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Vater eines Mörders: Eine Schulgeschichte
 
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Vater eines Mörders: Eine Schulgeschichte [Broschiert]

Alfred Andersch
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 88 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 7., Aufl. (Oktober 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257236085
  • ISBN-13: 978-3257236088
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,2 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 33.591 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Alfred Andersch
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"... Eine herausfordernd authentische Erzählung. Eine Schulgeschichte, die den Lesern noch immer etwas über sich selbst sagt. Weil sie etwas sagt darüber, wie es zu Hitler und Himmler kommen konnte." Heinrich Vormweg/Hessischer Rundfunk
"Eine persönliche Geschichte, die dennoch von unser aller Vergangenheit handelt, ein erzählerisch raffiniert gesteigertes Miniaturdrama auf engstem Raum und in kürzester Zeit, wird zur paradigmatischen Erzählung der autoritären Machtentfaltung und -ausübung eines `großen Schulmannes`." Wolfram Schütte/Lesezeichen
"Ein meisterhafter Text, ein konzentriertes, dramatisches, spannendes Prosa-Stück." Joachim Kaiser/Süddeutsche Zeitung, München

Kurzbeschreibung

In seinem letzten vollendeten Werk, 1980 postum erschienen, kehrt Alfred Andersch in seine Jugend zurück. München, im Mai 1928. Der Schüler Franz Kien erleidet eine Unterrichtsstunde bei Herrn Himmler, Direktor des Wittelsbacher Gymnasiums, Altphilologe, großbürgerlicher Katholik und Vater des späteren Reichsführers der SS: "... der Rex ließ die Hand, die soeben noch auf Hugo Aletter gedeutet hatte, auf Franz' Schulter sinken und fragte: 'Nun, Kien, wie sieht es denn mit deinem Griechisch aus?'" Im Nachwort stellt der Autor die Frage: 'Schützt Humanismus denn vor gar nichts?' Das literarische, moralische und politische Testament Alfred Anderschs. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
In "Der Vater eines Mörders" blickt der Autor Alfred Andersch auf das Ende seiner eigenen Schullaufbahn zurück und lässt an seiner Stelle den Schüler Kien nocheinmal eine Griechisch-Stunde im Jahre 1928 durchleben. So banal dieses Erlebnis auf den ersten Blick auch scheinen mag, so wird es doch durch das Auftreten seines Rektors in dieser einen Schulstunde mit einer großen Brisanz gefüllt. Wer ist dieser Mann? Weshalb ist er von so großer Bedeutung? Der Rektor ist niemand geringerer als ein Herr Himmler, seines Zeichens Vater des Reichsführer-SS Heinrich Himmler.

Trotz dieses Wissens erscheint der Verlauf der Stunde auf den ersten Blick nicht allzu außergewöhnlich: Rektor Himmler prüft unangemeldet Schüler auf ihre Kenntnisse der griechischen Grammatik hin. Streng und mit herrischem Gebahren weist er dabei seine Schüler und ihren Lehrer zu recht, ja wirft schließlich sogar einen besonders vorlauten Schüler von der Schule. Die Grundmotivation die Himmler dabei an den Tag legt, scheint aber zunächst recht humanistisch. Es wird sogar erwähnt, dass er bewusst jegliche politischen Symbole als den Unterricht störend deklariert und aus den Klassenräumen verbannt hat. Was jedoch als Strenge beginnt, schlägt alsbald in puren Sadismus um, in die Freude an der Demütigung und Bloßstellung der Schüler vor der Klasse. Letztlich ruft er den Schüler Kien an die Tafel, quält diesen mit pedantischen Aufgaben, wohl wissend, dass dieser sie nicht zu lösen vermag, nur um ihn dann unter dem noch demütigeren Hinweis auf sein armes Elternhaus von der Schule zu verweisen.

Drei Facetten des Buches tragen dabei entscheidend zur Güte des Gesamtswerkes bei.

Zum einen ist dies die gekonnte Sprachverwendung Anderschs, die vor dem Auge des Lesers ein erschreckend plastisches Bild dieser einen besonderen Stunde zeichnet. Die Liebe zum Detail, die Andersch dabei an den Tag legt, reicht sogar so weit, dass er bewußt orthographische Fehler in den Text einbaut, um so den Eindruck zu verstärken, das Buch sei ein vom Schüler Kien geschriebener Aufsatz.

