Ob Douglas Clegg als Autor tatsächlich die Zukunft der Dark Fantasy ist, wird sich erst noch erweisen müssen. Ganz ohne Schwächen ist sein dieser Besprechung zu Grunde liegendes Werk "Vampyricon" nämlich nicht. Allerdings legt er mit Vampyricon 1: Priester des Blutes einen zumindest sehr guten und interessanten Vampirroman als Einstiegsroman in seine ganz eigene Welt der Vampire vor, der doch an manchen Stellen zu überraschen weiß und sich von der üblichen Massenware anderer Vampirromane deutlich positiv abhebt. Endlich wieder ein "echtes" Vampirbuch und kein mystisch "romantischer" Vampirloverroman.
Es gelingt dem Autoren dem Vampirismus tatsächlich eine eigenständige und innovative Variante hinzuzufügen, die in sich logisch und geschlossen scheint. Insbesondere macht er sich die Mühe, "seine Welt" mit einer weit zurückreichenden Historie - meist aus der "Ich -Perspektive" des Protagonisten erzählt - zu versehen, die ihr eine gewisse Tiefe verleiht. Dennoch braucht Clegg lange, sehr lange, beinahe zu lange bis er seinen Charakter "den Falkner" und späteren Messias der Vampire endlich in die Handlung eingeführt und ihn die Wandlung zum Vampir hat vollziehen lassen. Hat man sich durch weit mehr als die Hälfte des Buches durchgearbeitet und das Kind zum Jugendlichen bis zum Erwachsenen begleitet, ist es dann endlich soweit. In der Gewichtung der Erzählstränge erscheint dem Leser der eigentliche Vampiranteil dann am Ende im Vergleich leider deutlich zu kurz. Es wäre unfair zu behaupten, die Einleitung wäre nicht gelungen oder unspannend. Sie ist für sich alleine genommen durchaus lesenswert und gut geschrieben.
Dennoch braucht man für das Verständnis des weiteren Storyverlaufs höchstens ein Drittel davon. Leser, die sich ein reines Vampirbuch erwarten, könnten daher enttäuscht sein. Der Rest der Vorgeschichte dient dazu, den Hauptcharakter und dessen Kindheits- und Jugendgeschichte der Armut und Not besser kennenzulernen bzw. diesen Charakter zu vertiefen.
Das liest sich dennoch gut und ist sprachlich fein herausgearbeitet. Zuweilen wirkt der historische Part der Vampirwelt noch etwas verworren und ist mit vielen beinahe unlesbaren bzw. unaussprechlichen Phantasienamen überfrachtet. Das mag daran liegen, dass Clegg einen richtigen Spagat zwischen realer Historie (Kreuzzüge, keltische und bretonische Historie, Kirche, Hexenverfolgung und diverse Naturlegenden bis hin zu Druiden etc.) in einer wilden Mixtur verarbeiten muss. Interessant - aber leider nicht vollständig überzeugend - und lesenswert ist das allemal, auch wenn es an manchen Stellen durchaus zum Schmunzeln anregen mag und zuweilen sehr an der Oberfläche bleibt. Clegg hat sich viel vorgenommen. Für den ersten Band etwas zu viel. Auffällig viele Redundanzen sind im ersten Band vorhanden. Zum Teil dienen sie gewiss der "Führung" des Lesers durch den langsamen Aufbau, in welchem es viele Hintergrundinformationen zu vermitteln gilt. Andererseits werden bereits ausführlich geschilderte, bekannte Sachverhalte und Begrifflichkeiten bis zu sechsmal oder öfter wiederholt und erneut erklärt. Das wirkt dann spätestens beim fünften Mal verwunderlich und zieht den Lesefluss mitunter etwas in die Länge. Seine Charaktere sind gut herausgearbeitet. Ihre Handlungsmotive nachvollziehbar. Eine nervige "Klette" eines Nebencharakters wird relativ früh wieder entsorgt. Prima. Die eigene Vampirwelt mit ihren eigenen Gesetzen ist ebenfalls sehr schön und detailliert ausgearbeitet. Es gibt ein paar wirklich phantasiereiche Ideen zu entdecken (der Kuss des Vampirs z.B., das giftige Vampirblut oder die Auslöschung des Vampirs als Schwäche ohne tatsächlich zu sterben). Das ist zwar auch nicht ganz neu, in der dargestellten Kombination aus Eigenschaften aber gelungen und plausibel.
Fazit: Lesenswerter und durchaus spannender Roman mit gut herausgearbeiteten Charakteren, einer neuen / uralten Vampirrasse und einer fesselnden Historie. Der 2. Teil wird auf jeden mit Spannung und hohen Erwartungen versehen.