Wer schon ein leichtes Sausen im Oberstübchen spürt, sollte „Vampirjäger" besser nicht zu seiner Lektüre machen. Es geht nämlich - im Gegensatz zum widersprüchlichen deutschen Titel - nicht um die Jagd auf Vampire, sondern um ein brutales Katz-und-Maus-Spiel mit quick lebendigen Psychopathen. Dunkle Romantik á la Bram Stoker oder Anne Rice lässt Autor Richard Laymon gar nicht erst aufkommen. Der Schreibstil ist banal und vulgär: kurze, einfache Sätze mit viel Umgangssprache. Dumm ist das Ganze seltsamer trotzdem nicht. Immer wieder tauchen Dialoge auf, die sehr witzig ablaufen. Die Handlung beschränkt sich auf viel Gewalt und etwas weniger Sex. Das Ambiente: die Wüstenlandschaft von Arizona. Wer jetzt noch nicht genug hat und etwas über den Plot wissen will, bitte sehr:
Cat, eine attraktive Frau in den besten Jahren, ruft Sam an, ihren Verehrer aus Jugendtagen. Er soll ihr helfen, Elliott zu töten, einen nimmersatten Vampir vom Aussehen Nosferatus, der sie zu seiner Lust- und Blutsklavin gemacht hat. Sam erfüllt Cat den Liebesdienst und rammt dem Untoten einen Pflock ins Herz. Dann machen sich beide daran, den Vampirkadaver zu entsorgen. Er wird in den Kofferraum geworfen und soll weit draußen in der Wüste verscharrt werden. Ab nun reiht sich Komplikation an Komplikation. Zuerst stoßen sie auf „Schneewittchen", einen sadistischen Biker mit schlohweißem Haar. Er macht ihnen den Wüstentrip zum Albtraum. Als sie ihm entfliehen, nimmt er die Jugendlichen Peggy und Donny als Geiseln und droht, die Kinder zu ermorden, sollten Cat und Sam nicht tun, was er von ihnen will. Was will Schneewittchen? Erstens selbst ein Vampir werden und zweitens Sex mit den Jugendlichen - eine reichlich verstörende Handlung. Sam ist im ganzen Buch der naive Held, der sich ausweglos in den körperlichen Reizen Cats verstrickt und von einer Erektion in die andere verfällt. Ganz nebenbei erfährt er, dass seine Angebetete den Vampir Elliott als Auftragskiller für ihren Mann angeheuert hatte, der ebenfalls ein Sadist war. Ja, und auch Peggy und Donny sind nicht gerade Waisenkinder, wie man erfährt. Wie es wohl mit Laymons Psyche aussieht, darüber darf ausgiebig gemunkelt werden.
Wie gesagt, das, was das Buch trotz der überzeichneten Schwarz-Weiß-Charaktere lesenswert macht, ist der schräge Humor. Alles erinnert an ein Road Movie im Stil von Quentin Tarantino oder Roberto Rodriguez. „Vampirjäger" bewegt sich irgendwo zwischen „Pulp Fiction", „Desperado" und „From Dusk Till Dawn". Wie im Klapptext zu lesen steht, mag auch Steven King „Vampirjäger". Ebenso Schreiberkollege Dean Koontz, der meint: „Laymon treibt es auf die Spitze..." Wie wahr! Wer auf Staub, Schweiß, Blut und andere von der Sonne in Wallung gebrachte Körpersäfte steht, ist mit „Vampirjäger" bestens bedient. Wer sich nicht als Daywalker fühlt und gepflegte gothic romance bevorzugt, taucht besser ins Dunkel der Nacht mit Anne Rice..