Berezovsky ist einer der wenigen Pianisten, die sich wagen unbekannte Werke der russischen Klaviermusik zu bemächtigen und deren Gehalt aufzuzeigen versuchen. Man mag meinen, daß Rachmaninoffs Klaviermusik zu bekannteren Werken zählt (wenn man bedenkt, daß einige Préludes und Etudes-tableaux zu den am häufigsten gespielten Klavierwerken gehört, wie auch das zweite und das dritte Klavierkonzert). Dennoch gibt es Werke, die gänzlich unbekannt und fast schon in Vergessenheit geraten sind, wie etwa die erste Klaviersonate und die Variationen über ein Thema von Chopin. Vielleicht mag es an der Tatsache liegen, daß diese Werke nicht besonders eingänglich sind, vor allem wegen ihrer großen Länge.
Berezovsky spielt äußerst kultiviert und mit zurückhaltender Berechnung (wobei das jetzt nicht negativ zu verstehen ist), dennoch merkt man, daß er technisch sehr souverän über allen Anforderungen steht. Bei den Variationen nimmt er einige Kürzungen vor und spielt nicht das virtuose Ende sondern einen verkürzten Schluß, der im pp verhallt. Rachmaninoff setzte teilweise wahnwitzige Tempoforderungen über die einzelnen Variationen, welche die technischen Schwierigkeiten ins Unermeßliche steigen lassen würden (Beispiele hierfür wären die 2. und 3. Variation.) Berezovsky wählt mit Bedacht für diese Variationen angemessene und langsamere Tempi und erreicht damit, daß der Bogen um die Variationen insgesamt überzeugender wird, daß die Einheit der Variationen mehr betont wird. Man muß sagen, daß insgesamt sein bedachtes und gründlich reflektiertes Spiel den Werken eines Rachmaninoff in jeder Hinsicht gerecht wird.
Gehalt des Booklet ist im Gegensatz zu Berezovskys Spiel durchschnittlich. Eine durchweg zu empfehlende zu CD.