"Vaterland ohne Väter" ist ein beindruckender Roman, der sowohl den Eltern ohne Väter, als auch den Enkeln ohne Großväter, gewidmet ist.
Die soeben pensionierte Rebeka Lange begibt sich auf Spurensuche nach ihrem unbekannten Vater, Robert Rosen, der am Tag ihrer Geburt am 31. Januar 1943 in Rußland gefallen ist. Anhand der Kriegstagebücher ihres Vaters, sowie eines Kameraden nähert sich Rebeka ihrem unbekannten Vater an und findet einen jungen Mann in einem grausamen Krieg, der so gar nicht in das Bild der vermeintlichen Tätergeneration paßt. Ein Mann der seine ostpreußische Heimat verlassen muß, seine noch frische Liebe und sein Elternhaus, um in einen Krieg zu ziehen, den er kaum verstehen kann, der gegen Menschen kämpft, die er nicht hassen kann, der geliebte Kameraden sterben sieht, bis er selbst auf groteske Art Opfer dieses Krieges wird.
"Vaterland ohne Väter" ist ein wichtiges Buch, nicht nur für die Nachkriesgeneration, auch für die Generation der Enkel. Nach Jahrzehnten der systematischen Dehumanisierung einer ganzen Generation wurde es Zeit, das diejenigen die diesen Krieg erlebten und vielleicht auch überlebten als das gesehen werden dürfen, was sie waren: Menschen in einem unmenschlichen Krieg, nicht nur Täter, sondern auch Opfer einer verführten Generation.
Kaum passender läßt Surminski seinen Roman mit einer Erinnerungs-Anzeige mit den Worten "Ich suchte Mörder und fand Menschen." enden.
Viele mögen in der fiktiven Geschichte der Rebeka Lange ein Stück ihrer eigenen Familiengeschichte wieder finden, so fiel mein eigener Großvater zwei Monate vor der Geburt meiner Mutter (die im übrigen ebenfalls sehr beeindruckt war von diesem Buch ist). Aber auch ohne diesen Hintergrund ist "Vaterland ohne Väter" geeignet, sich jenseits der einseitigen medialen eine differenziertere Bewertung einer ganzen Generation zu bilden. Ein Buch, das sicherlich geeignet wäre, im Schulunterricht gelesen zu werden.