehenden Eindruck, als Vegetarier müsse man verzichten. Ich frage mich: wenn ich mich (aus tierethischen, gesundheitlichen oder welchen Gründen auch immer) aus eigenem Antrieb dazu entschlossen habe, kein Fleisch mehr zu konsumieren, warum sollte ich dann Dinge essen wollen, die so aussehen, schmecken oder sich im Mund so anfühlen wie Fleisch? Paradox.
Meiner Ansicht nach sollte ein gutes Vegetarierhandbuch einen lustvollen Vegetarismus propagieren: weg von der "Fleisch mit zwei Beilagen"-Falle, hin zum bunten und reichhaltifen vielfältigen Angebot der nicht-tierischen Nahrungsmittel.
Einzig hilfreich fand ich hingegen die Übergangstipps für Neu-Vegetarier und das Falafelrezept.
Auch die Grundidee, ein Rundum-Buch für Vegetarier zu schreiben, in dem ein "Gemeinschaftsgefühl" vermittelt wird, ist löblich. - Leider scheitert Höcker aber. Die Gedichte, Lieder und Bilder und Cartoons sind sicher inhaltlich auf den Punkt, aber einfach zu plump und zu plump gelayoutet, um anzusprechen und zu berühren.
Eine vertane Chance.