Die Varusschlacht gilt als eine der schwersten Niederlagen Roms und gleichzeitig als Wendepunkt der europäischen Geschichte, als im Herbst des Jahres 9. n. Chr. ein Achtel des römischen Gesamtheers - drei Legionen samt Hilfstruppen und Tross mit mehr als 18.000 Mann - unter der Führung des Senators Publius Quinctilius Varus in mehrtägigen Kämpfen auf germanischem Boden gänzlich vernichtet wird.
Mit seinem mörderischen Hinterhalt gelang es Arminius, dem germanischen Fürsten der Cherusker, samt seiner Hilfstruppen vereinter Stämme, das rechtsrheinische Gebiet Germania vor der weiteren römischen Expansion und einer letztendlich vollständigen Romanisierung zu bewahren.
»Von der Varusschlacht geht eine solche Faszination aus, dass sogar Fachwissenschaftler sich verleiten lassen, um ihre Örtlichkeit zu kämpfen. Es ist hier mehr die Trophäe, die zählt, als der wissenschaftliche Fortschritt.«
(Schoppe)
Was für die einen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Teutoburger Wald zu lokalisieren ist, ist für andere noch immer ein Rätsel, das unter Berücksichtigung diverser Anhaltspunkte und weniger, schriftlicher Überlieferungen dazu animiert, pausenlos nach dem Ort des Geschehens zu suchen.
Die Autoren Schoppe gehen in ihrem Buch jenen Rätseln der vermutlichen Lage nach, wobei sie hauptsächlich Umwelt und Infrastruktur jener Zeit zu rekonstruieren versuchen, um daraus neue Anhaltspunkte und Lagehypothesen zu ziehen.
Starke Zweifel an dem umstrittenen Schlachtort Kalkriese im Osnabrücker Land werden anhand vielzähliger Erkenntnisse und Funde untermauert und die dortige PR-Maschinerie stark von den Autoren unter Beschuss genommen und angezweifelt, was allein schon auf dem Buchcover provozierend zur Geltung kommt.
Von Wissenschaftsmanipulation" bis zum Glaubenskrieg"
Welche germanischen Einnahme- und Rohstoffquellen erhoffte sich die Wirtschaftsmacht Rom im Barbaricum zu erschließen?
Wie war es um 9 n.Chr. um Verkehrswege, Infrastruktur und Logistik bestimmt?
Eindrucksvoll beschreiben die Autoren hierbei intensive Handels- und Verkehrsnetze, die sich überwiegend im Lipper Land finden lassen und die anhand von Kartenmaterial und diversen (Ein)Zeichnungen direkte Verbindungen zu den Stämmen erkennen lassen, die an der Schlacht beteiligt gewesen sein sollen.
Weiterhin wird seitens der Autoren ein interessantes Bild des Cheruskerfürsten Arminius, dem Meister des filigranen Hinterhalts gezeichnet.
Neben der Lokalisierung des Pontes Longi, dem möglichen Handlungsort der Auseinandersetzungen am Idistaviso und Angrivarierwall versuchen die Autoren nicht nur vordergründig den Radius der Varuskatastrophe einzugrenzen, sondern darüber hinaus den Schlachthergang zu rekonstruieren und ihn anhand der geografischen Gegebenheiten zu verorten. Interessant sind hierbei vor allem die genannten Rekonstruktionsversuche unter Zuhilfenahme der in der Umgebung gemachten Funde, die darauf schließen lassen, dass die umstrittene Region Kalkriese auch zukünftig noch als Schlachtort in Frage gestellt werden sollte.
Eine ausführliche Zeittafel im Anhang und vor allem das Kapitel Arminius in Sage und Dichtung, in denen die Autoren auf Verknüpfungen zum Nibelungenlied hinweisen runden das Gesamtangebot des Buches ab.
Einiziges Manko: der etwas andere" Klappentext, der nur eine Karte der von den Autoren eingegrenzten Region darstellt. Ein paar knappe Textinformationen zum Buch wären hier sicher um einiges hilfreicher gewesen. Doch letztendlich sollte dies dem guten Gesamtreindruck keinen Abbruch tun.