Man ist erstmal skeptisch. Laut Klappentext eine Handlung, die einem die Verirrungen eines Trupps fehlorientierter Teenager präsentiert - wurde das Ding mit den Satanisten nicht schon dutzende Male als Ausgangspunkt für Erpressung verbraten? Man glaubt die Geschichte vorhersagen zu können. Dann ist's auch noch ein "bergischer" Krimi: Sollen es sich die Heimatkrimis von mir aus ruhig zur Aufgabe gemacht haben, die (merkwürdigerweise!) existierende Sehnsucht nach Möglichkeiten der geographischen Selbstverortung innerhalb der Geschichte zu bedienen - nur leider ist diese lapidare Betonung der Lokalisationen (Kreuzberg! Delling!) aus dramaturgischer Perspektive natürlich komplett überflüssig und stellt m.E. einfach ein nerviges Zuviel an Information dar. In all dieser regionalpatriotischen Gefühlsduselei laufen nun auch noch ein paar Figuren rum, die aufgrund ihrer Plattheit und Klischeehaftigkeit die Attraktivität der Geschichte nicht zu erhöhen vermögen. Die Geschichte schleppt sich dahin und ich schleppe mich mit bis, ja bis doch tatsächlich jemand hingemeuchelt wird und sich das Buch wie Phönix aus der Asche hebt. Denn plötzlich treten mit der Kommissarin und ihrem Gehilfen Charaktere auf, die Profil haben und deren Dialoge und Eigenheiten richtig sympathisch und, ja wirklich, interessant sind. Sehr schön auch, dass die Kommissarin gerade NICHT das unfehlbare detektivische Superhirn ist (wunderbar, wie sie die Andeutungen in Form von Bibelzitaten ihres zeitweiligen Hauptverdächtigen nun eben NICHT kapiert!). Außerdem gewinnt die Sprache insgesamt an Qualität - stolpert man doch wahrhaftig über Sätze, die man gerne ein zweites Mal liest, weil sie nicht ganz so spröde daherkommen wie die im ersten Drittel des Buches. Die Handlung mäandert erfrischend vor sich hin, dabei sind die Richtungswechsel niemals unplausibel oder überdimensioniert. Die Entwicklungen einiger Personen und damit Fortgang sowie Zuspitzung der Geschichte sind hervorragend gelungen und teilweise überraschend. Es ist spannend, es funktioniert. Fazit: Bis auf den hausbackenen Beginn ein spannendes, einfallsreiches Buch. Das läßt einen auch den Heimatfilm-Charakter vergessen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)