Dies ist ein ansprechend geschriebenes Buch, das direkt die männliche, väterliche Seele anspricht - nicht, dass es nicht auch von Frauen und Müttern gelesen werden könnte. Die Rolle des Mannes und des Vaters ist bekanntlich in den letzten Jahrzehnten nicht einfacher geworden, man spricht ja nicht selten von der "vaterlosen Gesellschaft" und vom Mann und Vater im Sinne eines "Auslaufsmodells". Die Schuld an der "Vaterlosigkeit", bzw. der "väterlichen Abwesenheit" wird landläufig flugs den Vätern zugeschoben, ohne dies weiter zu hinterfragen. Die Väter werden so dargestellt, dass ihnen offenbar Karriere, Ruhm und Geld wichtiger sind als Kinder und Familie. Dass es die meisten Väter aber durchaus gut meinen - nämlich rackern, um es der Familie gut gehen zu lassen, was in der heutigen Zeit gar nicht so einfach ist - das wird in der heutigen, emanzipierten (Medien-)Welt zuweilen völlig ausser Acht gelassen. Aus Opfern (des wirtschaftlichen Druckes, der familiären Ansprüche, um nur zwei Beispiele zu nennen) werden kurzerhand Täter gemacht, und schon sind die "Schuldigen" überführt.
Hier vermag der Text der männlichen Seele etwas Trost zu spenden. Allerdings fällt mir bei manchen Büchern von Richard Rohr auf: er lebt im Grunde hinter Klostermauern, fernab von Geschlechterkampf, sogenannter Gleichberechtigung, wirtschaftlichem Druck, finanziellen Verpflichtungen, familiären Konflikten, aufwachsenden Kindern, Erziehungsschwierigkeiten und entsprechenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Mutter und Vater. Und nicht zuletzt entfernt er in seinen Texten eine weitere, sehr entscheidende "Variable" aus der "familiären Gleichung": nämlich die Frau. Als Pater sei ihm dies natürlich verziehen, doch schreibt er dadurch ziemlich an der Realität vorbei.