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5.0 von 5 Sternen
Vom psychischen Schrecken eines Nazibonzen als Vater., 31. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Vater: Eine Abrechnung (Taschenbuch)
Niklas Frank ist ein Gezeichneter wider willen, gezeichnet vom Leben seiner Eltern. Der Vater war von einem einfachen Anwalt in München zum Generalgouverneur von Restpolen geworden, ein Duckmäuser und Trittbrettfahrer im nationalsozialistischen Establissment, der für seine Karriere alles tat und auch über hunderttausende Menschenleben mit einem kalten Federstrich hinweg ging. Bedeutsam hierfür sind die Dokumente, die Niklas Frank in seinem Buch über den Vater ausbreitet. Sie geben Zeugnis von einem in ideologischem, karrieregeilen Wahn lebenden Rassisten und Mörder. Niklas Frank zeichnet damit aber auch nach, was totalitäre Regime und Diktaturen in Menschen und ganzen Familien anrichten können, wie sehr zurecht gelegte Weltanschauungen und Ideologien die Menschen zu Lasten anderer moralisch und rechtlich verstümmeln und sie glauben macht, dass Rassismus und industrieller Massenmord aus Habgier oder sonst irgendeiner anderen egoistischen Hinsicht zu rechtfertigen seien. Niklas Franks Abrechnung konfrontiert den Vater immer wieder mit dessen eigenen Briefen, Reden und Verordnungen, in denen er als Nazibonze seine niederträchtige Spießermoral wissenschaftlich verbrämt oder einfach nur schön zu zeichnen versuchte. Gerade darin wird sein Buch zu einer entlarvenden Dokumentation: in den Reden des Vaters an der Univerrsität München im Jahre 1942, in der dieser die Rechtlichkeit der nationalsozialistischen, neufeudalen Diktatur, diesen Hitlerschen rassistischen Totalitarismus in rechtsstaatlichen Farben zu malen versuchte, aber alles der Lüge entlarvte, was bisher in diesem Staatswesen schon geschehen war. Niklas Franks Abrechnung mit dem Vater ist auf dem Hintergrund dieser doppelbödigen Moral geprägt von einem abgrundtiefen Hass gegen die eigenen Eltern, denen er vorwirft, die Not ganzer Völker, deren Ausraubung und Ausrottung für ihr eigene Selbstbereicherung und Selbstbeweihräucherung missbraucht zu haben, nicht zuletzt, um ihm als Kind ein neofeudales Leben in Wohlstand und Luxus, als verhätscheltem Kronprinz auf der Krakauer Burg zu bieten. Aber Niklas Frank erwuchs hieraus nur eine tiefgründige psychische Belastung, von der er sich nicht befreien kann, da dieser Dr. Hans Frank auf immer sein Vater bleiben wird. Jedoch gelang ihm eine bezeichnende Beschreibung, wie solche menschenverachtenden Diktaturen in ihren innersten irrationalen Mechanismen zu funktionieren versuchen. Daher kann man als Leser über dieses Buch nicht mehr sagen als das: Man muss es gelesen haben, will man wissen, was totalitäre Weltanschauungen und Ideologien, was Diktaturen und der Nationalsozialismus im speziellen inMenschen anrichten können, besonders was ihr Privates und Psychisches betrifft. Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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39 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der ewige Sohn, 9. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Vater: Eine Abrechnung (Taschenbuch)
Niklas Frank hasst seinen Vater und nur wenige Söhne könnten einen besseren Grund haben als er. Sein Vater Hans Frank, Generalgouverneur im besetzten Polen, repräsentiert den Typus des Nationalsozialisten, über den sich in Nürnberg die Psychologen den Kopf zerbrachen: Ein hochgebildeter, stilbewusster Bürgersohn und erfolgreicher Rechtsanwalt auf der einen Seite, und ein herzloser, karrieregeiler, eiskalter Gewaltmensch auf der anderen Seite. Unter Hans Frank war Polen nicht viel mehr als eine deutsche Kolonie: Alles, was Land und Leute zu geben hatten, ging unmittelbar in das Reich über. Während die Bevölkerung hungerte und sich zu Tode schuftete, logierte Hans Frank, als selbsternannter König von Polen" im Krakauer Schloss. Das Buch des Sohnes ist als eine einzige Anklagerede an den Vater formuliert. Aus Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten, rekonstruiert Niklas Frank den Weg seines Vaters, von der Anwaltskanzlei zur NSDAP und von dort direkt ins Generalgouvernement. Von allen Seiten wird der Vater besichtigt und jede Zeile strotzt vor abgrundtiefer Verachtung. Das arrogante Auftreten des Vaters, seine gewollt weltmännischen Allüren, seine kriecherische Haltung vor Hitler und seine superlativ-überladenen Reden; die kleinste Eigenheit wird vom Sohn mit quälender Genauigkeit vorgeführt um aus dem aufgeblasenen Bild des Vaters die Luft herauszulassen. Zwischen den Zeilen ist unschwer zu lesen, dass der Autor ein schwer traumatisierter Mensch ist. Die Kritik des Sohnes ist bisweilen ätzend und in seinem Hass fällt er auch nicht selten in eine eher pubertäre Ausdrucksweise, trotzdem wird einem gerade bei diesem Buch, das wie in einem Zug geschrieben scheint, zum ersten Mal deutlich, was es bedeutet, der Sohn eines Nazi-Kriegsverbrechers zu sein, ein Teil eines Menschen zu sein, für den man nichts als abgrundtiefe Abscheu empfindet. Die Niederschrift bietet für den Sohn keine Erlösung. Er hat sich von seinem Hass befreit- aber Hans Frank ist immer noch sein Vater. Und wird es bis an sein Lebensende bleiben. Das ist der Verdienst dieses Buches- es verdeutlicht, dass es eine Situation im Leben gibt, aus der man sich durch nichts befreien kann: Blutsverwandtschaft.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Aufschlussreich, 20. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Vater: Eine Abrechnung (Taschenbuch)
Ein, wenn auch mit viel glaubwürdiger Emotionalität aufgeladenes, wirklich lesenswertes, wichtiges und aufschlussreiches Buch. Aufschlussreich weniger wegen den genannten Details aus dem Leben und "Wirken" von Hans Frank, als vielmehr durch die Tatsache, diesen Mann durch die Augen seines Sohnes wahrzunehmen, welcher schonungslos mit dem Vater abrechnet. Eine durchaus gewinnbringende Ergänzung zu rein sachbezogenen oder analytischen Darstellungen der Verbrecher und Verbrechen des sog. "3. Reiches".
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