Pressestimmen
Klappentext
Die Zeit -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Himmel und Wasser verschmolzen zu einer grauen Schicht, die nur von der dunklen Linie des gegenüberliegenden Ufers unterbrochen wurde. Da bewegte sich nichts. Kein Licht war zu sehen.
Xaver März, Mordfahnder der Berliner Kriminalpolizei, stieg aus seinem Volkswagen und hielt sein Gesicht in den Regen. Er liebte diesen besonderen Regen. Er kannte seinen Geschmack und seinen Geruch. Es war baltischer Regen, aus dem Norden, kalt und von der See gewürzt, scharf vom Salz. Für einen Augenblick fühlte er sich wie vor zwanzig Jahren, im Kommandoturm eines U-Bootes, das aus Wilhelmshaven hinausglitt, mit gelöschten Lichtern, hinein in die Dunkelheit. Er sah auf die Uhr. Es war kurz nach sieben.
Am Straßenrand vor ihm standen drei andere Wagen. Die Insassen von zweien schliefen in den Fahrersitzen. Der dritte war ein Streifenwagen der Ordnungspolizei - der Orpo, wie jeder sie nannte. Er war leer. Durch seine offenen Fenster kam scharf in der feuchten Luft das Knistern des Funkgeräts, unterbrochen von heruntergerasselten Redefetzen. Das Drehlicht auf dem Dach leuchtete den Wald neben der Straße an: blau-schwarz, blau-schwarz, blau-schwarz.
März suchte nach den Orpo-Männern und sah sie sich am See unter einem tropfenden Birkenbaum schützen. Im Schlamm zu ihren Füßen schimmerte etwas fahl. Nahebei saß auf einem Baumstamm ein junger Mann in schwarzem Trainingsanzug mit den SS-Zeichen auf der Brusttasche. Er war vorwärts gekrümmt, die Ellenbogen auf den Knien, die Hände seitwärts gegen den Kopf gepreßt - ein Bild des Elends.