Vanity Fair ist auch als DVD keine leichte Kost.
Gerade wenn man große BBC Verfilmungen wie die von Austen oder Gaskell kennt, dann ist Vanity Fair zunächst einmal etwas gewöhnungsbedürftig.
Doch lässt man sich einmal auf den Stil ein, so nimmt er einen gefangen und es gibt viel zum Schmunzeln.
Es ist nichts anderes als eine Persiflage auf die damalige Zeit.
Gekonnt und sehr meisterlich fast alle der Schauspieler.
Wie ein grosses Theater ist dieser Film angelegt und auch die Schauspieler sind wohl alles Theaterschauspieler, was sehr zur Qualität der Verfilmung beiträgt. Es werden keine "Helden" dargestellt, sondern Karikaturen. Wohl die schwerste schauspielerische Leistung, die man erbringen kann.
Grosse Darsteller wie Nathaniel Parker oder Natasha Little zeigen hier ihr gesamtes Können.
Niemals albern und doch lustig. Sehr überzogen ohne zuviel zu überziehen. Hässlich ohne die Schönheit zu verlieren. Der Film ist ein Widerspruch in sich und das macht ihn sehenswert.
Für alle Austen und Gaskell Fans sei gesagt - es ist keine romantische Geschichte, in die man sich einfach so fallen lassen kann.
Becky Sharp (auch schon beim Namen fängt die Karikatur an, denn Becky heisst nicht nur so, sondern ist auch so und macht alle Männer so...) ist jung, ehrgeizig, aber nicht von Stand. Mit viel Raffinesse, Intrigen und Lügen heiratet sie sich hoch, was aber nicht hoch genug ist, da Geld nicht ausreichend vorhanden und das ist für Becky doch gleich nach Ansehen das wichtigste.
Eine ihrer Intrigen jedoch wird ihr zum Verhängnis und sie fällt tief.
Doch zum Schluss schliesst sich der Kreis und sie entdeckt zum ersten mal ihr Herz für eine Freundin, um dieser zum helfen. Obwohl... Hat sie ihr Herz wirklich entdeckt und war diese freundschaftliche Tat nicht schon wieder eher ein taktischer Schachzug um sich selber aus einer tiefen Misere zu befreien? Becky Sharp, so hervorrragend dargestellt von Natasha Little, ist ein Luder, das man hasst und doch gleichzeitig liebt und bewundert.
Ein großartiges Lob auch für die Person, die das Casting der Schauspieler gemacht hat. Alles, was in England an Skurilität zu finden war, wurde hier eingesetzt. Zum Glück neigen die Briten zum Skurilen...
Ein Stern Abzug für die sehr schlechte Synchronisation (nicht synchron zu den Lippenbewegungen des Originaltons, was auf Dauer sehr auffällt und stört) und für die manchmal doch etwas Langatmigkeit (besonders in der Mitte des Films).
Aber alles in allem sehr reizvoll, wenn auch sehr "anders".