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Vaterland
 
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Vaterland [Taschenbuch]

Robert Harris , Hanswilhelm Haefs
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (144 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 378 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: 2. Auflage (1. April 1994)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453072057
  • ISBN-13: 978-3453072053
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (144 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.942 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Robert Harris
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Harris versteht, gut und spannend zu schreiben. Es kommt alles vor: Verbrechen, Verschwörungen, Vertuschung, Irreführung, Gewalt und Liebe. Harris kann den Historiker nicht verleugnen - so würzt er seine Geschichte mit historischen Dokumenten." DIE ZEIT

Kurzbeschreibung

Hitler hat den Krieg gewonnen - Nazideutschland beherrscht ganz Europa. Das ist das Horrorszenario in Robert Harris' frivolem Politthriller.
«Harris versteht, gut und spannend zu schreiben. Es kommt alles vor: Verbrechen, Verschwörungen, Vertuschung, Irreführung, Gewalt und Liebe. Harris kann den Historiker nicht verleugnen - so würzt er seine Geschichte mit historischen Dokumenten.»
DIE ZEIT


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67 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Was hätte sein können, wenn..., 20. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Man malt sich die Welt lieber nicht allzu genau aus, in der Robert Harris seinen Krimi "Vaterland" ansiedelt: Hitler hat am Ende doch noch den Zweiten Weltkrieg gewonnen, das Deutsche Reich reicht bis zum Ural und in den Kaukasus, und die Teile Europas, die nicht von Deutschland besetzt sind, haben den Status von Satellitenstaaten. Nach Kriegsende wurden auch die unzähligen Beweise für den Holocaust vernichtet (nicht ganz allerdings, wie sich herausstellen soll), es existieren nur Gerüchte. Das Deutsche Reich ist ein Überwachungsstaat Orwell'scher Prägung. Ein Horrorszenario fürwahr, das man sich nicht vorstellen will. Und wenn das Grauen zum Alltag wird, arrangiert man sich eben mit dem Grauen, garniert es gar mit den biederen Requisiten des Spießertums. Schließlich gewöhnt sich der Mensch an alles... Diese Überlegung bildet die Atmosphäre, in der Robert Harris' einen Krimi ansiedelt:

Im April 1964 stehen die Staatsakte zu Führers 75. Geburtstag vor der Tür, und ein Besuch des amerikanischen Präsidenten Joseph (!) Kennedy steht an -- eine weitere Demutsgeste des freien Auslands.

Und nun wird die Leiche eines hochrangigen SS-Veteranen gefunden. Sturmbannführer März (im Original heißt er "March", was man durchaus auch mit "Marsch" hätte übersetzen können) von der Berliner Kripo ermittelt, ein ehemals wohlgelittener Kriegsveteran, der aber bei der Obrigkeit nicht allzu hoch angesehen ist, denn er gehört beileibe nicht zu den hundertzwanzig-prozentigen Parteigängern. Bald bemerkt März Unstimmigkeiten und Merkwürdiges bei seinen Ermittlungen, stößt auf eigenartige Zufälle, kommt mit der Gestapo ins Gehege. Und er trifft auf die amerikanische Journalistin Charlotte Maguire, deren Recherchen seine eigenen Ermittlungen mehr als ergänzen. Ihr fürchterlicher Verdacht bestätigt sich, als sie die Belege für eine historische Tatsache zutage fördern, die heute zum Schulwissen gehören: Dokumente über die Wannsee-Konferenz, in der europaweit der millionenfache Mord an den Juden beschlossen wurde.

Harris hat hier eine Negativ-Utopie mit vorsichtig-optimistischem Schluss in Form eines Krimis geschrieben, und das gewagte Vorhaben ist ihm gelungen. Bedrückend das Nazi-Berlin, das er dem Leser präsentiert; ein Berlin nach den Plänen von Albert Speer, monumental, seelenlos, menschenverachtend. Die Menschen, die hier leben, wirken buchstäblich erdrückt von ihrer totalitären Welt -- erdrückt, aber nicht gesichtslos. Harris hat es geschafft, vielen seiner Figuren ein unverkennbares Profil zu verleihen -- vielen, aber nicht allen. Manche, darunter leider auch Charlotte Maguire, sind etwas farblos geraten.

Auch historisch steht dieser Roman im Großen und Ganzen auf festem Boden, wenngleich Harris sich hier doch einige Schnitzer geleistet hat; dazu später.

Verblüffend gut getroffen hat der Autor die historischen Nazi-Größen aus dem In- und Ausland, die in "Vaterland" Wesentliches zur Handlung beitragen: Sei es der amerikanische Präsident Joseph Kennedy (der Vater von JFK), dessen antisemitische Haltung bekannt ist, oder der notorische Sadist Odilo Globocnik, und vor allem der Polizeichef Artur Nebe, hochintelligent und höchst zwielichtig. Ihre fiktiven Charaktere in Harris' Roman decken sich weitgehend mit dem Bild, das man sich anhand historischer Quellen von ihrem tatsächlichen Charakter machen kann.

