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Moviemans Kommentar zur DVD: Ein schönes Bild, ein sehr feiner Ton, wenig einschmeichelnde Extras - für Fans eine lohnende Scheibe.
Bild: Die Farben sind kräftig und gut gesättigt, ohne dass Ausfransungen entstehen. Die Palette ist hoch angelegt und variiert in großer Breite, wobei Details sehr schön zu erkennen sind, so dass man die prächtigen Kostüme voll und ganz bestaunen kann. Die Schärfe ist insgesamt gut, oftmals sogar schön, nur hin und wieder wird das Bild - vor allem auch in Bewegungen - weicher. Details lassen sich jedoch gut erkennen und sorgen für eine Reichhaltigkeit des Bildes, die gefällt. Die Vorlage ist sehr schön, nur ganz selten finden sich kleine Artefakte. Insgesamt scheint das Bild ein wenig zu dunkel angelegt zu sein, der Kontrast ist gut, allerdings fällt bei besonders stark kontrastierenden Objekten am leichtesten eine Doppelkontur auf (01:13:07). Diese Halos sind zwar relativ schwach ausgeprägt, aber durchaus wahrnehmbar. Rauschen ist nur leicht vorhanden, wobei hin und wieder stehende Rauschmuster ein klein wenig störend auffallen (00:37:33).
Ton: Der Ton ist sehr fein angelegt und überrascht auch, erwartet man bei einem dialoglastigen Film dieses Genres nicht wirklich, dass sich etwas außerhalb der Front tut. In dem Fall hat man jedoch darauf geachtet, dass Hintergrundgeräusche passend eingesetzt werden. Und es ist ein Genuss, den schönen Soundtrack über alle Kanäle angespielt zu hören. Die Ambienz ist hoch und sorgt für ein rundum gelungenes Feeling.
Extras: Wichtigstes Extra dieser DVD ist sicherlich der Audiokommentar von Regisseurin Mira Nair, die ausgiebig über Thackerys Romanvorlage doziert. Außerdem gibt es ein paar entfallene Szenen, die zum größten Teil aus gutem Grund entfernt worden sind. Der zeitliche Großteil dieser Szenen ist ohnehin der alternative Anfang und das doch recht andere alternative Ende. Das Making of besteht nur aus dem üblichen "Alles war so toll"-Blabla. Nicht viel besser ist die Featurette über die Frauen von Vanity Fair, in der man sich auch gegenseitig ordentlich auf die Schulter klopft. Abschließend gibt es noch den Trailer. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Ehemalige Studentin der englischen Literatur, eifrige Sammlerin alter Stoffe und Stickereien, aufgestiegen in die Top 25 der Mächtigsten Hollywoods - Reese Witherspoon empfahl sich in vielerlei Hinsicht für ihre jüngste Rolle. Zum zweiten Mal nach 'Ernst sein ist alles' schnürte sie für die Dreharbeiten zu einer Klassiker-Adaption das Korsett. Nicht sehr eng allerdings, war sie doch bei Drehbeginn schon im fünften Monat mit ihrem zweiten Kind schwanger. Nun also gibt Witherspoon Becky Sharp, Hauptfigur von 'Vanity Fair'. Adaptiert von den britischen TV-Autoren Matthew Faulk und Mark Skeet sowie 'Gosford Park'-Schreiber Julian Fellowes, nahm sich Indiens Vorzeige-Export Mira Nair ('Salaam Bombay!') William Makepeace Thackerays umfangreichen Wälzers an. Der erblickte einst in Kalkutta das Licht der Welt und gab der Filmemacherin so noch mehr gute Gründe an die Hand, indische Einflüsse in das erz-britische Geschehen einfließen zu lassen.
Erzählt wird vom Aufstieg und Fall der englischen Waise Becky, die - arm, aber gebildet und mit unbeirrbarem Aufstiegswillen gesegnet - im Haushalt des Landadeligen Sir Pitt Crawley (Bob Hoskins) als Erzieherin arbeitet. Dort erobert sie sowohl das Herz der exzentrischen Erbtante Mathilda - Eileen Atkins brilliert mit spitzer Zunge - als auch das des Sohnes Rawdon (James Purefoy aus 'Resident Evil'), den sie wenig später heimlich heiratet.
In ihrer neuen Heimat London muss sie sich hingegen mit der Herablassung der blasierten Adelsgesellschaft und insbesondere der von George ('Alexander'-Schönling Jonathan Rhys Meyers), Ehemann ihrer Jugendfreundin Amelia (Romola Garai), auseinandersetzen. Doch mit Charme, Gewitztheit und einer gewissen Missachtung der Konventionen behauptet sich die schöne Aufsteigerin selbst in diesem Löwenkäfig und bringt schließlich auch den mächtigen Marquis von Steyne (Gabriel Byrne) dazu, Tür und Geldbeutel für sie zu öffnen. Doch genau diese Bekanntschaft führt schlussendlich zum Bruch mit dem spielsüchtigen Rawdon und zum erneuten tiefen Fall.
Opulente Kulissen und die atemberaubend farbenfrohen Kostüme aus indischer Seide von Kostümbildnerin Beatrix Aruna Pasztor sind neben Reese Witherspoons charmanter Darbietung die auffallendsten Attribute von Nairs Gesellschaftsdrama. Denn die Regisseurin erweckt nur selten den Grad an Begeisterung für ihre Figuren, den man bräuchte, um das Geschehen 141 Minuten lang gebannt zu verfolgen. Ein echter Rapport entsteht kaum, zu glatt, zu emotionslos werden Höhepunkte und Tiefschläge der Protagonisten abgehandelt. So ist Becky hier weniger die durchtriebene, kaltblütige Karrieristin der Vorlage, sondern eher eine modern wirkende, stets optimistische und gewitzte Gewinnerin. Und genau das nimmt dem Stoff die Schärfe und Kontur, ebenso wie das Fehlen sichtbarer Alterungserscheinungen der Figuren - mehr als ein Dutzend Jahre ziehen am Zuschauer beinahe unbemerkt vorbei. Mehr Aufmerksamkeit erregen die Darstellungen des hochkarätigen Ensembles, aus dem vor allem Eileen Atkins und Gabriel Byrne mit den besten, unverblümtesten Dialogen der Arbeit hervorstechen. Weitere bemerkenswerte Auftritte absolvieren der britische TV-Darsteller Tony Maudsley als naiv-sympathischer Verehrer Beckys sowie Rhys Ifans, der nach seinem 'You Have Beautiful Eyes - Fancy a Fuck?'-T-Shirt aus 'Notting Hill' nun in Militäruniform als unglücklich Liebender eine gute Figur macht. Sie heben das ambitionierte Werk aus der Gefälligkeit heraus und mildern auch so manch fehl am Platz erscheinende Indien-Referenz wie Beckys exotischer Tanz im Hause des Marquis. Die vielköpfige Anhängerschar von Literaturadaptionen im Gefolge von 'Sinn und Sinnlichkeit' sollte sich also auch bei diesem Sittenbild zufrieden zeigen. geh.