Das furiose erste Album wird noch heute von vielen Fans und Journalisten als eines der besten VAN HALEN – Werke angesehen. Immer wieder ist auch zu lesen, es handele sich bei dem VAN HALEN – Debüt um eines der besten Debütalben einer Rockband überhaupt. Das wird dadurch untermauert, dass in (meist zweifelhaften) Polls der Fachpresse (á la „Die 300 besten Rockalben aller Zeiten“) das hier besprochene Album fast immer vertreten ist.
Ohne Zweifel besitzt die hohe Meinung, die man von VAN HALEN I haben kann ihre Berechtigung. Erstmals wurde der staunenden Weltöffentlichkeit hier der typische VAN HALEN – Sound präsentiert, den nur eine Band so spielen kann: VAN HALEN! Das furiose Guitar – Instrumental „Eruption“ ist noch heute, knapp 25 Jahre nach seiner Ersteinspielung, ein Lehrstück für Rockgitarristen und wird von Millionen von „Möchtegern – Eddies“ meist mehr schlecht als recht dargeboten. Kein Zweifel: Das bis zum Exzess zelebrierte beidhändige Gitarrentapping, der raue, aber sehr transparente Sound des Albums, das kultige Albumcover... all das waren Elemente, die die Legendenbildung um die Band aus dem Stand nicht nur unterstützten, sondern vielmehr garantierten. Das VAN HALEN – Logo zierte Ende der Siebziger dann wohl auch so manche Schulbank...
Doch das Wichtigste wird oft vergessen: Die Songs! Aus einem unerschöpflichen Fundus an bereits fix und fertig ausgearbeiteten Klassikern konnten die VAN HALEN – Brüder hier schöpfen, denn bereits in der Zeit von 1974 bis 1976 hatte die Band jede Menge Demotapes produziert. Der überwiegende Teil der Inspirationen für das Debütalbum dürfte jedoch dem legendären Demo von 1977 entstammen, welches von KISS – Bassist Gene Simmons produziert wurde und VAN HALEN den Plattenvertrag mit Warner Bros. einbrachte. Wie prägend diese frühe Phase der Bandgeschichte war, wird deutlich, wenn man sieht, dass selbst auf Jahre später erschienenen VAN HALEN – Alben (z.B. „Fair Warning“ von 1981) immer noch Songfragmente des ’77-er Demos auftauchten.
VAN HALEN waren also in der Lage, gleich für ihr Debütalbum ein absolut konkurrenzloses Set an Klassikern zu präsentieren, die bereits im jahrelangen Liveeinsatz erprobt waren. Daher entstammte wohl auch die Entscheidung der Band, das Album komplett „live“ einzuspielen. Mit einem Minimum an Overdubs, meist komplett ohne Rhythmusgitarrenbegleitung während der Soloparts, übertrug die Band hier ihren Bühnensound sozusagen 1:1 auf das Studioalbum. Die aus den Aufnahmesessions resultierenden Songs wie z.B. „Running With The Devil“, „Ain’t Talkin’ ’bout Love“, „On Fire“ und „Jamie’s Cryin’“ stehen bis heute als unerschütterliche Klassiker der Bandgeschichte auf einem denkmalähnlichen Sockel, der (zumindest ein bisschen) die nachfolgenden vier Alben überschattete. Erfrischend spontan und direkt wirkte das Album in einer Zeit, in der Pomprocker wie JOURNEY, BOSTON und FOREIGNER ihre hochgezüchteten Megaproduktionen einem übersättigten Publikum verkaufen wollten.
Als VAN HALEN dann noch während der nachfolgenden Tour als Support für die damaligen AOR – Kings von JOURNEY nicht nur regelmäßig die Hauptband an die Wand spielten, sondern auf ihrem schier endlos scheinenden Livetrip auch noch die Hälfte der Hotels der Vereinigten Staaten in Schutt und Asche legten, war das Eis endgültig gebrochen. VAN HALEN wurden von den Amerikanern ab sofort als Götter der Partyszene, als Ikonen des unsteten Lebenswandels und des zelebrierten Rockstartums verehrt und entfachten schon mit ihrem Debütalbum einen ungeahnten Begeisterungssturm, der im Handumdrehen die ganze Welt erfasste