Von der Mönchskutte an die lieblichen Brüste einer schönen Frau ' was sich plakativ liest, dieser Weg wird in dem Film 'Vaya con dios' auf eine sympathische und unspektakuläre Weise beschrieben. Dort sind die Cantorianer-Mönche Benno, Tassilo und Arbo, die ihre Abtei in Brandenburg wegen wirtschaftlichen Niedergangs verlassen müssen und die Regula des Ordens nach Italien in das einzige verbliebene Cantorianer-Kloster bringen möchten. Man glaubt es nicht, dass der Weg aus dem Brandenburgischen nach Norditalien so weit und mit so zahlreichen Umwegen verbunden sein kann.
Überhaupt vermeidet es der Film 'Vaya con dios' mit Klischees den hürdenreichen Lebensweg von Menschen zu thematisieren. Dem älteren Cantorianer Benno (Michael Gwisdek) gelingt es beispielsweise, das Hin-und Hergerissensein eines vergeistigten Theologen vorzustellen, der auf die Probe gestellt wird, das kontemplative Leben der Cantorianer zu pflegen oder sich der wissenschaftlichen Mühe des Jesuitenlebens zu beugen. Dem mittelalten Tassilo (Matthias Brenner) fällt es schwer, sich zwischen dem zwischenzeitlich liebgewonnenen bäuerlichen Leben und der Faszination des göttlichen Gesangs zu entscheiden. Der junge Arbo (Daniel Brühl) verlässt quasi das erste Mal in seinem Leben die Klostermauern und lernt prompt sämtliche Abgründe des menschlichen Lebens kennen. Dabei findet er aber die liebevolle und einfühlsame Begleitung der jungen Chiara (Chiara Schoras). Mit einer beeindruckenden Sorgfalt sucht sie die Nähe zu dem jungen Mann, in den sie sich bald verliebt.
Gerade der Blick, mit dem Chiara auf die verunsicherten Mönche schaut, ist ein Gewinn für den Film 'Vaya con dios'. Vorsichtig nähert sich anfänglich die junge Fotografin mit der Kamera dem lebensfernen Arbo. Über die ganz pragmatische Lebenshilfe und die Unterstützung der Mitbrüder sucht sie den Weg zum Herzen des jungen Arbo. Und auch, wenn sie immer wieder die Distanz zu den Brüdern und zu ihren Gefühlen sucht, so gibt es immer wieder Anlass, sich Arbo und den Mitbrüdern zu nähern. Dabei entsagt sie auf ihre eigene Weise auch dem abwechslungsreichen Leben einer jungen Frau in der Medienbranche.
Ein grosser Gewinn für den Film 'Vaya con dios' ist auch die Musik. Die geistlichen Klänge des Films 'Vaya con dios' entfalten ihre Faszination natürlich, wenn man eine angemessene Lautsprecheranlage in Gang setzt. Die Schauspieler sind von den Filmemachern zum Singen an Orte gesetzt worden, wo die Musik ihren eigenen Eindruck hinterlässt. Die verfallene mittelalterliche Abtei, die Barockkirche oder der Steinbruch sind Orte, wo geistliche Musik nicht nur einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Vielmehr kommt zu dem auditiven Genuss noch der optische Genuss hinzu. Schön ist es auch, dass der Film nicht mit schnellen Bildern und Effekten arbeitet.
Das Komödiantische an dem Film 'Vaya con dios' macht natürlich eine grosse Freude und das Anschauen zu einem kurzweiligen Erlebnis. Der Film 'Vaya con dios' wirkt in einer gewissen Weise als Liebeserklärung an die geistliche Musik, die Liebe und das Leben. Kurzum: einfühlsam und pragmatisch. So erscheint das Auskleiden der Mönchskutte auch als Möglichkeit und nicht als unbedingte Konsequenz.