So langsam biegt das Jahr 2010 auf die Zielgerade ein. Und während die vergangenen elf Monate schon genügend Anlass zur Freude boten, bekommen vor allem alle traditionsbewussten Hardrock-Fans noch mal gehörig was auf die Ohren. Neben den Occult-Rock-Überfliegern von GHOST ("Opus eponymous") gehört speziell das starke, selbstbetitelte VANDERBUYST-Debüt zu den unumstrittenen "must-haves" des laufenden Rock/Metal-Jahres. Hierbei handelt es sich um eine junge Band, die aus der Asche der Underground-Hopefulls POWERVICE emporgestiegen ist - übrigens dieselbe Band, bei der u.a. Selim Lemouchi von THE DEVIL'S BLOOD als Gitarrist aktiv war.
Treibende Kraft hinter dem Trio VANDERBUYST ist dabei der holländische Retro-Maniac Willem Verbuyst, der beim Bandnamen - eine kultige Anlehnung an die Hardrocker VAN HALEN - einen exquisitern Humor bewiesen hat. Und auch den vorliegenden sieben Tracks auf "Vanderbuyst" hört man den Spaß zu jeder Sekunde an. Ausgerüstet mit einer gesunden Portion positiver Energie und Spielfreude, zwingt diese Band jeden Hörer reflexartig zum knapp 40minütigen Luftgitarren-Kontest, und lässt ihn solange zappeln, bis er komplett euphorisiert und ausgepowert am Boden liegt. Adrenalin pur!
Stichwort Gitarren: Für eine treffende Beschreibung des VANDERBUYST-Sounds fallen einem dabei vor allem Bands ein, die immer durch ihr rohes, ungeschliffenes Gitarrenspiel punkten konnten. Neben UFO , RAINBOW , GARY MOORE und MSG (eigentlich der gesamte Michael Schenker-Katalog!) müssen an dieser Stelle unbedingt THIN LIZZY genannt werden, deren Einfluss wirklich unverkennbar ist. Somit schlagen tolle Songs wie "Traci Lords" , "Stealing your thunder" , "To last forever" oder der Rausschmeißer "From pillar to post" als lupenreine Hardrock-Hymnen zu Buche, die - zumindest in ähnlicher Form - auch auf dem THIN LIZZY-Klassiker "Thunder and lighning" Platz gefunden hätten. Gleiches gilt für die Nummer "New Orleans", das aber weitaus weniger mit Southern-Rock zu tun hat, als es der Titel auf Anhieb suggeriert. Höhepunkt des 7-Trackers ist hingegen der schlichtweg umwerfende Tanzbeinschwinger "Tiger", auf dem übrigens Mr. Lemouchi (THE DEVIL'S BLOOD) als virtuoser Solo-Gitarrist glänzen kann, und welches den Kaufpreis der Scheibe schon im Alleingang rechtfertigt. Feine Sache! Und wenn das live eingezockte UFO-Cover "Rock bottom" insgesamt nicht so übermäßig verspielt ausgefallen wäre, dann wären die 5 Sterne an dieser Stelle absolute Pflicht gewesen.
Ein nicht unbedeutender Pluspunkt des VANDERBUYST-Erstlings ist übrigens auch die Produktion, die komplett ohne unnötigen High-Tech-Kladderadatsch auskommt. Der Sound ist dermaßen oldschoolig ausgefallen, dass der Hörer sich im Nostalgie-Taumel gleich 20 Jahre jünger fühlt. In der heutigen Zeit, wo Musikproduktionen per Mausklick vorsätzlich auf Hochglanz getrimmt werden, setzt dieses begeisternde Trio ein eindeutiges Contra. Hier wurde im Studio garantiert nichts verfälscht, nichts manipuliert, nichts aufgesetzt. Und das macht Willem Verbuyst & Konsorten sooo sympathisch.
Fazit: Mit VANDERBUYST hat das Rock-Jahr 2010 eventuell seine neuen Helden gefunden. Vorrausgesetzt man kann sich für energischen, frischen und mit viel Herzblut gespielten Hardrock begeistern. Diese Band macht verdammt viel Spaß - und ist sicherlich keinen Deut schlechter, als die von Funk und Fernsehen hochgejubelten AIRBOURNE. Selten war dreckige Proberaum-Atmosphäre greifbarer, als auf diesem Rohdiamanten. Von mir gibt's jedenfalls faustdicke 4 Sterne, mit starker Tendenz zur Höchstnote!