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War ok, 18. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit (DVD)
Vanity Fair das Hauptwerk des englischen Schriftstellers William Makepeace Thackeray wurde aufwendig 2004 von der indischen Regisseurin Mira Nair verfilmt. Der Gesellschaftsroman, in dem es natürlich wie in nahezu allen englischen Gesellschaftsromanen des 19. Jahrhunderts zugeht, handelt von Liebe, Eifersucht, Missgunst und jeder Menge Intrigen in den oberen Kreisen der High Society. Reese Witherspoon spielt die Protagonistin Becky Sharp, deren Charakter mir absolut unsympathisch war. Becky Sharp die aus ärmlichen, ja beinah unerhörten (Familien-) Verhältnissen stammt ist eine hinterlistige, durchtriebene junge Frau. In vielen Szenen tritt sie als absolut unberechenbar auf, genießt es von Männern umgarnt zu werden und findet ständig Wege, sich in die höheren Kreise einzunisten. Vielen gefällt dies nicht und Becky stößt auch auf Abneigung. Letzt endlich gelingt es ihr aber dennoch, immer Wege an finanzielle Mittel zu finden wenn sie sie gerade nötig hat, Mutterpflichten werden ausgeblendet, das eigene Amüsement steht bei ihr immer im Vordergrund. Nebenbei läuft ein weiterer Handlungsstrang. Beckys Freundin Amelia, die sich in eine illusionierte Liebe hinein steigert und darüber hinaus den Mann übersieht, der ihr die Welt zu Füssen legen würde....Herzschmerz pur. Der Cast besticht neben Reese Witherspoon (ich mag sie eigentlich nicht, aber sie spielt ihre Rolle ganz gut. In der einen Szene da hasst man Beckys Egoismus, leidet aber mit ihr, wenn sie von den gnädigen Damen der ersten Klasse ignoriert wird) vor allem durch Jonathan Rhys Meyers (Tudors), Rhys Ifans (Boat That Rocked), Tom Sturridge (Boat That Rocked) UND Robert Pattinson, der ganz unverhofft in einer herausgeschnittenen Szene auftaucht. Damit hat man ja gar nicht gerechnet! Da ich die Romanvorlage noch nicht gelesen habe, fällt ein Vergleich mit ihr aus. Die Stärke des Films liegt aber definitiv in den gut gewählten Schauspielern und den opulenten Bildern und der Ausstattung. Leider hat der Film Schwächen, so sind z.B. die Dialoge etwas holperig, die Szenen oft unerträglich lang und man quält sich irgendwann nur noch durch diese 2 Stunden + 15 Minuten. Die DVD Ausstattung kommt mit herausgeschnittenen Szenen, einem Making Of, Trailern und Untertiteln daher. Leider waren die Untertitel (wenn man ihn auf Englisch schaut) grauenhaft lang und bereiteten Kopfschmerzen. Fazit: Für verregnete Tage ist diese Literaturverfilmung ganz nett. Nur Fans von Jane Austen Verfilmungen. Mein Lieblingsgenre ist es nicht, aber dafür war der Film ganz ok.
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Nicht durchgängig gut, 4. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit (DVD)
Ich hatte keine Ahnung, dass dieser Film auf einem Roman basiert. Deshalb habe ich ihn mir relativ "unbelastet" angeschaut. Zunächst konnte ich mich gut auf die Geschichte einlassen und fand sie auch schlüssig und ansprechend umgesetzt. Es wurde deutlich, dass auch eine intelligente Frau in der damaligen Zeit unbedingt einen Ehemann finden musste, da sie ansonsten gesellschaftlich nicht existent war und höchstens als Gouvernante Unterschlupf finden konnte. Für eine Frau wie Becky Sharp, die weder eine "gute Partie" war, noch "aus gutem Hause" stammte, deren Ziel es aber dennoch war, gesellschaftliche Anerkennung zu finden, stellte dies eine fast unlösbare Aufgabe dar. Sie machte sich beherzt ans Werk und warf alle ihre Vorzüge in die Waagschale. Bis zu einem bestimmten Punkt hatte der Film durchaus Witz und Charme. Doch dann kamen bei mir immer mehr Irritationen auf, Verläufe in der Geschichte, die ich mir nicht so ganz erklären konnte (z.B. warum hat George überhaupt Amelia geheiratet?) Da ich jetzt von der Romanvorlage weiß, ist mir klar, dass hier der Knackpunkt liegt. Es wurde versucht, möglichst viele Handlungsstränge aus dem Roman zu übernehmen, was aber leider zu Lasten genauerer Informationen und des allgemeinen Spannungsbogens ging. Mir wurde auch die Person "Becky Sharp" immer undeutlicher. (War sie nun in Rawdon verliebt oder war es eine Heirat aus Berechnung?) Je mehr es gegen Ende ging, desto holperiger wurde die ganze Geschichte. Motivationen wurden immer unklarer, und das Ende war dann nur noch ... "Bollywood". Seltsam auch das alternative Ende in den Extras: Man könnte es so deuten, dass auch die Regisseurin sich nicht immer wirklich schlüssig war.
