Stefan Koldehoff verspricht in seinem Buch Legenden der
Wirklichkeit gegenüber zu stellen. Bei der Lektüre seines Werkes stellt man sich nach einiger Zeit jedoch die Frage, ob man sich beim Buchhändler nicht im Regal vergriffen hat. Es geht in Koldehoffs Buch nämlich sehr wenig um Van Gogh, sein Leben und sein Werk sondern hauptsächlich um die Geschichte der Vermarktung seiner Bilder nach seinem Tod und um einen endlos ausgetretenen Kunstfälscherskandal im Willhelminischen Deutschland.
Hat man dann auch noch unzählige Seiten lang gelesen, wer in Deutschland wann welche Fälschung gekauft und wieder verkauft hat, dann scheint es endlich interessant zu werden. Koldehoff kündigt nun an, Legenden zu entlarven.Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Auf Seite 218 z.B. geht es um die Behauptung, Van Gogh hätte kein Glück mit Frauen gehabt. Koldehoff führt als Gegenbeweis tatsächlich die regelmässigen Bordellbesuche des Malers an. Richtig gelesen, als Gegenbeweis. Ähnliche literarisch-kriminalistische Kopfstände gibt es noch zuhauf.
Fazit:Ein Kunsgeschichtsstudium ohne Menschenkenntnis befähigt lediglich dazu, im Leben eines toten Meisters nach Verkaufbarem zu haschen. Nicht jedoch, um Briefe, Zitate, Dokumente und historische Gegebenheiten sinnvoll zu interpretieren.
Über den Mensch Van Gogh habe ich so gut wie nichts erfahren. Das Wenige in Koldehoffs Buch, was der Ankündigung seines Titels nahe kommt passt auf eine einzige Din A 4 Seite. Rausgeschmissenes Geld.
Die Vermarktung scheint indes trotzdem gelungen, da Buchkritiker ihre Rezensionen oft voneinander abschreiben ohne die Bücher auch nur aufzuschlagen. Wie sonst könnten sich die verfügbaren Beschreibungen dieses Werkes alle so dermaßen gleichen?