Auch das präsumptive historische Umfeld hat Harris recht überzeugend konstruiert -- etwa den fortgesetzten Widerstand osteuropäischer Partisanen gegen die Besatzer, der wirkungsvoller ist, als es die deutsche Bevölkerung wissen darf, oder die brachialen Umsiedlungsprogramme, mit denen das noch brachialer entvölkerte Osteuropa besiedelt werden soll. Auch, dass man sich im Ausland mit einer solch monströsen Regierung arrangiert hat, wirkt glaubhaft.

Dennoch hat Harris an einigen Stellen in seiner Recherche geschlampt: Dass in einem endgültig konsolidierten europaweiten Nazireich die tschechische Automarke "Skoda" in tschechischer Schreibweise verbreitet sein könnte, kann nur einer annehmen, der außer Englisch keine Sprache beherrscht, sodass ihm das nicht auffallen kann. Aber das ist der harmloseste Schnitzer. Schwerer wiegt, dass Harris der Versuchung nicht widerstehen konnte, den Leser durch Spielereien zu verblüffen: So gibt es auch in diesem imaginären Europa 1964 eine Europäische Gemeinschaft (vorzustellen als Vereinigung der Satellitenstaaten, die auf den Befehl aus Berlin warten). Das kann man vielleicht noch akzeptieren. Aber dass diese Nazi-geführte EG -- nun kommt's -- aus exakt 12 Staaten besteht, beweist, dass Harris seine eigene fiktive, hinten im Buch abgedruckte Europakarte nicht genau angeguckt hat. Es sind nämlich 13, aber damit wäre natürlich der Effekt dahin. Und auch, dass Harris die deutsch-polnische Grenze von 1939 an die Oder-Neiße-Linie verlegt, zeugt nicht von stets akribischer Recherche. Tja -- und dann wundert man sich natürlich, woher die vielen Neusiedler im besetzten Osteuropa kommen sollen, und die 10 Millionen Berliner. So schnell kann sich die nationalsozialistische Familienpolitik ja doch nicht ausgewirkt haben.

Andererseits hat Harris die für seinen Roman relevanten historischen Fakten sehr genau recherchiert, sodass ich die erwähnten (und noch einige andere) Schnitzer nicht überbewerten will.

"Vaterland" ist ein beklemmender Krimi, und die Beklemmung (ein schwaches Wort hier) rührt nicht nur von der ungeheuerlichen Prämisse her, sondern fast noch mehr von der beklemmenden, überzeugend konstruierten Atmosphäre.

Beklemmend ist aber auch die Wahl des Sujets -- darf man aus dem Holocaust ein Krimi-Thema machen? Millionenfacher Mord als Sujet für Unterhaltungsliteratur? Wenn ich beim Lesen den Eindruck gehabt hätte, Harris habe eine beliebige Krimihandlung durch möglichst spektakuläre Versatzstücke aufpeppen wollen, dann würde ich diese Frage verneinen. Aber das kann man ihm nicht vorwerfen, und meinem Eindruck nach verharmlost er die Nazi-Diktatur auch nicht. Eher könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund dieses Romans sich der ein oder andere Leser eingehender mit der deutschen Vergangenheit befasst, der das sonst nie getan hätte.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Was wäre wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?, 15. Mai 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Darauf gibt Harris mit seinem Roman "Vaterland" Antwort. Es ist ihm das Kunststück gelungen, einen überaus spannenden Krimiplot mit einem der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte, dem Holocaust, zu verbinden. Rahmengerüst seines Romanes sind eine historische Fiktion und eine geschichsphilosophische Spekulation. Die Fiktion: Hitler hat den Krieg gewonnen, Berlin ist die Hauptstadt des großdeutschen Reiches, das ganz Europa im Rahmen einer deutsch dominierten EU beherrscht. Albert Speer hat seine Monumentalbauten errichtet und Berlin mit der Großen Halle, der Siegesallee und dem Triumphbogen ein neues Gesicht gegeben. Die Spekulation: Trotz des Sieges, trotz Gleichschaltung, trotz ständiger Propaganda, trotz Indoktrination der Jugend lastet das ungeheure Verbrechen der Judenvernichtung über diesem nationalsozialistischen Staat und bedroht ihn innenpolitisch, in seiner moralischen Glaubwürdigkeit, aber auch außenpolitisch, in der gewünschten Entspannungsplolitik mit Amerika. Ich fürchte, Robert Harris hat hier zuviel Zutrauen in die Macht des moralischen Empfindens auf die Menschen wie auf die die Politik, aber das Szenario bleibt trotzdem glaubwürdig.

