Moonsorrow waren immer eine grandiose Band. Mit scheinbar einfachen Mitteln kreieren sie eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Das Interessante ist, dass sie einzelne Folkanleihen einbauen, ohne dabei in Partymusik abzudriften. Nicht, dass ich Folk-Partymetal nicht mag, aber Moonsorrow hört man sich an. Man hört der Musik zu und kann darin versinken.
Hervorzuheben ist, dass für Moonsorrow längere Songs praktisch zum Trademark geworden sind. Befanden sich auf dem Debutalbum noch Songs mit Laufzeiten von nur fünf bis zehn Minuten, so änderte sich dies ab dem Album "Verisäkeet", auf dem "nur" vier Songs mit absoluter Überlänge zu finden waren (abgesehen vom akustischen Rausschmeißer). Es folgte "Viides Luku" mit nur zwei Songs mit jeweils ca. 30 Minuten Laufzeit. Die EP "Tulimyrsky" (mit 70 Minuten sogar länger als viele Alben) besaß den Titeltrack mit ebenfalls ca. 30 Minuten Spielzeit.
Nun 2011 ein neues Album.
"Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa" ist nicht wirklich die Neuerfindung des Rades, aber selten wirkten Kompositionen von Moonsorrow so homogen. Vier jeweils ca. 15 minütige Songs laden zum träumen ein. Ja, man mag es kaum glauben. Es entstehen Bilder im Kopf, die die Musik fast spürbar werden lassen. Besonders interessant ist, dass Manche Songs an klassische Kompositionen erinnern. Besonders vom Aufbau her. So erinnert mich der Song "Muinaiset" an einen Sonatensatz mit Exposition-Durführung-Reprise. Dabei bewegen wir uns ja immernoch auf der Grenze zu populärer Musik.. Die Jungs scheinen derlei Kompositionen aus dem Ärmel zu schütteln.
Was mir noch aufgefallen ist: Der Gesang wird deutlich abwechslungsreicher dargeboten. Kreischen, Krächzen, Shouting und ich nenne es mal eher "Jammern" sowie so mancher deathmetallischer Growl verirren sich in die vom Keyboard gut unterstützten Gitarrenwände. Die Kompositionen sind meistens eher im Midtempo angesiedelt und wirken enorm breitflächig, dabei aber niemals langweilig, weil es immer neue Nuancen zu entdecken gibt. Melodierückungen hier, Harmoniewechsel da, abgewandelte Zitate dort... Das Drumming wird ebenso sehr facettenreich eingesetzt, was Breaks, Double Bass, etc. angeht. Angereichert wird das ganze dann noch mit kleinen Intermezzi, in denen, einem Rezitativ ähnlich, Schritte, Atemgeräusche, Wolfsgeheul, leichte Flötenklänge usw. zu einer Art rotem Faden verwoben werden..
Fazit:
Ein sehr eigenständiges Stück Musik. Moonsorrow bleiben ihrem Stil treu, entwickeln sich aber in Sachen homogenen Songwritings mit Überlänge spürbar weiter. Das tut diesem Album extrem gut und zeigt, dass Metalmusik alles andere als "stumpfer Krach" ist, sondern eben vor musikalischer Ideen strotzt und kompositorisch sehr stark daher kommt.
Ich empfehle jedem Freund von intelligenter und atmosphärischer Metalmusik dieses Album, da es eine ungeheure Sogwirkung entfalten kann, sofern man sich darauf einlässt.
Dazu ein Glas Wein oder ein Humpen Met und los kann die Reise gehen..^^..