Die zweite Facette ist die wirklich gelungene Rekonstruktion des damaligen Schulalltags, der weit entfernt war von modernen pädagogischen Idealen. Stattdessen, so macht Andersch eindrücklich deutlich, herrschte ein streng hierachisches Klima in den Klassenzimmern, ja fast schon eine Verpflichtung der Schüler zur Unterwerfung unter den als absolut geltenden Willen des Lehrers.

Als finale hervorzuhebende Seite des Buches ist, wie könnte es anders sein, das Psychogramm des Rektors Himmler nicht zu vergessen. Mit beeindruckend begrenzten Mitteln (nämlich im Zeitraum nur einer Stunde und mit dem Sprachgebrauch eines Jugendlichen) schafft es der Autor dieses so auszugestalten, dass am Ende der Lektüre der Charakter Heinrich Himmlers zumindest etwas weniger verworren erscheint: Der Vater säte mit seiner Pedanterie, seiner Mitleidslosigkeit und seinem Sadismus das ein, aus dem später der Mörder von Millionen erwachsen sollte. Dass Anderschs, obwohl er wichtige Denkanstöße gibt, in der Kürze des Buches keine komplette Erklärung für die "Bestie Himmler" geben kann, versteht sich fast schon von selber.

Was Anderschs mit dieser Schulnovelle liefert, ist ein exellent geschriebenes Psychogramm des Vaters eines Mörders. Ein in jeder Hinsicht lesenswertes Buch!
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unverziehen 22. März 2010
Format:Broschiert
Im Nachwort zu seiner "Schulgeschichte" erläutert Andersch, dass es sich um eine autobiografische Erzählung handelt und er eine ähnlich prägende Schulstunde selbst erlebte. Zwischen der Schulzeit des Autors und meiner eigenen liegen 40 Jahre, aber vieles ist mir vertraut, die Atmosphäre, der - leider - viel zu häufig langweilige Unterricht, die Unfähigkeit vieler durchaus gutwilliger Lehrer, den Stoff verständlich zu vermitteln und die Unruhe, die entsteht, wenn ein fremder Lehrer oder gar der Direktor eine Klasse für eine Unterrichtsstunde übernimmt. Alles das stellt Andersch so eindringlich dar, dass es viele Erinnerungen weckt.
Anderes ist mir nur aus Geschichtsbüchern bekannt (die Erzählung spielt im Mai 1928) - Adelsstolz, Militarismus, Antisemitismus, der Beginn des Nationalsozialismus, Schulgeld ... Heutzutage nur noch schwer vorstellbar, aber der Schüler Franz Kien (das alter ego des Autors) wird von der Schule verwiesen, weil der Erlass des Schulgeldes (das sein kranker Vater nicht aufbringen kann) nur im Fall von hervorragenden Schülern gestattet ist - und Franz ist ein echtes Faultier und entsprechend schwach im Unterricht. Diese Schwäche wird ihm vom Direktor in einer Prüfung vor der Klasse eindrücklich klar gemacht. Auf diese demütigende Situation reagiert der Vierzehnjährige mit Trotz, aber der Hinweis des Direktors, dass Kiens Vater als verarmter Offizier nicht mehr für das Schulgeld seiner Söhne aufkommen kann, ist eine Bloßstellung, die der Schriftsteller Andersch ein Leben lang nicht verwunden hat. So wird aus dem Schulleiter Himmler "der Vater eines Mörders" (Heinrich Himmler), auch wenn die Erzählung deutlich macht, dass der Direktor durchaus kein Nazi war und der alte Himmler den politischen Vorstellungen seines Sohnes ablehnend gegenüber stand. In seinem Nachwort rechtfertigt der Autor den Titel seiner Geschichte mit der Bemerkung: "die Überschrift, die ich für die Erzählung gewählt habe, hält nur eine geschichtliche Tatsache fest."
Mag sein; aber ich wünschte mir, der Autor hätte seinem ehemaligen Direktor gegenüber die Größe besessen, einen anderen Titel zu wählen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Der Vater eines Mörders, das letzte Werk von A.Andersch, wird meistens als Schullektüre verwendet und lässt sich interessant lesen.Aufgrund der geringen Seitenzahl reichen schon 2 Stunden aus, um das Buch durchzulesen. Im Buch geht es um eine Schulstunde aus der Sicht des Autors, der hier jedoch in der dritten Person mit einem anderen Namen schriebt. In dieser Schulstunde betritt am Anfang der Rektor des Gymnasiums, Rex Himmler, das Zimmer, und es beginnt eine Stunde, die Andersch wohl bis heute nicht vergessen hat.
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