In diesem Rahmen ereigent sich nun ein Todesfall, den der Obersturmbannführer März aufzuklären hat. Rivaliäten zwischen den einzelnen Abteilungen des Polizeiapparates erschweren die Ermittlungsarbeit und treiben die Handlung voran. Was als Routineuntersuchung begonnen hat, führt März in die innersten Zentren des nationalsozialistischen Staates. März deckt auf, wie individuelle Vergehen und staatlich sanktionierte Verbrechen Hand in Hand gehen. Bis es zum großen Finale kommt, schlägt die Handlung mehrmals Haken, nimmt manche Wendung, bleibt aber immer nachvollziehbar und spannend. Die Darstellung des polizeilichen und ministreriellen Apparates der Nazidiktatur, der Behörden und der Archive sind integraler Bestandteil der Handlung. Viele biographische Details und zitierte Dokumente entstammen der Faktenwelt und sind geschickt in die Romanhandlung integriert.

Bleibt die Frage: Braucht es einen fiktionalen Krimi angesichts der Fülle von Fakten, von Anne Franks Tagebuch bis zu den Aufzeichnungen des Rudolf Höss, von den Eichmann Protokollen bis zu den Nürnberger Prozeßakten? Darauf läßt sich wohl nur sagen, daß Harris hier zunächst und zuerst einen spannenden Kriminalroma geschrieben hat, der auch jene erreicht, die eben die Primärquellen nicht lesen können oder wollen. Vielleicht animiert das den einen oder anderen auch zur intensiveren Auseinandersetzung. Kann man mehr verlangen?

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32 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Machart: Konventionell, 15. März 2006
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Vaterland (Taschenbuch)
Überraschenderweise wurde mir dieses Buch von einem jüdischen Ehepaar geschenkt - weil Berlin darin so eine große Rolle spielt (so die Worte bei der Übergabe)! Und tatsächlich, als Berliner kennt man viele der Schauplätze, und man kann sich auch die Veränderungen der Straßen, Plätze und Gebäude, die im Buch beschrieben sind und den Planungen von Speer im Dritten Reich entsprechen, leider nur zu gut vorstellen. Harris gelingt es, hier eine überzeugende, fiktionale Atmosphäre eines Berlins in den 60er Jahren zu schaffen, in dem nach wie vor das Dritte Reich an der Macht ist.

In diesem (glücklicherweise fiktionalen) Berlin findet sich zu Beginn der Handlung ein toter Funktionär des Regimes. Die Kriminalpolizei wird gerufen, um den Fall aufzuklären. Aber der ermittelnde Polizist merkt bald, dass andere Institutionen des Dritten Reiches auch ihre Finger im Spiel haben und nicht wirklich an einer Aufklärung interessiert sind. Und bald gibt es weitere Leichen...

Wenn es an diesem Setting etwas zu kritisieren gibt, dann sicher nur eine Annahme oder Prognose in der fiktionalen Welt, nämlich, dass das tägliche Leben im Vergleich zu den 30er und 40er Jahren als ziemlich zivilisiert erscheint. Keine Gewalt auf den Straßen (Reichskristallnacht), keine plötzlichen Säuberungen (nach dem Röm-Putsch), keine SA-Willkür, der Terror ist bürokratischer und erscheint gezähmter, und auch nur so ist erklärbar, dass der Protagonist als Querkopf dennoch in der Polizei beschäftigt ist. Ich hätte mir hier eher einen permanenten, totalen Krieg vorgestellt. Ein bisschen erinnert mich das Szenario des Buches eher an den Poststalinismus in Osteuropa, und ich bezweifle, ob ein Regime mit Hitler an der Spitze (er lebt im Buch noch) eine entsprechende Mäßigung jemals vollzogen hätte. Ich bezweifle auch, dass es eine Motivation gegeben hätte, die Morde zu vertuschen.

Aber darüber kann man sich sicher streiten. Harris hat jedenfalls exzellent recherchiert, viele der handelnden Personen sind historisch, und viele der Informationen sind in einem Anhang des Buches durch Dokumente belegt.

Die Krimihandlung selbst ist dann bis auf das Ende überraschend konventionell. Es gibt einen guten Polizisten, eine schöne Frau, mehrere Bösewichte, einen Verräter. Gewürzt wird das eigentlich nur noch durch die (auch historische) Figur des Herrn Nebe, von dem man nicht weis, auf welcher Seite er wirklich steht - in der Realität war das auch nicht immer deutlich.

Macht das Lesen Spaß? Ja, die Handlung ist spannend, das Gedankenexperiment des alternativen Geschichtsverlaufes macht neugierig und viele Details laden zu weiterer Recherche ein. Und die Botschaft des Buches? Na ja, da hatte ich jetzt nicht wirklich viele neue Erkenntnisse. Insgesamt halt doch recht amerikanisch, das Buch.
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