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Eine unverwundbare, unsympathische Heldin, 3. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit (DVD)
Das einzig zu Bewundernde an der Antiheldin Becky Sharp ist ihre Fähigkeit, trotz zum Teil eigenverschuldeter Schicksalsschläge immer wieder aufzustehen und weiterzuleben. Doch dann hört die Bewunderung auch schon auf, und mit zunächst anfänglicher Anteilnahme und Mitgefühl geht in kürzester Zeit beim Voranschreiten der Geschichte jegliche Identifikation verloren. Becky benutzt Menschen für ihre egoistischen Zwecke und scheut auch nicht davor zurück, die aufrichtigen Gefühle, die sie für ihren Mann empfindet, gleichgültig und nur zum Zwecke der Vermehrung von Ansehen und Geld auf Spiel zu setzen. Zumindest suggeriert uns der Film, dass Becky ihren Ehemann Rawdon aufichtig liebt. Im Buch scheint William Makepeace Thackery eine andere Intention zu haben. Bei ihm scheint Becky nicht zu tiefen Gefühlen fähig zu sein. Außerdem scheinen Drehbuchautoren und Regisseurin sich nicht entscheiden zu können, wie sie ihr Werk enden lassen wollen. Zu ambivalent ist ihre Darstellung der von Thackery als verschlagen und egozentrisch dargestellten Becky. Bei Mira Nair empfindet man über weite Strecken des Films zunächst Mitleid und Sympathie. Erst als Becky im entscheidenden Moment sich wie schon immer für Ansehen und Vermögen entscheidet, wird klar, wie kaltblütig sie wirklich ist. Der Film arbeitet dies nicht glaubwürdig heraus. Zu sehr versucht man, aus Becky doch noch eine Heldin zu machen und wenn schon keine liebende, dann doch eine triumphierende, über liebende und fürsorgliche Menschen lachende Heldin. Was sonst soll der makaber triumphante Einzug in Indien sonst verdeutlichen? Wo bleibt die Läuterung der Heldin? Vielleicht habe ich ja irgendwas Wesentliches übersehen und nicht verstanden, aber mich macht der Schluss sehr stutzig, um nicht zu sagen böse. Das war bestimmt nicht Thackerys Intention. Und sein Roman endet auch anders. Dort "saugt" Becky Joseph Sadley finanziell aus, bis er seiner schlechten GEsundheit wegen stirbt. Ihr Sohn, der keinen Kontakt zu ihr wünscht (verständlicherweise) verzeiht ihr aber soweit, dass er ihr ein Gehalt zukommen lässt, das sie aber offensichtlich nicht benötigt, da sie schlau wie sie nun mal ist, genug Geld angehäuft hat. Um ihrem Charakter mehr Ambivalenz zu geben, was durchaus glaubwürdig ist, lässt Thackeray sie aber immer ein Herz für andere arme Emporkömmlinge haben. Thackery lässt Becky also so,wie sie immer war, verschlagen, um gesellschaftliche Anerkennung kämpfend und zum Schluss auch habend, aber zutiefst einsam, eine selbstgewählte, von ihr nicht empfundene Einsamkeit. Eine Einsamkeit, die nur der Beobachter empfindet und somit Mitleid für sie verspürt. Dieses passende Ende fehlt in Mira Nairs Film. Schade eigentlich, denn ein hervorragendes Schauspielerensemble spielt sich in einenm bildgewaltigen, visuell hervorragend ausgestatteten Film die Bälle zu. Daher nur zwei Sterne und einen dafür, dass er mich sehr an- und aufgeregt hat, jedenfalls keinesfalls gelangweilt und Kunst nunmal auch unterschiedliche Geschmäcker haben kann.
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