Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der ewige Sohn, 9. April 2006
Niklas Frank hasst seinen Vater und nur wenige Söhne könnten einen besseren Grund haben als er. Sein Vater Hans Frank, Generalgouverneur im besetzten Polen, repräsentiert den Typus des Nationalsozialisten, über den sich in Nürnberg die Psychologen den Kopf zerbrachen: Ein hochgebildeter, stilbewusster Bürgersohn und erfolgreicher Rechtsanwalt auf der einen Seite, und ein herzloser, karrieregeiler, eiskalter Gewaltmensch auf der anderen Seite.
Unter Hans Frank war Polen nicht viel mehr als eine deutsche Kolonie: Alles, was Land und Leute zu geben hatten, ging unmittelbar in das Reich über. Während die Bevölkerung hungerte und sich zu Tode schuftete, logierte Hans Frank, als selbsternannter König von Polen" im Krakauer Schloss.
Das Buch des Sohnes ist als eine einzige Anklagerede an den Vater formuliert. Aus Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten, rekonstruiert Niklas Frank den Weg seines Vaters, von der Anwaltskanzlei zur NSDAP und von dort direkt ins Generalgouvernement.
Von allen Seiten wird der Vater besichtigt und jede Zeile strotzt vor abgrundtiefer Verachtung.
Das arrogante Auftreten des Vaters, seine gewollt weltmännischen Allüren, seine kriecherische Haltung vor Hitler und seine superlativ-überladenen Reden; die kleinste Eigenheit wird vom Sohn mit quälender Genauigkeit vorgeführt um aus dem aufgeblasenen Bild des Vaters die Luft herauszulassen. Zwischen den Zeilen ist unschwer zu lesen, dass der Autor ein schwer traumatisierter Mensch ist.
Die Kritik des Sohnes ist bisweilen ätzend und in seinem Hass fällt er auch nicht selten in eine eher pubertäre Ausdrucksweise, trotzdem wird einem gerade bei diesem Buch, das wie in einem Zug geschrieben scheint, zum ersten Mal deutlich, was es bedeutet, der Sohn eines Nazi-Kriegsverbrechers zu sein, ein Teil eines Menschen zu sein, für den man nichts als abgrundtiefe Abscheu empfindet.
Die Niederschrift bietet für den Sohn keine Erlösung. Er hat sich von seinem Hass befreit- aber Hans Frank ist immer noch sein Vater. Und wird es bis an sein Lebensende bleiben.
Das ist der Verdienst dieses Buches- es verdeutlicht, dass es eine Situation im Leben gibt, aus der man sich durch nichts befreien kann: Blutsverwandtschaft.
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Muss!, 10. Dezember 2005
Ja, dieses Buch ist ein Muss im Rahmen der - inzwischen anwachsenden - Literatur der Kinder (und weiteren Verwandten) von NS-Verbrechern und -Mitläufern. Immer noch ist es das Beste, was zu diesem Thema geschrieben worden ist, weil es völlig ungeschminkt und ungeschönt die tiefe Verzweiflung des Autors offenbart, Verzweiflung und Abscheu angesichts der unerträglichen Tatsache, SOLCHE Eltern gehabt zu haben.Manche Passagen mögen abstoßend wirken (sie sollen es wohl auch), manche Formulierungen überschreiten die Grenzen des guten Geschmacks (sicherlich nicht unabsichtlich), aber sie sind dem Thema und dem Ausmaß der Zerstörungen, die "der Vater", DIESER Vater angerichtet hat, zweifellos angemessen. Ich habe diese Abrechnung eines tief verletzten Menschen mit der eigenen verdorbenen Familie jedenfalls als geradezu befreiend empfunden: endlich spricht einer offen und ehrlich aus, was schon lange über den verlogenen Umgang der Deutschen mit ihrer NS-Vergangenheit hätte gesagt werden müssen.
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30 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut lesenswert!, 30. März 2005
Niklas Frank hat ein Buch über seinen Nazivater geschrieben. Damals, 1987, war er einer der wenigen, die sich dieser Art der persönlichen Geschichte überhaupt gestellt haben. Bis heute einzigartig ist, wie er es getan hat. "Der Vater. Eine Abrechnung" ist nämlich eben keines der üblichen deutsch-verklemmt wohlabgewägten Gutachten über die eigene Psyche, die Ausflüge an den Rand des inneren Abgrunds nur mit protestantisch niedergeschlagenen Augen wagen, Halt suchend in den braven Reflexionsübungen trockendürrer Geschichtsschau, die stets nur ein wahres Ziel hat: Distanz zu schaffen. Distanz zu den Verbrechen der Väter, Onkel, Tanten, Mütter, Distanz zu den Gefühlen der Verzweiflung, des Selbsthasses und der Schuld. Frank verwehrt uns die Distanz. Er quält uns, er quält sich, weil er sich und uns - und seinem Vater schon gar - keine Gnade, keine Rücksicht gewährt. Er wirft sich und uns mitten hinein in diese Gefühle, die ja so offensichtlich vorhanden sind! in den Kindern der Täter. Diese Gefühle zu schildern, heißt, gesamtgesellschaftliche Zustände und Befindlichkeiten offen und mutig zu beschreiben und uns, den Lesern, zuzumuten. Das leistet Frank in seiner furchtbaren Abrechnung. Dass es dabei anmutig faktenorientiert, gar nervenschonend, jedenfalls keinesfalls "abstoßend" zugehe, wer kann so etwas verlangen? Es geht um die Verbrechen der Nazis! Niklas Frank ist zu gratulieren. Wer je wagen sollte, Deutschland verstehen zu wollen, der lese dieses Buch.
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