"Vampyr" von Brigitte Melzer ist auch wieder eines dieser Bücher, die ich schon ewig besitze, aber nie wirklich gelesen habe. Ich habe es bestimmt schon fünf Mal angefangen und bin doch nie über die ersten Paar Kapitel hinaus gekommen, weil mir immer irgendein anderes tolles Buch in die Hände gefallen ist. Vor ein paar Tagen war es mal wieder soweit: Mein nächster Versuch und ich war wirklich mehr als überrascht.
Die ganze Geschichte spielt in den Highlands irgendwann im Jahr 1727. Der Prolog findet sogar noch einmal 200 Jahre früher statt, soll aber nur ein wenig für Verwirrung sorgen. Im Mittelpunkt steht Catherine Bayne, die nach Jahren der Flucht nach Glen Beag zurückgekehrt ist, um den neuen Clanführer und ihre heimlich Jugendliebe Martainn noch einmal wiederzusehen. Während einer Audienz auf dem Marktplatz wird Catherine Zeugin eines geplanten Attentats am Oberhaupt und kann dieses nur im letzten Augenblick verhindern. Der Angreifer kann fliehen, aber sie ist sich sicher, ihn von früher zu kennen, weswegen sie mehr unfreiwillig in die Ermittlung hineingezogen wird. Während sie versucht, ihre Identität bedeckt zu halten, holt ihre Vergangenheit sie jedoch wieder ein...
Wie ich in meiner Einleitung schon geschrieben habe, liegt die größte Schwäche des Buches für mich auf den circa ersten 30 Seiten. Zu Beginn der Geschichte wird man als Leser praktisch sofort auf den Scheiterhaufen geworfen und darf hautnah miterleben, wie es sich so anfühlt, bei lebendigem Leib verbrannt zu werden... um dann kurze Zeit später wieder gerettet zu werden - vom Unendlichen! Wer das ist, wird leider die gesamte Handlung über nicht so wirklich klar. Im Mittelpunkt des Geschehens steht nämlich Catherine Bayne, die aufgrund eines Verrats ihres Vaters fliehen musste. Anfangs ist das alles ein wenig verwirrend, aber nach und nach erfährt der Leser die Gründe. An Spannung mangelt es dem Buch meines Erachtens überhaupt nicht, wenn man erst einmal in die Handlung reingekommen ist. Alles wird dabei in eine schöne historische Geschichte verpackt und war durch den Erzählfluss der Autorin wundervoll angenehm zu lesen. An anderer Stelle wurde ja mal geschrieben, die Autorin hätte kein Talent und wenn man regelmäßig Bücher aus diesem Genre liest, mag das auch zutreffend sein, aber für mich war das echt mal eine gelungene Abwechslung. Die Atmosphäre und die Schilderung von ganz alltäglichen Dingen wie das Wetter und die Kleidung wurden mir nah gebracht und ich konnte mich zu jedem Zeitpunkt in der Situation wiederfinden und mitfiebern. Der Schreibstil ist für mich auch klar ein Punkt, der für die gute Bewertung spricht. Ein weiterer ist die Romantik und der Gruselfaktor. Die Beziehung zwischen Catherine und Daeron wirkt authentisch und man hat das Gefühl, die beiden würden schon ewig so miteinander umgehen. Zwar wird hier und da nicht mit Klischees gespart, aber das gehört wahrscheinlich einfach mit dazu.
Der Vampir selbst taucht anfangs noch sehr rar auf und gehört definitiv nicht zu der romantischen Sorte. Bevor man als Leser erfährt, um wen es sich handelt, gibt es deswegen einige wirklich schöne Gänsehautmomente, die dann später durch blutige Szenen ersetzt werden.
Die Geschichte selbst wird aus der Sicht von drei verschiedenen Personen erzählt. Den dabei größten Part nimmt Catherine selbst ein; der Rest durch die Augen von Daeron bzw. des Vampirs, wobei Letzteres den deutlichen kleinsten Anteil ausmacht.
Der eigentliche Höhepunkt ist der Schluss selbst. Fast alle Geheimnisse werden aufgelöst und es gibt einige überraschende Wendungen. Zudem gibt es ein offenes Ende, das mehr erhoffen lässt und ich freue mich schon riesig auf den nächsten Teil. Vor allem der Epilog, in dem die Hexe vom Anfang wieder zu Wort kommt, verspricht noch so einiges.
Das einzig Negative an "Vampyr" ist wirklich, dass es etwas kurz ist. Ich war praktisch an einem langen Abend damit durch, könnte aber im Nachhinein nicht sagen, wo man hätte noch mehr erzählen können.
Ich vergebe schlussendlich 4 Sterne, weil mir etwas der Pfiff gefehlt hat, kann aber jedem dieses Buch nur ans Herz legen, der Spaß an den genannten Punkten hat. Man kriegt eine gut durchdachte Geschichte, tolle Charaktere und einfach mal was anderes geboten. Keine typische, sondern eher die altmodische Varianten eines guten Vampirromans. Also, keine Erotik, keine romantischen Vampire und definitiv kein Twilight! Lesenswert und nur zu empfehlen!!!